„Ein Virus, das so gewütet hat...“

Delta-Variante lässt Zahlen in Großbritannien explodieren - Pandemie-Notlage in Deutschland verlängert

Die Entwicklung der Corona-Zahlen in Deutschland ist weiter erfreulich. In Großbritannien wütet hingegen die Delta-Variante - jetzt gibt es neue Zahlen. Der News-Ticker.

  • Die Corona*-Zahlen in Deutschland sinken weiter. Ein Münchner Chefarzt prognostiziert jedoch eine vierte Welle der Pandemie im Herbst (siehe Erstmeldung).
  • Die Infektionsgefahr bei der Delta-Variante ist laut britischen Behörden wohl um 60 Prozent höher als bei der Alpha-Variante (siehe Update vom 11. Juni, 20.55 Uhr).
  • Im Bund wurde derweil die Pandemie-Notlage verlängert (siehe Update vom 11. Juni 15.54).
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 13. Juni finden Sie hier.

Update vom 11. Juni, 20.55 Uhr: Die Delta-Variante des Coronavirus könnte nach neuen Erkenntnissen der britischen Gesundheitsbehörden um 60 Prozent ansteckender sein als die bisher in Großbritannien vorherrschende bereits sehr ansteckende Alpha-Variante. Laut einer Studie, die die Gesundheitsbehörde Public Health England am Donnerstag veröffentlichte, ist das Risiko einer Ansteckung im eigenen Haushalt im Vergleich zur Alpha-Variante wohl um 60 Prozent höher.

Die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante hat sich in Großbritannien zuletzt stark ausgebreitet. Nach Angaben von Public Health England wurden inzwischen 42.323 Fälle der Delta-Variante nachgewiesen. Das waren 29.892 Fälle mehr als noch vor einer Woche. Damit macht die Delta-Variante inzwischen mehr als 90 Prozent der Neuinfektionen in Großbritannien aus. Die Ausbreitung der Variante hat in Großbritannien auch zu einem Wiederanstieg der Infektionszahlen geführt. Am Donnerstag wurden 7393 Neuinfektionen gemeldet - so viele wie zuletzt im Februar.

Nach den bisherigen Plänen der britischen Regierung sollen am 21. Juni alle Corona-Einschränkungen in England aufgehoben werden. Wegen der starken Ausbreitung der Delta-Variante ist dieser Zeitplan nun aber wieder fraglich. Die Regierung hat angekündigt, in der kommenden Woche über eine mögliche Verschiebung zu entscheiden.

Corona in Deutschland: Pandemie-Notlage verlängert

Update vom 11. Juni, 15.54 Uhr: Am 30. Januar 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Coronavirus-Pandemie zu einer „gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite“. Am 25. März 2020 hatte diese „epidemische Lage“ auch der Bundestag ausgerufen. Die festgestellte Lage gibt dem Bund das Recht, direkt ohne Zustimmung des Bundesrates Verordnungen zu erlassen, etwa zu Tests, Impfungen, zum Arbeitsschutz oder zur Einreise. Derzeit hängen rund 20 Verordnungen direkt von der festgestellten Notlage ab. Ende Juni wäre dieser Zustand ausgelaufen. Nun ist die Pandemie-Notlage bis 30. September, also wenige Tage nach der Bundestagswahl* verlängert

Abgeordnete der Koalition votierten für eine Verlängerung. Politikerinnen und Politiker von FDP und AfD sowie der Linke wandten sich am Freitag im Bundestag gegen eine Fortführung. Die Grünen wollten trotz Kritik zustimmen. Die Opposition verband ihre Kritik am Koalitionskurs teils mit Angriffen gegen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Der CDU-Abgeordnete Rudolf Henke betonte, die Verlängerung der Lage bedeute keine Verlängerung des Lockdowns. Den Ländern solle rechtliche Sicherheit für Anordnungen gegeben werden. Linksfraktionsvize Gesine Lötzsch entgegnete der Koalition, das Parlament solle endlich wieder alle Rechte bekommen. Abstands- und Hygieneregeln ließen sich auch ohne Notlage verlängern, sagte die FDP-Abgeordnete Christine Aschenberg-Dugnus.

Bei sechs Enthaltungen gab es letztlich 375 Ja- und 218-Nein-Stimmen. Die Abgeordneten stimmten am Freitagnachmittag namentlich ab. Im September soll es vor der Bundestagswahl noch eine Bundestagssitzung geben. Beraten werden soll über das erwartete Ende der Pandemie-Notlage.

Während die epidemische Notlage verlängert wird, soll die im April eingeführte sogenannte Bundesnotbremse am 30. Juni auslaufen. Die erst im April eingeführte Bundesnotbremse sieht vor, dass der Bund einheitliche Corona-Schutzmaßnahmen in Gebieten mit hohen Inzidenzwerten durchsetzen kann. Derart hohe Inzidenzen werden derzeit allerdings nicht mehr verzeichnet. Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz beträgt 18,6 Fälle pro 100.000 Einwohnern (siehe Erstmeldung).

