Vorwürfe an Bundeswehr sind falsch

Flog die Bundeswehr kistenweise Bier aus Afghanistan aus? Das geschah wirklich mit den 65.000 Dosen

Familien beginnen mit dem Einsteigen in eine Boeing C-17 Globemaster III der US Air Force während einer Evakuierung am Hamid Karzai International Airport in Kabul
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Flog die Bundeswehr lieber 65.000 Dosen Bier als Menschen aus? Diese Vorwürfe an die Bundeswehr haben sich als falsch erwiesen.

Nach der Machtübernahme der Taliban wurde berichtet, die Bundeswehr habe mehr Bier als Menschen aus Afghanistan geholt. Recherchen zeigen jetzt, dass diese Vorwürfe nicht stimmen.

Berlin - Hat die Bundeswehr in Afghanistan wirklich Menschen in Not zurückgelassen, um mehrere Kisten Bier auszufliegen? In den sozialen Medien wurden diese Vorwürfe heiß diskutiert. Doch eine Recherche von correctiv zeigt, dass sie größtenteils falsch sind.

Bereits Anfang Juni wurde berichtet, dass bei einem Abzug der Bundeswehr alkoholische Restbestände mitgenommen werden würden. Nachdem die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen hatten, hieß es zum Beispiel bei der Bild: „Für Alkohol waren Transportkapazitäten da, für die Ortskräfte in Afghanistan nicht.“ Besonders vor dem Hintergrund, dass die erste deutsche Maschine nur sieben Menschen aus Afghanistan rettete, wurde die Bundeswehr für die Rettung der Bierdosen scharf kritisiert.

Recherche ergibt: 65.000 Bierdosen in Afghanistan wurden nicht ausgeflogen, sondern verkauft

Doch wie correctiv berichtet, holte die Bundeswehr diese Bierdosen niemals ab. Wie ein Sprecher des Einsatzkommandos der Redaktion mitteilte, wurde der Alkohol nicht zurück nach Deutschland geflogen. Stattdessen habe ein ziviles Unternehmen „die Getränke eigenständig abgeholt, auf dem Landweg in einen Anrainerstaat transportiert und dort verkauft“, so der Sprecher.

Zu keinem Zeitpunkt habe die Bundeswehr „mit eigenen Transportmitteln alkoholische Getränke von Afghanistan nach Deutschland transportiert, weder auf dem Land- noch auf dem Luftweg“, erklärt er weiter. Das bestätigte auch eine Pressesprecherin des Verteidigungsministeriums auf einer Pressekonferenz am 7. Juni.

Recherche räumt Vorwurf aus dem Weg, der Bundeswehr sei Bier wichtiger als Menschenleben

Wie die Bundeswehr auf ihrer Website informiert, ist dieses Vorgehen keine Besonderheit: „Nichtmilitärische Verbrauchs- und Gebrauchsmaterialien werden aus Kostengründen nicht zurückgeführt, sondern vor Ort verkauft“, heißt es dort. Wie ein Bundeswehrsprecher correctiv aufklärt, ist die Zahl der verkauften Bierdosen aufgrund der „Zwei-Dosen-Regel“ so hoch. Nach dieser Regel darf jeder Soldat zwei 0,33-Dosen Bier am Tag trinken - sofern die Situation es zulässt. Am ersten Mai sei die Regel aber „aufgrund der hohen Bedrohungslage vor Ort“ eingestellt worden.

Außerdem stand der Verkauf der 65.000 Dosen Bier nicht mit den Evakuierungsflügen der Bundeswehr in Zusammenhang, wie häufig vermutet wurde. Bilder in den sozialen Medien, die zeigten, wie nur wenige Personen an Bord der Evakuierungsmaschine standen, ließen vermuten, dass der Bundeswehr Bier wichtiger sei als Menschenleben.

Doch wie ein Sprecher der Bundeswehr correctiv erklärte, war ein Grund dafür das kurze Zeitfenster, in dem die erste Maschine in Kabul bleiben konnte. Das Flugzeug sei nur 45 Minuten vor Ort gewesen - und zu dieser Zeit hätten sich „nur sieben zu evakuierende Personen im Abflugbereich des Flughafens Kabul“ befunden.

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