Britische Corona-Mutation B.1.1.7

Trotz Lockdown rollt die 3. Corona-Welle - Virologe erklärt, wie das passiert

Die Corona-Mutation B.1.1.7 ist wohl ansteckender als die alte Variante.
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Die Corona-Mutation B.1.1.7 ist wohl ansteckender als die alte Variante.

Lässt sich das Coronavirus trotz Lockdown kaum mehr bremsen. Welche Rolle dabei die Corona-Mutationen spielt, erklärt Virologe Martin Stürmer.

München - Experten hatten es befürchtet. Die zunächst in Großbritannien entdeckte Virus-Mutation B.1.1.7 setzt sich in Deutschland weiter durch. Unaufhaltsam trotz Lockdown. Die Corona-Fallzahlen bestätigen die Sorge.

Die Corona-Mutation B.1.1.7* gilt als infektiöser als das ursprüngliche Sars-CoV-2-Virus. Das ist wohl noch nicht die ganze Geschichte: Forscher aus Harvard und weiteren US-Universitäten haben nun einen weiteren Faktor für die rasante Ausbreitung der „britischen Variante“ beobachtet.

Infizierte tragen die Mutation B.1.1.7. länger in sich als das ursprüngliche Coronavirus. Damit hat diese Corona-Mutation das Potenzial über einen größeren Zeitraum andere Menschen anzustecken, so die Forscher.

Corona-Mutation: US-Studie zu B.1.1.7-Variante

Im Rahmen ihrer Studie hatte das Team um Wissenschaftler Stephan Kissler 65 Spieler der amerikanischen Basketball-Liga NBA, wie das US-Magazin Forbes berichtet. Alle waren positiv auf Corona getestet worden, sieben Basketballer mit der Corona-Mutation B.1.1.7. Täglich wurden die Basketballspieler auf Covid-19 getestet. Die PCR-Proben untersuchten dann die Forscher der Harvard Universität.

Eine Infektion mit Corona-Mutation B.1.1.7. dauerte im Durchschnitt 13 Tage. Also fünf Tage länger als in den Vergleichsgruppen mit einer Sars-CoV-2-Infektion*, die durchschnittlich acht Tage ansteckend waren. Eine höhere Viruskonzentration konnte bei der britischen Mutation nicht gemessen werden. Die maximalen Werte lagen bei beiden Virus-Typen gleich auf.

Die verlängerte Dauer ist nach Ansicht der Forscher ein entscheidender Hinweis auf die Zunahme der Infektionen. Die Mutation ist demnach nicht ansteckender, weil Infizierte eine höhere Viruslast haben, sondern weil sie länger eine hohe Viruslast in sich tragen. Längere Infektionszeiten bedeuten, dass sich das Virus auf mehr Menschen ausbreiten kann, schlussfolgern die Wissenschaftler. Ob diese verlängerte Ansteckungszeit tatsächlich der Grund für die höhere Ansteckungsrate ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Die Studie ist relativ klein und die Ergebnisse wurden in einem sogenannten Preprint veröffentlicht und müssen erst noch repliziert werden. Unter einer Replikation versteht man in der Wissenschaft das wiederholte Durchführen einer Studie mit ähnlicher Methodik, aber durch - in der Regel - andere Wissenschaftler.

Die Corona-Mutation B.1.1.7 ist wohl ansteckender als die alte Variante.

Corona in Deutschland: Virologe erklärt, so startet die 3. Welle

Doch warum steuert Deutschland trotz Lockdown auf eine 3. Corona-Welle zu? Virologe Martin Stürmer erklärt das im focus.de-Gespräch: Der Anteil der ursprünglichen Sars-CoV-2-Infektionen sinke nach und nach. Hier würden die Corona-Maßnahmen, wie Lockdown, greifen. Der Anteil der Infektionen der Mutationen würde aber steigen. Da die Corona-Mutationen ansteckender seien, würde es wahrscheinlich mehr Ausbrüche geben. Die Maßnahmen scheinen unzureichend zu werden.

Beide Corona-Kurven würden sich nach und nach aufheben, auf ein „Plateau“ zu steuern. Stürmer zufolge entstehe eine „Nullsumme“. Dann könnte die Lage kippen. Der Anteil der Mutationen steige weiter so stark an und hole die Zahl der sinkenden Ursprungsinfektionen ein. Wenn, die Fallzahlen dann insgesamt wieder ansteigen, sei das der Corona-Wendepunkt. Eine dritte Welle beginnt.

Martin Stürmer ist Virologe und Dozent an der Universität Frankfurt.

Diese These vertritt auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Zuvor rückläufige Corona-Fallzahlen und dann stagnierenden Infektionszahlen sind für Lauterbach ein Zeichen der Trendumkehr. „Zum jetzigen Zeitpunkt baut sich eher die dritte Welle auf und wir impfen zu langsam: Für die nächsten Wochen dürfen wir da keine Hoffnungen machen“, sagte Lauterbach im Merkur.de-Interview*. „Die Mutationen bauen sich ansonsten systematisch und schonungslos zu einer dritten Welle auf“, warnte der SPD-Politiker.  

Die Lage ist brisant, wie die Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) schon beweisen. In kurzer Zeit ist der Anteil der britischen Corona-Mutation allein in der vergangenen Woche von sechs auf 22 Prozent* gestiegen. Inzwischen liegt der Anteil sogar bei 30 Prozent, wie Daten der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) zeigen. Und das, obwohl die Positivrate bei den Corona-Tests in der Kalenderwoche 7 (13. Februar bis 19. Februar 2021) gesunken ist. Hier finden Sie unseren News-Ticker zu Corona in Deutschland. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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