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Corona-Inzidenz in Deutschland geht wieder nach oben – Experten nennen mögliche Ursachen

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Von: Michelle Brey

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Seit Tagen meldet das Robert-Koch-Institut erneut steigende Corona-Zahlen. Welche Gründe stecken hinter der Trendwende?

München - Die Warnung vieler Experten, dass die Pandemie noch nicht zu Ende sei, scheint sich zu bewahrheiten. Am Dienstag (8. März) meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) den sechsten Tag in Folge eine steigende 7-Tage-Inzidenz. Das Abfallen der Inzidenzkurve in Deutschland scheint vorerst gestoppt.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeigte sich besorgt. Welche Ursachen könnte diese Trendwende in der Corona-Pandemie haben?

DatumNeuinfektionenSieben-Tage-Inzidenz
Dienstag, 8. März156.7991293,6
Montag, 7. März78.4281259,2
Sonntag, 6. März116.8891231,1
Samstag, 5. März192.2101220,8
Freitag, 4. März217.5931196,4
Donnerstag, 3. März210.6731174,1
Mittwoch, 2. März186.4061171,9
Dienstag, 1. März122.1111213,0
Montag, 28. Febraur106.2001238,2

Steigende Corona-Zahlen in Deutschland: Omikron-Subtyp BA.2 als ein möglicher Grund

Es werde sich weiter bemerkbar machen, dass der Omikron-Subtyp BA.2 noch ansteckender sei als die ursprüngliche Omikronvariante, sagte Lauterbach am Montag in Berlin. Seit Jahresbeginn steigt der BA.2-Anteil am Infektionsgeschehen. Mittlerweile dürfte die Untervariante der Corona-Mutation hierzulande vorherrschend sein. Den aktuellsten verfügbaren Zahlen des RKI zufolge hatte sie bereits in der Woche bis 20. Februar in einer Stichprobe für 38 Prozent der Corona-Fälle gesorgt. Bisher war die Omikron-Welle in Deutschland mehrheitlich auf die Untervariante BA.1 zurückzuführen.

In einem am 23. Februar veröffentlichten Bericht hatten Modellierer um Kai Nagel von der TU Berlin mitgeteilt, mit einem Wiederanstieg der Infektionszahlen ab Ende Februar zu rechnen. Das Szenario basierte auf dem Ausbreitungstempo von BA.2. Auch ein längeres Plateau hielten die Experten für möglich.

Corona in Deutschland: Infektions-Zuwächse bei älteren Menschen

Die bisherige Omikron-Welle traf vor allem jüngere Altersgruppen stark. Nun sinken die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahre zwar deutlich. Bei den meisten älteren Gruppen jedoch weist das RKI Zuwächse aus, und sieht eine besondere Gefahr für Menschen ab 65 Jahren. „In dieser Altersgruppe steht der Scheitelpunkt der Welle noch bevor“, hieß es im Corona-Wochenbericht des Instituts vom Donnerstagabend (3. März). Im Wochenvergleich seien erneut mehr Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen gemeldet worden, hieß es weiter.

Corona-Test
Ein Mitarbeiter hält ein Corona-Teströhrchen in den Händen. © Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

Coronavirus: Anstieg in Köln - ein Zusammenhang mit dem Karneval?

In einigen Städten könnte es noch einen weiteren Grund für die steigende Tendenz der Zahlen geben: Die stark gestiegenen Corona-Infektionen in Köln lassen nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen einen Zusammenhang mit dem Karneval vermuten.

Den Karnevalseffekt sah auch Michael Hallek, Klinikdirektor an der Kölner Uniklinik. Um das zu verstehen, müsse man kein Wissenschaftler sein. „Der Zusammenhang erscheint absolut eindeutig“, sagte er gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. Sicher belegbar, so das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen, sei das jedoch nicht.

