Die Couch als „Front“

Corona-Clip der Merkel-Regierung sorgt für massiven Ärger - „Bin maximal irritiert“

Anton Lehmann im Clip
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Ein Screenshot aus dem Clip.

Ein Corona-Video der Bundesregierung geht viral - Twitter-User reagieren alles andere als positiv auf den fiktiven Rückblick auf die heutige Zeit.

Berlin - Ein Video der Bundesregierung, dass Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter veröffentlicht hat, sorgt gerade für Aufsehen in den sozialen Medien. Das Kampagnen-Video soll wohl Menschen weiter animieren, die
Coronabeschränkungen einzuhalten und zu Hause zu bleiben. Viele Nutzer empfinden das Video aber gar nicht positiv.

Corona-Video mit Kriegsrhetorik: Die Couch als „Front“

Im Corona-Video* berichtet ein älterer Mann, genannt Anton Lehmann, wie er das Coronavirus rückblickend empfand. Aus der Zukunft blickt er auf die Pandemie und beschreibt, wie er die zweite Welle „damals in diesem Corona-Winter 2020“ erlebt hat. „Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten“, erklärt der fiktive Charakter Anton Lehmann. Da das Schicksal plötzlich in ihren Händen lag, taten sie, was von ihnen erwartet wurde: „Nichts. Absolut gar nichts“. Die Couch wird dabei als „Front“ dargestellt, die Geduld als „Waffe“. Das Video endet mit dem Appell: „Werde auch du zum Helden und bleib zuhause. Zusammen gegen Corona“.

Corona-Video: Shitstorm bei Twitter

Das Corona-Video spielt mit Erzählungen über Kriegserlebnisse, die Großeltern in ähnlicher Weise jungen Menschen erzählen. Die Twitter-Nutzer sind empört. „Ich verstehe die Absicht. Ich bin aufgrund der Kriegsrhetorik maximal irritiert. Und minimal amused.“, schreibt beispielsweise eine Nutzerin. Ein anderer fügt hinzu: „Geschmack-und respektlos den Menschen gegenüber, die im HomeOffice und Homeschooling mehr als 100 Prozent geben und für alle, die am Ende ihrer Kräfte im Einsatz für andere sind“.

Bundesregierung veröffentlicht ein weiteres Video

Am Sonntag wurde schließlich sogar ein zweites Video veröffentlicht. Darin geht es um Anton Lehmanns fiktive Ehefrau Luise, die im ersten Video bereits einen kurzen Auftritt als Pizzalieferantin hat. Sie spricht über die Beziehung zu ihrem Ehemann: „Wir waren neugierig auf unsere gemeinsame Zukunft, aber dann änderte sich alles. Das ganze Land schaute voller Hoffnung auf uns junge Leute. Wir fassten uns ein Herz und taten nix. Wir schimmelten zu Hause rum und trafen möglichst wenig Leute und verhinderten damit die Ausbreitung von Covid-19.“ Ebenfalls der Appell am Ende: „Werde auch du zum Helden und bleib zuhause. Zusammen gegen Corona“.

#besonderehelden auch bei zweitem Video negativ besetzt

Der angeheftete Tweet Steffen Seiberts, der ebenfalls mit dem Hashtag #besonderehelden veröffentlicht wurde, trendet allerdings genauso negativ. User kommentieren: „Zynismus gegenüber Restaurants, Klubs, Vereinen.... pur“ oder „Wie lächerlich wollt ihr euch noch machen?“. Innerhalb kürzester Zeit bekam das ursprüngliche Video über 15.000 Gefällt mir-Angaben und 2.800 Kommentare.(jh) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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