Update vom 11. Juni, 14.45 Uhr: Der neue digitale Corona-Impfnachweis wird vom kommenden Mittwoch (16. Juni) an auch in der Luca-App angezeigt werden können. Das teilten die Betreiber der App am Freitag in Berlin mit. Damit stehen mit der App „CovPass“, der Corona-Warn-App des Bundes und der Luca-App nun drei unterschiedliche Lösungen zur Verfügung, um einen Impfnachweis auf dem Smartphone präsentieren zu können.

Corona in Deutschland: Delta-Variante laut britischen Behörden rund 60 Prozent ansteckender

Update vom 11. Juni, 13.15 Uhr: Die Delta-Variante, vor deren Ausbreitung auch in Deutschland gewarnt wird, sorgt im Vereinigten Königreich derzeit offiziellen Angaben zufolge für rund neun von zehn Corona-Infektionen. Analysen zufolge ist sie wesentlich ansteckender als die in Großbritannien entdeckte Alpha-Variante*.

Das Risiko, die Menschen im eigenen Haushalt anzustecken, sei bei der Delta-Variante schätzungsweise 60 Prozent höher als bei Alpha, teilte die englische Gesundheitsbehörde Public Health England am Freitag mit. Außerdem soll sich Delta stärker als andere Varianten der Schutzwirkung der Corona-Impfstoffe entziehen können - das gelte vor allem nach nur einer Impfdosis. Vollständig Geimpfte seien jedoch sehr gut vor der Variante B.1.617.2 geschützt.

Corona in Deutschland: Entwicklung der Fallzahlen „extrem erfreulich“

Erstmeldung vom 11. Juni: Berlin/München - „Die Entwicklung ist extrem erfreulich zurzeit, was die Fallzahlen anbelangt.“ Das sagte Angela Merkel (CDU) am Donnerstag (10. Juni) in Berlin. Und auch am Freitag dürfte sich die Kanzlerin beim Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen gefreut haben.

Denn: Der positive Trend der sinkenden Infektionszahlen setzt sich fort. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben den Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitagmorgen 2440 neue Infektionen mit dem Coronavirus* innerhalb eines Tages gemeldet. Zudem wurden 102 neue Todesfälle verzeichnet. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bleibt weiterhin unter dem Wert von 20 und liegt derzeit bei 18,6.

Corona in Deutschland: Delta-Variante wird zur Herausforderung

Allerdings stellte Merkel nach der Ministerpräsidentenkonferenz auch klar: „Corona ist damit nicht verschwunden.“ Dieser Meinung ist auch Clemens Wendtner, Leiter der Infektiologie und Chefarzt am Klinikum München-Schwabing. Aus der Corona-Pandemie* werde eine Endemie, erklärte er in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

„Ein Virus, das so gewütet hat, wird zwar nicht von jetzt auf gleich verschwinden“, so Wendtner. Mit den Corona-Impfungen* habe man aber „gespitzte Waffen“. Durch eine Anpassung könne man sich auch gegen Mutationen des Virus* gut wappnen. Insbesondere die Delta-Variante, die zuerst in Indien aufgetreten ist, bereitet Experten sorgen. Ihr Anteil in Deutschland liegt laut RKI derzeit noch bei 2,5 Prozent. „Jeder Tag, den wir eine geringe Nachweisbarkeit dieser Variante haben, ist ein guter Tag“, sagte Merkel am Donnerstag.

Der Infektiologe Clemens Wendtner prognostiziert eine vierte Welle im Herbst.

Corona in Deutschland: Münchner Infektiologe erwartet vierte Welle im Herbst

In Großbritannien stelle die Delta-Variante* aktuell eine Herausforderung dar, erklärte auch Wendtner. „Das wird eine Blaupause sein, wie es im Herbst in Deutschland sein könnte“, prognostiziert er. Wendtner geht davon aus, dass es im Herbst in Deutschland zu einer vierten Welle der Corona-Pandemie kommen wird.

Einen harten Lockdown* wird es nach Einschätzung des Chefarztes dann allerdings nicht geben. „Es wird wohl eher eine kleine Welle sein, eine Art Nachbeben, weil wir bis dahin vielleicht noch keine Durchimpfungsquoten von 70 oder 80 Prozent haben werden“, sagte Wendtner. Die vierte Welle werde nicht mehr zu so einer „massiven Welle an Neuinfizierten“ führen und auch das Gesundheitssystem „hoffentlich nicht an die Grenzen bringen“, so seine Prognose. (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Victoria Jones/dpa

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