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Können wir die Welt retten? Die tz erklärt, worum es beim Klima-Gipfel in Glasgow geht

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Vor UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow Greg Mitchell
Die Erde brennt: Der schottische Künstler Greg Mitchell nennt sein Wandgemälde zum Gipfel „Während ihr geredet habt“. © Jane Barlow/dpa

Natürliche Änderungen im Klima hat es immer schon gegeben. Doch die globale Durchschnittstemperatur steigt. Um was geht es auf dem UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow.

Glasgow - Stürme, Überschwemmungen, Dürren – die fatalen Folgen der Klimakrise machen schon jetzt Millionen Menschen zu schaffen. Um die Erderhitzung zu begrenzen, treffen sich ab Sonntag fast 200 Staaten zur Weltklimakonferenz. Es geht um nichts weniger als eine Überlebensfrage für Millionen Menschen auf diesem Planeten. Die tz erklärt, was von dem Mega-Treffen in Glasgow mit rund 25.000 Mitgliedern zu erwarten ist.

Klimagipfel COP26 in Glasgow: Was ist das Ziel?

Seit den 70er-Jahren warnt die Wissenschaft davor, dass die Menschen zu viele Treibhausgase in die Luft jagen, also vor allem Kohlendioxid (CO2) und Methan. Das Problem: Die Gase konzentrieren sich in der Atmosphäre und sorgen dafür, dass sich die Erde immer weiter aufheizt und teilweise unbewohnbar werden könnte. Ende der 70er- und in den 80er-Jahren gab es die ersten Klimakonferenzen. Vor 26 Jahren beschloss die Klima-Konferenz in Paris dann, verbindlich festzuschreiben, bis wann und wie stark weltweit der Ausstoß klimaschädlicher Treib­hausgase reduziert werden soll.

Worum geht es bei dieser Klimakonferenz – und warum ist sie so wichtig?

Weil trotz aller Beteuerungen, den CO2-Ausstoß reduzieren zu wollen, die Emissionen in den letzten Jahren immer stärker zunehmen! Im September hat die zuständige UN-Klimaagentur daher laut Alarm geschlagen: Selbst wenn alle vorliegenden Klimapläne umgesetzt werden, steuert die Welt auf eine Erwärmung von 2,7 Grad zu – und sogar auf plus 16 Prozent bei den schädlichen Emissionen. Die fatalen Folgen wären deutlich mehr Dürren, Stürme, Fluten und Waldbrände. Auch würden Hunderte Millionen Menschen in Existenznot gestürzt und viele zur Flucht gezwungen. Um das 1,5-Grad-Ziel zu schaffen, müssten bis 2030 die globalen Emissionen aber eigentlich um 45 Prozent gesenkt werden.

Wird dieses Ziel erreicht?

Schon vor dem Gipfel ist klar: Nein! Denn entscheidende Staaten wie China und Australien haben ihre nationalen Pläne zum Klimaschutz nicht ausreichend verschärft, also vor allem den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas verschleppt sowie den klimafreundlichen Umbau von Verkehr und Landwirtschaft vernachlässigt. China hat erst am Donnerstag in letzter Minute einen aktualisierten Klimaschutz-Plan bei der UN eingereicht. Darin wird aber lediglich das recht schwache Versprechen erneuert, dass Chinas Emissionen nur noch bis 2030 steigen sollen. Zudem will das Riesenreich erst 2060 kohlendioxidneutral werden – zehn Jahre später als die meisten Industrienationen. Auch deshalb bleibt aus Sicht aller Experten das 2015 gemeinsam gesteckte Ziel auch weiter in beträchtlicher Ferne, die Erderhitzung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Wann wäre der Gipfel erfolgreich?

Dass Regierungen in Glasgow quasi spontan ehrgeizigere Klimaschutz-Ziele zusagen, ist unwahrscheinlich. Auch bei den schleppenden Zusagen für Finanzhilfen der reichen Staaten für vom Klimawandel besonders gebeutelte Entwicklungsländer gibt es wenig Hoffnung. Fortschritte könnte es beim „Regelbuch“ für das Pariser Klima-Abkommen geben, also wie der CO2-Ausstoß transparent überprüft werden kann.

Münchner ist bei der Konferenz dabei

Die Queen muss aus gesundheitlichen Gründen ihre Reise zum Klimagipfel COP26 in Glasgow absagen. Königin Elizabeth II. soll werde sich auf den Rat der Ärzte für zwei weitere Wochen schonen und keine Reise unternehmen, teilte der Buckingham-Palast am Freitag mit. Sie sei aber guter Dinge und will eine Videobotschaft senden.

Schon vor Ort ist dagegen der Münchner Physik-Student Julian Hirschmann (21). Trotz aller Horrorszenarien rund um die Klimakrise reist der Münchner mit einem „Grundoptimismus“ nach Glasgow.

Schock-Prognose: So glühend heiß könnte es in München werden

Trockene Sommer, schneearme Winter – und immer wieder Starkregen: Die Folgen des Klimawandels sind in Bayern bereits deutlich zu spüren. Das passiert, wenn wir nicht gegensteuern. Die Landeshauptstadt München wächst rasant. Das hat nicht nur Folgen für Mietmarkt und Nahverkehr –sondern auch für das Klima. Und zwar fatale.

Weiterer Anstieg trotz Corona

Die Konzentration des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) in der Atmosphäre ist die höchste seit zwei Millionen Jahren und sie ist auch im Coronajahr 2020 weiter gestiegen. China und die USA sind in absoluten Zahlen die größten Treibhaugasverursacher, vor Indien. Pro Kopf stoßen unter den größeren Industrieländern Australier, US-Amerikaner und Kanadier die meisten Treibhausgase aus, rund 16 Tonnen im Jahr. China liegt pro Kopf mit 7,1 Tonnen hinter Deutschland mit 8,4 Tonnen.

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