Abkehr von der Inzidenz

Brisantes RKI-Papier aufgetaucht: Kehrtwende in der Corona-Politik steht bevor

Ein internes Dokument des RKI könnte die künftige Corona-Politik in Deutschland grundlegend verändern.

Berlin - Derzeit ist die Sieben-Tages-Inzidenz bei der Beurteilung der Corona-Lage in Deutschland und den daraus resultierenden politischen Vorschriften der entscheidende Maßstab. Doch das soll sich nun offenbar ändern.

RKI-Dokument durchgesickert: Kehrtwende in der Corona-Pandemie geplant

Künftig soll nicht mehr nur die Anzahl an Infektionen über die Corona-Maßnahmen entscheiden. Stattdessen soll die Politik die „Hospitalisierung als zusätzlichen Leitindikator“ berücksichtigen. Diese Empfehlung geht aus einem internen Dokument des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, das der Bild-Zeitung vorliegen soll. Demnach wird vorgeschlagen, den Fokus künftig mehr auf die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten zu legen. Es seien „weiterhin mehrere Indikatoren zur Bewertung notwendig, aber die Gewichtung der Indikatoren untereinander ändert sich“, hieß es laut Bild in dem RKI-Papier.

RKI-Empfehlung: Fokus auf „Folgen der Infektion“ verschieben

Grund für die Kehrtwende in der Pandemiebekämpfung sind vor allem die Impfungen, die zu einer „zunehmenden Grundimmunität“ führten, so das RKI. Da vor allem die Risikopatienten inzwischen zu einem Großteil geimpft seien, rechne das RKI mit einer „Abnahme des Anteils schwerer Fälle“. Eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems hängt somit nicht mehr von der reinen Zahl an Infektionen ab. Man müsse sich stärker „auf die Folgen der Infektion“ konzentrieren, also auf schwere Erkrankungen mit Hospitalisierung, Todesfällen und langfristigen Folgen.

Corona-Kehrtwende: „Nicht-pharmakologische Interventionen für alle fachlich schwer begründbar“

Die Bild zitiert eine bedeutende Schlussfolgerung des RKI, die einen Umbruch im künftigen Umgang mit der Corona-Krise deutlich macht: „Weitgehende nicht-pharmakologische Interventionen (sind, Anm. d. Red.) für alle fachlich schwer begründbar (außer bei drohender systematischer Überlastung)“.

Corona: Spahn will Kliniken zur Meldung weiterer Daten verpflichten

Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte bereits am Sonntag Berichte, wonach Kliniken künftig umfassendere Daten zu Covid-Patienten melden sollen als bisher. „Neben den bereits sehr genau zu meldenden Daten zur Belegung der Intensivstationen, braucht es noch bessere Informationen zu allen in den Kliniken behandelten Covid-Fällen. So kann das Infektionsgeschehen besser überblickt werden“, sagte ein Sprecher. (va)

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