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Corona in Deutschland: Viele Einzelhändler halten an Masken fest – Lauterbach pflichtet ihnen bei

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Von: Patrick Huljina

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Ab Sonntag fallen viele Corona-Regeln weg. Der Einzelhandel zeigt sich skeptisch. Auch Patientenschützer sind besorgt. Der News-Ticker.

Update vom 2. April, 19.00 Uhr: Ärzte und Kliniken warnen vor dem Scheitern der Corona-Impfpflicht. Sie fordern ihre zügige Einführung. Andernfalls drohe eine neue Pandemie-Welle im Herbst, argumentierten unter anderem der Marburger Bund und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). DKG-Chef Gerald Gaß sagte gegenüber den Funke-Zeitungen: „Ohne eine hohe Impfquote laufen wir Gefahr, dass sich in diesem Herbst das vergangene Jahr wiederholt und wir in die nächste Welle geraten.“

Corona in Bayern: Jeder neunte Händler will weiter an Maskenpflicht festhalten

Update vom 2. April, 18.51 Uhr: In Bayern will etwa jeder neunte Einzelhändler in seinen Geschäften an der Maskenpflicht festhalten. 11,7 Prozent sagten das in einer Umfrage des Handelsverbands Bayern (HVB). 77,4 Prozent wollen dagegen nicht über das Hausrecht Masken vorschreiben. Deutschlandweite Zahlen zu den Plänen der Händler liegen noch nicht vor.

Zwar verzichte der Großteil der bayerischen Händler auf eine Maskenpflicht, doch viele machten das „mit Magengrummeln und einer Faust in der Tasche“, sagte HVB-Geschäftsführer Bernd Ohlmann der dpa. Denn insgesamt sehe eine Mehrheit der 979 teilnehmenden Einzelhändler die Abschaffung der staatlichen Maskenpflicht kritisch. 50,4 Prozent halten sie laut Umfrage für falsch, 39,2 Prozent für richtig. Ein Münchner Bar-Chef verzichtet freiwillig auf den Corona-„Freedom Day“ am 3. April in Bayern, wonach der Zutritt zur Gastro ab Mitternacht ohne Maske und 3G erlaubt sein wird.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rät zum Masketragen

Update vom 2. April, 18.48 Uhr: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach empfiehlt trotz des Wegfalls der meisten Corona-Beschränkungen weiter Masken in Innenräumen zu tragen. „Das Risiko, sich zu infizieren, ist selten höher gewesen als jetzt“, sagte der SPD-Politiker im „Interview der Woche“ des Deutschlandfunks. Aus medizinischer und epidemiologischer Sicht hätte er eine Maskenpflicht und andere Schutzregeln für richtig gehalten, rechtlich sei es deutschlandweit aber nicht mehr möglich gewesen.

Patientenschützer fordern mehr Schutz für vulnerable Gruppen

Update vom 2. April, 18.45 Uhr: Trotz sinkender Corona-Zahlen fordern Patientenschützer mehr Schutz für vulnerable Gruppen. Es sei ein Fehler, Ketteninfektionen laufen zu lassen, warnte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Das endet viel zu oft tödlich, selbst bei geboosterten Personen“, so der Experte.

„Täglich sterben Hunderte, mehr als tausend Menschen jede Woche! Und es trifft vor allem jene in Pflegeheimen oder Bedürftige, die zu Hause leben und dort von ambulanten Pflegediensten versorgt werden“, sagte der Patientenschützer. Eine räumliche Trennung von Infizierten und Nichtinfizierten sowie zusätzliches, externes Personal sei deshalb notwendig. Ebenfalls fordert er ein konsequentes Testregime für Mitarbeiter. Impfen alleine würde laut Brysch nicht helfen.

Corona in Deutschland: RKI meldet 196 456 Neuinfektionen

Update vom 2. April, 18.40 Uhr: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut gesunken, das meldete das Robert Koch-Institut (RKI) am Samstag. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 1531,5 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1586,4 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 1758,4. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 196.456 Corona-Neuinfektionen. Das sind 55.570 Fälle weniger als am Samstag vor einer Woche. Deutschlandweit starben 292 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus.

Corona: Gesundheitssenatorin will Bremen zum Hotspot erklären

Update vom 1. April, 20.38 Uhr: Das Bundesland Bremen soll wegen der Lage in den Kliniken zum Hotspot erklärt werden. Das sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) und sprach von einer hohen Belegung der Krankenhäuser mit Corona-Patienten. Es drohe Personalausfall. Mit dem Schritt soll vor allem eine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen wieder möglich werden.