Menschen feierten die Weiberfastnacht in Köln. Gut eine Woche nach dem Karnevalswochenende schnellten die Corona-Neuinfektionen in der Hochburg Köln nach oben.
Menschen feierten die Weiberfastnacht in Köln. Gut eine Woche nach dem Karnevalswochenende schnellten die Corona-Neuinfektionen in der Hochburg Köln nach oben. © Thomas Banneyer/dpa

Nachdem seit Anfang und Mitte Februar in Nordrhein-Westfalen ein Abwärtstrend bei den Neuinfektionen zu beobachten war, seien die Fallzahlen seit Ende der vergangenen Woche wieder gestiegen. Das betreffe besonders die 20 bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe lag die Sieben-Tage-Inzidenz mit Meldedatum vom Sonntag (6. März) bei 5024,3. Im Vergleich zu anderen nordrhein-westfälischen Großstädten sei diese Entwicklung besonders in Köln - aber auch Düsseldorf - zu beobachten.

Corona-Lockerungen in Deutschland: Gefahr für Ungeimpfte steigt

Aufgrund der Zeit, die zwischen Infektion, Symptombeginn, Test und Fallmeldung ans RKI vergeht, kann sich der Wegfall weiterer Corona-Maßnahmen in Deutschland vom vergangenen Freitag (4. März) noch nicht unmittelbar in den Zahlen widerspiegeln. In der Gastronomie und Hotellerie etwa gilt nun wieder die 3G-Regel.

Somit können auch nicht geimpfte Menschen mit einem negativen Testergebnis beispielsweise in einem Restaurant essen gehen. Diese Gruppe ohne Schutz vor einem schweren Verlauf werde durch diese zunehmenden Kontakte wieder stärker ins Infektionsgeschehen einbezogen. Das sagte der Bioinformatiker Lars Kaderali aus dem Expertenrat der Bundesregierung kürzlich im NDR. Auch der Ansturm auf Clubs und Discos war nach den Lockerungen groß.

Impf-Daten für Deutschland im Überblick

Mit Stand vom 8. März haben in Deutschland mindesten 75,6 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Grundimmunisierung erhalten. Hierfür sind in der Regel zwei Spritzen nötig. Mindestens 57,5 Prozent haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung bekommen. 19,6 Millionen Menschen (23,6 Prozent) in Deutschland sind nicht geimpft. Für vier Millionen dieser Menschen im Alter von null bis vier Jahren (4,8 Prozent) steht allerdings bisher kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung. (Quelle: Impfdashboard des Gesundheitsministeriums)

Es gab jedoch schon in den vergangenen Wochen diverse Lockerungen in manchen Bundesländern. So konnten beispielsweise in Berlin auch Nichtgeimpfte wieder in gewöhnlichen Läden einkaufen oder Museen besuchen. In mehreren Bundesländern entfielen bestimmte Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene.

Öffnungsstimmung in Deutschland: Wie wirkt sich die erhöhte Mobilität auf das Infektionsgeschehen aus?

Wie sich die Menschen angesichts von Lockerungen verhalten, also ob sie mögliche Angebote auch ausnutzen, ist für die Modellierer um Kai Nagel entscheidend. Haben die Menschen wieder so viele Freizeitaktivitäten wie vor der Pandemie, ließen Modellierungen eine weitere Steigerung der Infektionszahlen erwarten. So hieß es kürzlich in einem Bericht der Gruppe. Wie sich die Mobilität aktuell entwickelt - dazu könnten nächste Woche (14.-20. März) Abschätzungen möglich sein, sagte Nagel am Montag.

Dass die Belastung der Krankenhäuser trotz der sehr hohen Fallzahlen in der Omikron-Welle bislang deutlich geringer geblieben ist als in früheren Wellen, führt das RKI auf die sehr gute Wirksamkeit der Impfung gegen schwere Verläufe und auf die grundsätzlich geringere Krankheitsschwere von Omikron zurück. (mbr mit dpa)

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