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Warum sind Buchstaben auf der Tastatur nicht nach Alphabet geordnet? Erklärung geht über 100 Jahre zurück

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Von: Marcus Giebel

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Die Tastatur eines Computers wird beleuchtet
Chaos mit System? Die Buchstaben sind auf Computertastaturen schon lange nicht mehr alphabetisch geordnet. © IMAGO / McPHOTO

Die Buchstabenanordnung auf Tastaturen ist gewöhnungsbedürftig. Denn sie scheint keinem System zu folgen. Aber warum ist das so? Die Belegung geht auf eine Zeit vor Computern zurück.

München - Der Mensch liebt Ordnung im Leben. So haben wir alle wiederkehrende Rituale, denen wir teilweise täglich folgen. Um so unangenehmer muss für so manchen der Blick auf die Computertastatur ausfallen. Denn dort herrscht gefühlt das komplette Chaos. Die Buchstaben scheinen völlig willkürlich verteilt zu sein. Als hätte jemand eine Buchstabensuppe über der Fläche ausgekippt.

Aber: Warum ist das so? Wäre es nicht deutlich einfacher, die Buchstaben fein säuberlich nach dem Alphabet aufzureihen? A oben links, Z unten rechts?

Computertastatur: Belegung geht auf Probleme der Typenhebel von Schreibmaschinen zurück

Die Tastaturbelegung, wie wir sie heute kennen, wird bereits seit dem 19. Jahrhundert angewandt. Damals natürlich noch auf Schreibmaschinen. Diese wurden bekanntlich noch mit sogenannten Typenhebeln betrieben, auf denen die Buchstaben zu sehen waren, die dann durch Betätigung der Hebel auf das Blatt Papier gestanzt wurden.

Dabei entstand das Problem, dass sich die nebeneinander positionierten Typenhebel immer wieder ineinander verhakten. Gerade beim schnellen Schreiben. Besonders häufig trat dieses Problem natürlich bei den oft genutzten Buchstaben auf.

Anordnung der Buchstaben auf Tastaturen: US-Zeitungsherausgeber weist schon 1868 den Weg

Deshalb machte sich der aus den USA stammende Drucker und Zeitungsherausgeber Christopher Latham Sholes seine Gedanken und gestaltete die alphabetische Anordnung im Jahr 1868 derart um, dass die am häufigsten genutzten Buchstaben möglichst weit auseinander platziert wurden.

Im Englischen werden das E, das T, das O, das A, das N und das I besonders oft gebraucht. Diese verteilte Sholes deshalb möglichst gleichmäßig im Halbkreis. Beim Auffüllen der Zwischenräume achtete er darauf, dass häufig vorkommende Zweier-Kombinationen wie HE, TH oder ND nicht nebeneinader lagen.

Video: Wechsel zwischen Z und Y auf Computertastatur

Buchstabenbelegung auf Tastatur: Im Englischen greift das QWERTY-System

Wikipedia schreibt daher, dass die heute bekannte Anordnung „weniger auf ergonomischen Überlegungen basiert als auf einer statistischen Untersuchung über die Häufigkeit von Buchstabenfolgen in der englischen Sprache“. Zwar setzte sich das Sholes-System erst um 1920 und damit rund 30 Jahre nach seinem Tod durch, doch bis heute ist die sogenannte QWERTY-Belegung der Standard.

QWERTY bezieht sich dabei auf die Aneinanderreihung der ersten sechs Buchstaben oben links auf der Tastatur. Und da wird auch gleich der wichtige Unterschied zwischen der englischen und der deutschen Belegung deutlich.

Buchstabenanordnung auf Tastatur: Deutsche Version setzt auf QWERTZ-Belegung

Denn hierzulande sind im Vergleich zum Sholes-System das Y und das Z vertauscht. Einfacher Hintergrund: Im Deutschen kommt im Gegensatz zum Englischen das Z deutlich häufiger vor als das Y. Die angepasste Anordnung ist auch dem Zehnfingersystem geschuldet, um das Schnellschreiben zu unterstützen.

Demzufolge sprechen wir von der QWERTZ-Tastaturbelegung. Wobei sich auch hierzulande auf Computern relativ einfach zwischen der deutschen und der englischen Version wechseln lässt.

Tastaturbelegung: Buchstaben wie W oder M haben verschiedene Positionen

Während QWERTZ in Mittel- und Osteuropa verbreitet ist, setzen französischsprachige Länder - mit Ausnahme der Schweiz - auf AZERTY. Damit sind grundsätzlich die offiziellen verschiedenen Empfehlungen zur Anordnung lateinischer Buchstabentasten benannt.

Anstelle des A ganz links in der zweiten Zeile steht in der französischen Version das Q, ganz unten links kann das Y auch von einem W oder einem Z ersetzt werden. Zudem steht das M nicht immer ganz unten rechts, sondern zuweilen in der mittleren Zeile rechts neben dem L - denn bekanntlich gibt es etwa im Englischen keine Umlaute. Im Großen und Ganzen überschneiden sich die Versionen aber.

Auch wenn in den vergangenen 100 Jahren immer wieder Alternativen zum Sholes-System entwickelt wurden, setzte sich keine davon durch. Das unterstreicht sicher auch, wie effektiv die vor mehr als 150 Jahren ins Leben gerufene Anordnung ist - auch wenn sie auf den ersten Blick chaotisch wirkt. (mg)

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