Update vom 1. April, 19.20 Uhr: Wie sind die aktuellen Corona-Regeln? Nach dem neuen bundesweiten Rechtsrahmen sind den Ländern ab diesem Sonntag nur noch wenige allgemeine Schutzvorgaben etwa zu Masken in Kliniken, Pflegeheimen, Bussen und Bahnen sowie Tests beispielsweise in Schulen möglich. Weitergehende Auflagen auch mit Maskenpflichten etwa in Geschäften oder Schulen können sie in sogenannten Hotspots verhängen. Von den 16 Ländern machen davon aber vorerst nur Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg Gebrauch. Ein Überblick über alle aktuellen Regeln.

Corona in Deutschland: Lauterbach mahnt - „Pandemie ist nicht vorbei“

Update vom 1. April, 17.58 Uhr: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat vor dem Ende zahlreicher Corona-Beschränkungen in Deutschland gemahnt. „Der Einzelne sollte sich von den Lockerungen jetzt nicht irritieren lassen: Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagte Lauterbach am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Die Gefahr, sich jetzt noch zu infizieren, ist so hoch wie nie zuvor.“ Er appellierte zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes

Update vom 1. April, 15.23 Uhr: Menschen, die sowohl vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind als auch infiziert waren, haben Studien zufolge den stärksten Schutz gegen das Coronavirus. Diese „hybride Immunität“ sorge bis zu 20 Monate für einen hohen Schutz gegen eine erneute Infektion, heißt es in einer in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases veröffentlichten Studie. Sie basiert auf Daten aus Schweden, bezieht sich allerdings noch nicht auf die Omikron-Variante.

Corona-Zahlen an Schulen weiter hoch

Update vom 1. April, 14.23 Uhr: Lehrervertreter kritisierten mit Blick auf die Zahlen das Ende der Maskenpflicht an den meisten Schulen in Deutschland. „Bei nach wie vor extrem hohen Inzidenzwerten an den Schulen bedeutet das Ende der Maskenpflicht, den einfachsten Gesundheitsschutz für Beschäftigte, Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern zu beenden“, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, wie die deutsche Nachrichtenagentur dpa berichtet. Die Abschaffung sei „völlig verfrüht“, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger.

In der vergangenen Woche wurden aus den Bundesländern rund 347.000 Infektions- und Quarantänefälle bei Schülerinnen und Schülern gemeldet, wie die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag mitteilte (Vorwoche 348.000). Bei den Lehrkräften wurden 36.400 Corona- und Quarantänefälle gemeldet (Vorwoche 35.700). Die wöchentlich veröffentlichten Zahlen geben nur einen groben Überblick. Nicht aus allen Ländern liegen vollständige Daten vor.

Virologe empfiehlt Tragen von FFP2-Maske bis Mai

Update vom 1. April, 13.40 Uhr: Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer rät weiter zum Tragen von Masken in Innenräumen. Er sehe die Gefahr, dass der Wegfall der Corona-Maßnahmen ab diesem Samstag dem Infektionsgeschehen noch einmal einen ordentlichen Schub geben werde, sagte Stürmer der dpa. Man solle in den nächsten Wochen die Maske konsequent weiter tragen, so wie es bisher vorgeschrieben gewesen sei – am besten eine FFP2-Maske, so seine Empfehlung. Ab Mai dürfte die Situation dann entspannter sein.

„Wir haben in den letzten Tagen immer wieder Rekordzahlen erlebt, die jetzt auf einem sehr hohen Level stagnieren, und wir haben eine Variante, die sich sehr, sehr gut verbreitet“, erklärte Stürmer. Die Inzidenz dürfte derzeit noch höher liegen, als es die Zahlen zeigten. Es bestehe das Risiko, dass viele Menschen, bei denen die Booster-Impfung oder die Infektion schon etwas länger zurückliegen, sich noch einmal anstecken könnten. Diese Erkrankungen könnten die Infrastruktur beeinträchtigen und auch die Krankenhäuser mehr belasten, fürchtet der Virologe.

Buschmann: Corona-Infektionsschutzgesetz „ist streng, aber es ist nicht schlecht“

Update vom 1. April, 11.30 Uhr: Vor dem Wegfall der meisten flächendeckenden Corona-Regeln in Deutschland hat Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) das geänderte Infektionsschutzgesetz erneut verteidigt. „Das Gesetz ist streng, aber es ist nicht schlecht“, sagte er am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“.

