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Spahn will Lockdown nicht mehr ausschließen - RKI-Chef legt nach Wutrede nochmal nach

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Das Coronavirus in Deutschland eskaliert. Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler äußerten sich in einer Pressekonferenz - auch die Klinik-Situation und ein möglicher Lockdown kamen zur Sprache. Der News-Ticker.

Update, 10.30 Uhr: RKI-Chef Wieler betont, dass sein Institut jede Welle korrekt vorausgesetzt habe. Außerdem habe man bereits im Juli zu Booster-Impfungen aufgerufen und auch empfohlen, sich auf den Herbst vorzubereiten. „Ich bin schon lange der Papagei. Wie oft bin ich hier gesessen und hab das immer wieder gesagt“, so Lothar Wieler weiter.

Update, 10.24 Uhr: Spahn spricht auch über Lockdowns. Es sei natürlich eine Lage, in der man nichts ausschließen dürfe, man sollte aber lieber alles dafür tun, derartiges zu verhindern. „Je früher man eingreift, desto weniger hart muss das Gesamtpaket auch sein. Deshalb kann man nichts ausschließen. Wichtig ist aber, dass die Länder möglichst viele Instrumente zur Verfügung haben“. Die Maßnahmen, die in Sachsen etwa angekündigt wurden, finde er gut.

Update, 10.20 Uhr: „Wir halten 2G für sinnvoll, das betrifft alle Menschen. Sie ist wirkungsreicher, je umfangreicher sie ist“, erklärt Wieler in der anschließenden Frage-Runde. Wenn die Regel nicht konsequent umgesetzt werde, könne sie auch nicht richtig wirken. „Es muss schluss sein, dass man diese laiszess-faire-Haltung hat. Alle, die diese Vorgaben haben, sollen sie prüfen. Ende, aus“. Auf Nachfrage eines Reporters, ob dies auch für Fußballer gelte, betont Wieler, dass dies für alle Bereiche gelten müsse.

Update, 10.13 Uhr: Wieler weist noch einmal darauf hin, wie gut die Impfungen wirken. „Wir müssen die Impflücken schließen. 2G ist wichtig, reicht aktuell aber nicht“, sagt er und plädiert darauf, Kontakte zu beschränken und auch Großveranstaltungen abzusagen. „Dazu gehört auch, dass wir unsere privaten Kontakte so weit wie möglich reduzieren. Wenn sie sich mit Risikogruppen treffen, machen sie bitte einen Selbsttest“, warnt er außerdem. „Bitte, lasst uns alle diese Maßnahmen mittragen. Wir schaffen es nur gemeinsam, diesen Dampfer zu bremsen“. „Jeden Tag infizieren sich zehntausende Menschen in unserem Land, davon werden einige Hundert sterben“, wird Wieler dann drastisch. Damit beendet er sein Statement.

Update, 10.10 Uhr: „Wir sind wieder in einer schwierigen, wenn nicht sogar in der schwersten Lage“, schließt Spahn sein Statement. Wieler beginnt. „Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch, das ist eine nationale Notlage“, macht er klar. Die bundesweite Hospitalisierungsinzidenz hat bereits die vom RKI vorgeschlagene Schwellgrenze von 5 überschritten, liegt bei 5,3. „In vielen Landkreisen sind die Intensivstationen am Anschlag“, stellt Wieler klar. Dies bedeute, dass auch Patienten, die nicht an Corona erkrankt sind, nicht mehr passend behandelt werden könnten. „Das ist die Situation heute und wir rechnen damit, dass sie sich in Deutschland weiter zuspitzt“, so Wieler. Man habe es trotz allem noch selber in der Hand, wie schlimm die Situation in der Zukunft werde. Man müsse gegensteuern.

Update, 10.06 Uhr: Spahns dritter Punkt: Die Impfungen, die aktuell wieder Fahrt aufnehmen. Impfstoff sei ausreichend vorhanden. Mittlerweile würden wieder über 45.000 Arztpraxen Impfungen und Booster-Impfungen durchführen. Im Sommer seien es nur noch 20.000 gewesen. Das Tempo nehme aktuell deutlich zu. Bereits 5,2 Millionen Auffrischimpfungen wurden verabreicht, 50 Prozent der über 50-Jährigen hätten bereits eine erhalten. Bis Ende Mai werden außerdem die Impfzentren weiter vom Bund bezahlt. Für die Booster-Impfungen soll außerdem der Impfstoff von Moderna vermehrt Einsatz finden, da hiervon noch einige Dosen auf Vorrat seien. „Das war eine Woche er Entscheidung“, stellt Spahn noch klar und verweist auf die erneute Einführung der Bürger-Tests und die Beschlüsse von gestern. Nun gelte es, dies umzusetzen, „mit entschlossenem staatlichen Handeln aber auch im verantwortlichen Handeln jedes Einzelnen im Alltag“.

Update, 10.04 Uhr: Spahn spricht ein zweites, schwieriges Thema an: Die drastische Lage in den Kliniken, die teils vor einem Kollaps stehen. „Die Notwendigkeit von Verlegung von Intensivpatienten aus Krankenhäusern innerhalb unterschiedlicher Regionen“. Deutschland sei in fünf Regionen unterteilt, die die Verlegung regeln. Der CDU-Mann weist auch auf die drastische Lage auf der Münchner Intensivstationen hin. „Deshalb ist das frühzeitige Verlegen von Intensivpatienten wichtig“, da der Aufwand der Verlegung von Beatmungspatienten viel aufwendiger sei. Auch Verlegungen ins Ausland seien möglich, dazu gebe es „jede Woche Abstimmungen“.

