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Corona-Kollaps droht in Hotspot-Bundeland - Inzidenz von 4000 bei Polizisten

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Von: Lara Listl

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Querdenker-Demo eskaliert: Video zeigt heftige Attacke auf Polizisten - Wasserwerfer schützen Impfzentrum
Polizisten und Polizistinnen stehen in Erwartung einer Querdenker-Demonstration in Dresden vor der katholischen Hofkirche. © Sebastian Kahnert/dpa

Die Sächsische Polizeigewerkschaft warnt das Bundesland vor einem Corona-Zusammenbruch innerhalb der Reviere. Das Innenministerium weist die Kritik zurück und erklärt ihr Ziel: zeitnah handeln.

Dresden - Die Corona-Lage in Sachsen verschärft sich drastisch. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 960,7 (Stand: 22. November) übertrifft das Bundesland laut RKI-Daten sämtliche weitere. Betroffen von den hohen Corona-Zahlen ist dabei insbesondere die Polizei. Bereits vor vier Tagen warnte Cathleen Martin, die Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Sachsen (DPolG), das Innenministerium vor einem Corona-Kollaps in der sächsischen Polizei.

Corona-Kollaps innerhalb der sächsischen Polizei? Landesvorsitzende spricht Warnung aus

In der Pressemitteilung vom 18. November ruft Martin die Politik zum sofortigen Handeln auf: Über 400 Beschäftigte der sächsischen Polizei seien derzeit mit dem Coronavirus infiziert. Weitere 600 stünden unter Quarantäne. Bei einer Gesamtzahl von 14.000 Angestellten entspräche dies einer vergleichbaren 7-Tage-Inzidenz von über 4000. „Tendenz stark steigend.“

Die Dienststellen seien kräftemäßig am Limit. Immer mehr Kollegen würden erkranken. Noch könne der nötige Dienstbetrieb aufrechterhalten werden. Doch die Landesvorsitzende wisse nicht, wie lange noch. Ihre Kritik: Der Freistaat Sachsen habe es bisher versäumt, die nötigen Booster-Impfungen für seine Beschäftigten zu beschaffen. Offenbar kam die vierte Welle für das Innenministerium überraschend und erwischt dieses mit voller Härte, heißt es in der Pressemitteilung.

Corona in Sachsen: Polizeigewerkschafterin kritisiert das Innenministerium

Dies hätte nach Martins Meinung verhindert werden können: Statt die Impfkampagne Mitte des Jahres einzustellen, hätte diese entweder weiter fortgeführt oder spätestens ab September wieder aufgenommen werden müssen. Sie habe sich bereits im Sommer letzten Jahres für die Beschaffung von Impfstoff und die Fortführung der Impfmaßnahme stark gemacht. Nach eigenen Angaben blieb der Erfolg dabei jedoch aus. Und jetzt würden die Amtsärzte der sächsischen Polizei angesichts der hohen Zahlen von erkrankten Beschäftigten kollabieren.

Offensichtlich habe Sachsen an der falschen Stelle sparen wollen, behauptet die Polizeigewerkschafterin. Dem Ministerium hätte ihrer Ansicht nach klar sein müssen, dass die Impfungen gegen das Coronavirus bei den Beschäftigten der Polizei zwangsläufig aufgefrischt werden müssten. Zudem seien viele Beschäftigte über den Amtsarzt mit dem Impfstoff Johnson & Johnson immunisiert worden, doch eine Booster-Impfung könne nun nicht über diesen erfolgen.

Ihre drei Forderungen: die sofortige Beschaffung von Impfstoff in ausreichender Menge. Mobile Impfteams, die die Dienststellen anfahren. Sowie eine Prüfung der Homeoffice-Möglichkeit bei geeigneten Dienstposten, um gesunde Polizeibeamte in Reserve zu haben.

Corona: Sächsische Regierung widerspricht Vorwürfen der Polizei

Das Innenministerium wies die Kritik laut einer RTL-Anfrage zurück: Zwar schlage sich das hohe Infektionsgeschehen im Land auch in der sächsischen Polizei nieder, doch sei die Einsatzfähigkeit dabei nicht gefährdet. Bei den Aussagen der Landesvorsitzenden Cathleen Martin handle es sich um eine Einzelmeinung, die die Polizei Sachsen nicht bestätigen kann.

Auch seien die Impfungen mit Johnson & Johnson in Übereinstimmung mit den Empfehlungen des polizeilichen Ärzte-Dienstes eingestellt worden. Grund der Entscheidung: eine geringe Nachfrage bei den Bediensteten sowie die vielfältigen anderen Impfmöglichkeiten beim Hausarzt, in Impfzentren oder über Impfaktionen.

Was die Auffrischungsimpfungen angehe, werde aktuell eine neue Kampagne innerhalb der sächsischen Polizei vorbereitet. In der 48. Kalenderwoche solle diese starten. „Ziel ist es, den Bediensteten zeitnah Booster-Impfungen anzubieten“, zitierte RTL die Antwort der Behörde. Genauere Zahlen der erkrankten Polizeibeamten habe das Innenministerium dabei nicht genannt.

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