„Das Gesetz ist sehr klar und handwerklich gut gemacht. Aber einigen gefällt nicht, dass die Voraussetzungen für die Hotspot-Regelung genauso präzise gefasst sind und eben, wenn missbräuchlich von der Regelung Gebrauch gemacht würde, Gerichte dann auch ein Stoppschild aufstellen würden“, sagte Buschmann. Wenn es um die Freiheit der Bürger gehe, sei ein strenges Gesetz ein gutes Gesetz.

Corona in Deutschland: Viele Menschen blicken mit Sorge auf Lockerungen

Einer Umfrage zufolge blickt eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland mit Sorge auf das Ende vieler Corona-Maßnahmen am Wochenende. 58 Prozent der Befragten zeigten sich besorgt über das Auslaufen der Maskenpflicht an den meisten Orten oder der 2G- und 3G-Maßnahmen, wie aus der am Freitag veröffentlichten Erhebung des Instituts Yougov hervorgeht. 38 Prozent sorgen sich nicht darüber, 5 Prozent machten keine Angaben.

Ein Schild mit der Aufschrift „Ende Maskenpflicht“.
Am Wochenende fallen einige Corona-Regeln weg – darunter die Maskenpflicht in fast allen Bereichen. (Symbolbild) © Stefan Sauer/dpa

Erstmeldung vom 1. April: Berlin - „Der Gipfel der Welle ist wahrscheinlich erreicht“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht vom Donnerstag (31. März). Der Infektionsdruck bleibe allerdings weiterhin hoch. Das zeigt auch ein Blick auf die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Deutschland. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist am Freitag zwar erneut leicht gesunken, liegt aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Das RKI gab den Wert mit 1586,4 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1625,1 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz noch bei 1756,4 (Vormonat: 1213,0).

Corona in Deutschland: RKI meldet erneut mehr als 250.000 Fälle – Quarantäne soll verkürzt werden

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 252.530 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es noch 296.498 Ansteckungen. Bei den Werten ist allerdings zu berücksichtigen, dass einzelne Länder nicht an jedem Wochentag Daten melden, am Wochenende zum Beispiel Baden-Württemberg und Brandenburg nicht. Das wiederum führt zu Nachmeldungen an Folgetagen. Ein Vergleich von Tageswerten wird damit zunehmend schwierig. Zudem gehen Experten seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – wegen überlasteter Gesundheitsämter und weil nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur diese zählen in der Statistik.

„Coronatest“ steht auf einer Tafel und weist den Weg zu einer Teststation.
Die Zahl der positiven Corona-Tests ist nach wie vor hoch. (Archivbild) © Jens Kalaene/dpa

Nach einem vom Bundesgesundheitsministerium an die Länder geschickten Vorschlag soll die Quarantäne generell auf fünf Tage verkürzt werden. Zudem soll bei Isolierungen, wenn man selbst mit Corona infiziert ist, empfohlen werden, freiwillig Kontakte zu reduzieren und – beginnend nach fünf Tagen – wiederholt Tests oder Selbsttests zu machen. Es solle „keine strenge Isolierung“ mehr vorgegeben werden. Auch die Quarantäne für Kontaktpersonen von Infizierten soll demnach noch fünf Tage dauern. Bisher dauern die Absonderungen in der Regel zehn Tage und können mit einem negativen Test frühestens nach sieben Tagen beendet werden.

Quarantäne-Lockerung: Ärzte begrüßen Vorschlag – „ein guter Zeitpunkt“

Die Bundesärztekammer hat den Vorschlag zur Lockerung der Corona-Quarantäneregeln begrüßt. „Trotz der aktuell hohen Infektionszahlen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um die Isolations- und Quarantäneregeln zu lockern“, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die vorgeschlagene Verkürzung sei ein pragmatischer Schritt, um einen Stillstand des öffentlichen Lebens zu verhindern und die Personalsituation gerade in Gesundheits- und Pflegeberufen etwas zu entspannen.

Ähnlich sieht es der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen: „Wir würden ansonsten Gefahr laufen, dass wichtige Infrastruktur in Deutschland lahmgelegt werden würde.“ Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sagte der dpa: „Wenn es wissenschaftlich nachvollziehbar und gesundheitlich unbedenklich ist, ist eine Verkürzung der Quarantäne und Isolationszeit auf jeden Fall richtig.“ Es müsse alles getan werden, damit Personalausfälle gerade in der kritischen Infrastruktur reduziert würden. „Gleichzeitig gilt aber unser Hauptinteresse natürlich auch der Gesundheit der Patienten und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ (ph mit dpa)

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