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Hartes Durchgreifen: Pflegeheim-Chef stellt 62 Impfverweigerer frei

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Von: Jonas Raab

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Benevit-Geschäftsführer Kaspar Pfister kommt der Impfpflicht für Pflegeberufe zuvor und stellt alle ungeimpften Mitarbeiter frei.
Benevit-Geschäftsführer Kaspar Pfister kommt der Impfpflicht für Pflegeberufe zuvor und stellt alle ungeimpften Mitarbeiter frei. © picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Nach Corona-Ausbrüchen in Benevit-Pflegeheimen zieht Geschäftsführer Kaspar Pfister die Reißleine und stellt alle ungeimpften Angestellten trotz Drohungen frei.

Mössingen – Eierlikör, Drohungen, Entlassungen: Bereits Anfang des Jahres sorgte Kaspar Pfister, Geschäftsführer der Benevit-Pflegeeinrichtungen, für Aufsehen, als er seine Mitarbeiter mit Eierlikör und Bonuszahlungen zur Corona-Impfung bewegen wollte. Weil das vielen seiner Angestellten scheinbar zu wenig Motivation für den Piks war, versuchte Pfister es im November nicht mehr mit „Zuckerbrot“, sondern mit der Peitsche.

Pfister kündigte damals nach erneuten Corona-Ausbrüchen an, dass in seinen Pflegeheimen rund 70 Mitarbeiter wegen ihrer Weigerung, sich impfen zu lassen, freigestellt würden. „Sie werden einen schweren Stand im Team bekommen bei ihrer Rückkehr. Ihr Egoismus ist kurz gedacht“, sagte Pfister im November. Die freigestellten Mitarbeiter würden weiter Gehalt beziehen, Mehrarbeitsstunden und Urlaube sollen aber verrechnet werden, sagte Pfister. „Wir gehen definitiv an die Grenze dessen, was möglich ist.“

Benevit-Pflegeheime: 62 ungeimpfte Mitarbeiter freigestellt

Die Ankündigung des Benevit-Geschäftsführers führte zu Drohungen, Beleidigungen und Beschimpfungen gegen den Benevit-Geschäftsführer. Ungeachtet dessen machte er seine Ankündigung nun wahr: 62 Mitarbeiter wurden freigestellt.

Laut Pfister hatten sich 241 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach seiner Ankündigung für eine Impfung entschieden, 11 Mitarbeiter brachten ein ärztliches Attest vor, 8 legten einen Antikörper-Nachweis vor. „Bei 13 Mitarbeitern wird das Arbeitsverhältnis durch Kündigung beziehungsweise Aufhebungsvertrag beendet“, sagte Pfister.

Benevit-Gruppe: Pflegeheim-Chef peilt 98 Prozent Impfquote an

Gleichzeitig seien aber 68 Mitarbeiter neu eingestellt worden oder aus Mutterschutz oder Elternzeit zurückgekehrt. Benevit hat nach eigenen Angaben rund 2000 Beschäftigte. Aktuell haben laut Pfister rund 96 Prozent der Mitarbeiter einen Immunitätsstatus, seien also entweder geimpft, genesen, hätten Antikörper oder ein ärztliches Attest. „Da sich nun täglich weitere Mitarbeiter zu einer Impfung entschließen, hoffe ich, im Januar auch auf 98 Prozent zu kommen.“

Seit Beginn der Pandemie seien in den Benevit-Einrichtungen 42 Bewohner, Klienten und eine Mitarbeiterin an oder mit Corona gestorben. Auch in Niedersachsen sorgt derzeit ein Corona-Ausbruch mit drei Toten für großes Aufsehen: Im Vitanas-Altenheim in Hildesheim soll eine Pflegerin mit gefälschtem Impfpass und Corona gearbeitet haben. (jo/dpa)

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