Update, 10.02 Uhr: „Die Lage ist weiterhin ernst“, beginnt Spahn sein Statement. Das Infektionsgeschehen habe sich verfünffacht. Auf den Intensivstationen und bei den Todeszahlen sehe man die Auswirkungen. „Es ist zehn nach zwölf“, warnt der kommissarische Gesundheitsminister. Man sei noch immer in einer nationalen Notlage. Gemeinsames staatliches Handeln sei deshalb nötig. „Impfen, testen, AHA-Regeln, Schutzmasken, Kontaktreduzierung“, sei zentral.

Deshalb sei auch der Bund-Länder-Gipfel am Donnerstag wichtig gewesen. „Alleine mit Impfen und Boostern werden wir das Brechen der Welle nicht mehr erreichen. Es braucht Maßnahmen der Kontaktbeschränkung“, erklärt Spahn und verweist auf die neue Regelung, die sich nach der Hospitalisierungsrate richtet. „Es geht dabei auch um einen Lockdown für Ungeimpfte“.

Update, 10.00 Uhr: Spahn und Wieler sind da - die Pressekonferenz beginnt.

Update vom 19. November, 09.51 Uhr: Nach den Beschlüssen auf dem Corona-Gipfel vom Donnerstag ist die Diskussion um die Corona-Maßnahmen in Deutschland neu entbrannt. Bereits vorab äußerte sich Lothar Wieler mit drastischen Worten über die aktuelle Situation. Auch deshalb wird das Pressestatement des RKI-Chefs gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn zur aktuellen Lage. Um 10 Uhr soll die Pressekonferenz beginnen - wir halten Sie hier über das Gesagte auf dem Laufenden.

Corona außer Kontrolle: Spahn und Wieler halten Pressekonferenz - Wutrede vom RKI-Chef

Erstmeldung vom 18. November, 16.35 Uhr: Das Coronavirus* hat Deutschland fest im Griff. Während sich die Lage immer weiter zuspitzt, beraten Bund und Länder über eine Verschärfung der Maßnahmen und neue Instrumente zur Bekämpfung der Pandemie. Ein erster Beschluss ist offenbar schon gefallen. Zudem wurde das neue Infektionsschutzgesetz der Ampel-Parteien im Bundestag verabschiedet.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* und Präsident des Robert Koch Instituts Lothar Wieler werden nun am Freitag (19. November) eine gemeinsame Pressekonferenz halten und sich zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland äußern. Die Pressekonferenz ist für 10.00 Uhr eingeplant.

Im Vorfeld der Konferenz fiel RKI-Chef Wieler mit einer regelrechten Wutrede auf. Die Lage in Deutschland ordnete er mit drastischen Worten ein und nahm zugleich die Politik ins Visier. „Es herrscht eine Notlage in unserem Land“, sagte Wieler am Mittwochabend in einer Videokonferenz mit Mitgliedern der sächsischen Landesregierung. „Wer das nicht sieht, der macht einen sehr großen Fehler,“ hieß es.

In diesem Zusammenhang warnte der RKI-Chef vor einem schlimmen Weihnachtsfest. "Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern", sagte Wieler mit Blick auf die nächsten Wochen. Er wähle hier eine "sehr klare Sprache", räumte der RKI-Chef ein. "Aber ich kann nach 21 Monaten es auch schlichtweg nicht mehr ertragen, dass es vielleicht nicht erkannt wird, was ich unter anderem sage und auch viele andere Kolleginnen und Kollegen."

Lothar Wieler, RKI-Präsident, stellt vor der Bundespressekonferenz eine Grafik mit den neuesten Corona-Zahlen hoch und beantwortet Fragen von Journalisten.
RKI-Präsident Lothar Wieler fand dramatische Worte zur Corona-Situation in Deutschland. © Wolfgang Kumm/dpa

Corona-Eskalation: RKI-Chef fordert weniger Rücksicht für Ungeimpfte - „Clubs und Bars sind Corona-Hotspots“

Wieler machte deutlich, dass die derzeitige Entwicklung mit rasant steigenden Corona-Zahlen absehbar gewesen sei. "Es war klar, dass wir mit der Impfquote, die wir haben, so hohe Inzidenzen haben werden." Er betonte mehrmals die Notwendigkeit, die Impfquote zu erhöhen. Zugleich plädierte Wieler für weniger Rücksicht gegenüber Ungeimpften.

"Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, nicht mehr die Chance geben, der Impfung zu entgehen", etwa durchs Freitesten, sagte er. "Ich bin der Ansicht, wir sollten mehr Rücksicht nehmen auf die Vernünftigen. Wie können den Nichtgeimpften nicht immer die Chance geben, dass sie mit Testung genau so ein Leben haben wie die Geimpften."

Außerdem habe die Bevölkerung zu viele Kontakte, sagte Wieler, "weil ja kontaktbeschränkende Maßnahmen nicht mehr stattfinden". Dabei hätten diese zu Beginn der Pandemie sehr gut gewirkt. Clubs und Bars bezeichnete Wieler als Corona-Hotspots und schlug drastische Maßnahmen vor. "Aus meiner Sicht müssen die geschlossen werden." (bb mit Material von dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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