Bühnenverein für Lockerung des Urheberrechts

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Klaus Zehelein, Präsident des Deutschen Bühnenvereins

Ingolstadt - Der Deutsche Bühnenverein fordert, es müsse unkomplizierter werden, Theaterproduktionen zumindest ausschnittsweise ins Internet zu stellen und damit Eigenwerbung zu betreiben.

In einer Resolution plädierten die Kulturschaffenden am Samstag im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des Vereins in Ingolstadt deshalb für eine behutsame Lockerung des Urheberrechts. Die Intendanten und Direktoren der deutschen Theater und Orchester sowie verantwortliche Kulturpolitiker haben in den vergangenen Tagen über die Situation der Bühnen beraten. Es kamen rund 250 Teilnehmer.

In der Resolution heißt es: „Mit den Veränderungen könnte erreicht werden, dass die Arbeit der Theater und Orchester einer breiten Öffentlichkeit umfassender zugänglich gemacht würde.“ In der Schrift wird auch eine Internet-Mediathek als Archiv für Theater und Orchester gefordert. Die Lockerungen seien nötig, damit sich die Kultureinrichtungen in der digitalen Welt besser behaupten könnten. Dann würden auch mehr junge Leute ins Theater gelockt. Die derzeitige Ausgestaltung der Urheberrechte werde der modernen Mediengesellschaft nicht mehr in jeder Hinsicht gerecht.

In einer zweiten Resolution wendet sich der Bühnenverein dagegen, auch künstlerische Theatermitarbeiter kommunaler Häuser in den öffentlichen Dienst zu überführen. Er appelliert darin an die kommunalen Arbeitgeberverbände, entsprechenden Forderungen der Gewerkschaft Verdi nicht nachzugeben. Der geltende sogenannte Normalvertrag Bühne diene der Flexibilität der Theater und biete zugleich den notwendigen sozialen Schutz der Mitarbeiter.

„Die Freiheit der Kunst ist nur dadurch zu halten, dass ihr Flexibilität zugesprochen wird“, sagte Zehelein. Diese sei unter den für den öffentlichen Dienst geltenden Bedingungen aber nicht möglich. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass Mitarbeiter dann nur noch projektgebunden beschäftigt würden.

Bei einer Podiumsdiskussion ging es zudem um Kultur-Sponsoring. Zehelein warnte davor, Löcher in öffentlichen Kulturhaushalten mit Sponsoring zu stopfen. „Die öffentliche Finanzierung ist unverzichtbar für Kunst und kulturelle Arbeit“, sagte er. Privatwirtschaftliche Förderung dürfe dieses Geld nicht ersetzen. Er lehne Sponsoring in der Kultur zwar nicht grundsätzlich ab. Es sei dann gut, wenn nicht die Marke eines Unternehmens im Vordergrund stehe, damit keine Abhängigkeit entstehe.

dpa

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