Sechs Jahre danach: NASA veröffentlicht detaillierten Abschlussbericht

Columbia: Die letzten Minuten des Todesflugs

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Das offizielle Teamfoto der Columbia-STS-107-Mission: (von links nach rechts) David Brown, Commander Rick Husband, Laurel Clark, Kalpana Chawla, Michael Anderson, Pilot William McCool und Ilan Ramon

Washington - Es ist ein schonungsloser und drastischer Bericht, den die NASA jetzt veröffentlichte.

Knapp sechs Jahre nach der Columbia-Katastrophe listet er minutiös die Vorgänge an Bord der Raumfähre auf, die sich am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre ereigneten: Das Shuttle brach auseinander und verglühte. Die sieben Astronauten überlebten nur knapp eine Minute. Das Schicksal der Crew war bereits beim Start besiegelt worden – ein abgesprengtes Stück Schaumstoff hatte ein Loch in den Hitzeschild des Shuttles gerissen. Aus dem Unglück will die NASA Lehren ziehen, denn der Tod der Astronauten soll nicht umsonst gewesen sein. Das Protokoll ihrer letzten Minuten:

Am 1. Februar 2003, um 4.30 Uhr MEZ übernimmt das Entry Flight Control Team, das Expertenteam für den Wiedereintritt in die Atmosphäre, die Kontrolle im Mission Control Center. Man prüft u. a. das Wetter für die Landung am Kennedy Space Center. Alles läuft planmäßig, sämtliche Systeme arbeiten normal.

Kurz nach 10 Uhr:Der Chef des Kontrollteams prüft noch einmal die Fakten. Er muss endgültig entscheiden, ob die Columbia landen darf.

10.10 Uhr:Die Landeerlaubnis wird erteilt.

10.15 Uhr:Commander Husband und Pilot McCool leiten den Anflug ein und verringern den Abstand zur Erde.

14.45 Uhr:Die Astronauten prüfen die Luftdrucksysteme. Das integrierte Kommunikationssystem wird gecheckt. „ Es ist laut hier drin“, bemerkt Commander Husband.

14.52 Uhr: Das Shuttle schlingert leicht. Nach Expertenmeinung das erste klare Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Für die Crew war dies jedoch nicht erkennbar.

14.52 Uhr:Der linke Flügel des Shuttles beginnt, sich gefährlich zu erhitzen. Die Columbia befindet sich zu diesem Zeitpunkt rund 300 Meilen westlich der kalifornischen Küste.

14.54 Uhr:Zweiter Check der Astronautenanzüge durch die Crew.

14.57 Uhr:Einem Fotografen in New Mexico gelingt eine Aufnahme des Shuttles. Vergrößerungen des Fotos zeigen am linken Flügel eine Asymetrie in der Gaswolke, die das Shuttle beim Eintritt naturgemäß umgibt.

14.58 Uhr:Die Columbia funkt „And, uh, Hou …“ zur Erde. Dann endet die Botschaft. Laut den Anzeigegeräten arbeiten das Shuttle und die Crew planmäßig.

14.59.24 Uhr:Die Bodenkontrolle in Houston macht die Besatzung darauf aufmerksam, dass die letzte Botschaft nicht vollständig verstanden wurde.

14.59.30 Uhr:Das Shuttle beginnt zu brennen.

14.59.32 Uhr:Der Funkkontakt bricht ab. Die letzten Worte aus der Columbia stammen von Commander Husband: „Roger …“

14.59.33 Uhr:Masteralarm! Jetzt bleibt der Mannschaft nur noch knapp eine Minute zu leben. Der Druck im Shuttle fällt rapide. Hektik bricht aus. Pilot McCool bewegt verzweifelt verschiedene Hebel, um die bereits spiralförmig trudelnde und brennende Columbia wieder auf Kurs zu bringen.

14.59.37 Uhr:Das Shuttle ist komplett außer Kontrolle. Die Astronauten haben keine Chance: Druckverlust und Sauerstoffmangel lassen sie in Ohnmacht fallen. Eines der Besatzungsmitglieder hat keine Zeit mehr, sich den Helm aufzusetzen, drei seiner Kollegen tragen keine Schutzhandschuhe. Keinem der Crew-Mitglieder gelingt es, die Vorrichtungen an den Anzügen im Fall von Druckabfall zu aktivieren. Doch vermutlich hätte auch dies nichts mehr genützt. Laut NASA-Experten wurden die Astronauten in ihren Sitzen massiv hin- und hergeschleudert – sie waren nur durch einen Bauchgurt gesichert. Tödliche Verletzungen wären wahrscheinlich gewesen. Zudem saßen die Helme so schlecht, dass sie den fünf Männern und zwei Frauen den Schädel eingeschlagen hätten. Die sengende Hitze und das Feuer, das schließlich die Kabine entzündete, wären ebenfalls absolut tödlich gewesen. Im NASA-Bericht heißt es: „Das Auseinanderbrechen (…) war nicht zu überleben.“

15.00.25 Uhr:Die Columbia zerfällt in mehrere Teile und stürzt auf die Erde.

***

Den vollständigen NASA-Bericht finden Sie unter www.nasa.gov/news/reports/index.html

Lesen Sie auch:

"Columbia"-Crew starb binnen weniger als einer Minute

tz-Stichwort Columbia

Die Raumfähre Columbia war das erste wiederverwendbare Space Shuttle der NASA. Es wurde im März 1979 fertiggestellt. Der Jungfernflug erfolgte jedoch erst zwei Jahre später im April 1981. Benannt wurde die Raumfähre nach dem Schiff des amerikanischen Seefahrers Robert Gray, der 1787 von Massachusetts nach China aufgebrochen war. Als er heimkehrte,

hatte er einmal die Erde umrundet. Die 28. Mission der Columbia, STS-107, stand ganz im Zeichen wissenschaftlicher Forschung. Zum letzten Mal übrigens: Danach sollten diese Aufgaben an Bord der Internationale Raumstation ISS durchgeführt werden. Während des Fluges, der in der Katastrophe endete, wurden insgesamt 80 Experimente durchgeführt.

Quelle: tz

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