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Corona: Der große Wirbel um die Antikörper-Tests

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Von: Dorita Plange

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Antikörper wehren das Coronavirus ab, wie die Grafik zeigt. Doch das Immunsystem ist kompliziert.
Antikörper wehren das Coronavirus ab, wie die Grafik zeigt. Doch das Immunsystem ist kompliziert. © Alexander Limbach/imago

Corona-Antikörper-Tests: Es klingt verlockend, sich einfach testen zu lassen, ob der Körper mit einer Corona-Infektion klarkommt. Der Impfschutz noch ausreicht. Doch so einfach ist es nicht.

München - Die Corona-Impfung liegt bei vielen Älteren bereits sechs Monate und länger zurück. Und jeder fragt sich zurzeit: Bin ich geschützt? Und würde mein Immunsystem mit einer (Neu-) Infektion fertig? Antikörper im Blut – gewonnen aus dem Pieks in die Fingerkuppe oder per Blutabnahme – geben Geimpften, Genesenen und Ungeimpften darauf zumindest für die folgenden drei Monate eine Antwort. Allerdings ohne Gewähr.

Was sagt der Antikörper-Test aus?

Denn diese Analyse hat wenig Aussagekraft, da bislang zu wenig bekannt ist, welche Antikörper in welcher Höhe einen wirksamen Schutz widerspiegeln. Der Test sollte frühestens vier Wochen nach Impfung oder überstandener Sars-CoV-2-Infektion durchgeführt werden. So lange dauert es, bis sich Antikörper gebildet haben.

Wichtig zu wissen: Es gibt verschiedene Arten von Antikörpern. IgM- und IgA-Antikörper sind sogenannte Akutmarker. Sie sind schnell nachweisbar, sinken jedoch nach der zweiten und dritten Krankheitswoche rasch ab. Die Produktion der IgG-Antikörper beginnt erst etwa nach drei Wochen. Dafür sind sie wesentlich länger im Blut nachweisbar. Sie stehen für den Schutz vor einer erneuten Infektion und werden als Immunitätsmarker bezeichnet. Neutralisierende Antikörper stellen eine kleine Untergruppe der IgG-Antikörper dar, die den Sars-CoV-2-Erreger inaktivieren können. Die Menge der gebildeten Antikörper unterscheidet sich übrigens von Mensch zu Mensch extrem – mitunter um mehr als das Tausendfache.

Antikörper gegen Corona? Labortests liefern genaue Resultate

Mittlerweile gibt es ein breites Angebot an Schnell- und Labortests. Schnelltests kann man selbst oder auch in manchen Apotheken (etwa 30 Euro) machen. Das Ergebnis wird nach etwa 20 Minuten sichtbar. Allerdings sagt es nur aus, ob Antikörper vorhanden sind. Über die Menge geben diese Tests keine Auskunft. Zudem besteht die Gefahr eines falsch-positiven Testergebnisses. Denn Sars-CoV-2 ist eng verwandt mit anderen Coronaviren, die nur Erkältungen oder Darmprobleme verursachen.

Labortests liefern genauere, detaillierte Ergebnisse. Die Kosten beim Arzt (25 bis 70 Euro) trägt der Patient. Wegen der Vielzahl der Methoden ist es sinnvoll, sich die Auswertung vom Arzt erklären zu lassen. Im Internet und Drogeriemärkten gibt es zudem Tests, die man daheim macht. Die Probe schickt man ein, der Analysebericht kommt per E-Mail. Kostenpunkt: rund 40 Euro.

Antikörper als Blick in die Zukunft

Ein Blick in die Zukunft: Am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig wird erforscht, ob Antikörper den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung prognostizieren können. „Antikörper sind wie Reporter – sie berichten uns, was das Immunsystem von dem Virus bereits gesehen hat“, berichtet Geschäftsführer Michael Szardenings.

Die Hypothese: Wenn das Immunsystem das Innerste des Virus kennt, die Antikörper sich also gegen alle viralen Bausteine richten, spricht das für eine sehr vielversprechende Immunantwort. Beschränken sie sich dagegen nur auf die Oberfläche des Virus, könnte das auf eine unzulängliche Immunreaktion und damit auf einen schweren Krankheitsverlauf hinweisen.

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