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Corona-Herdenimmunität trotz Delta: Wissenschaftler nennen jetzt neuen Ziel-Wert für Ende aller Maßnahmen

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Von: Richard Strobl

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Zahlreiche Menschen spazieren durch die Fußgängerzone in der Innenstadt. Die Hoffnung auf Herdenimmunität ist fast so alt wie die Corona-Pandemie.
Zahlreiche Menschen spazieren durch die Fußgängerzone in der Innenstadt. Die Hoffnung auf Herdenimmunität ist fast so alt wie die Corona-Pandemie. © Sven Hoppe/dpa

Wegen der Delta-Variante braucht es eine höhere Impf-Quote, um von einer sogenannten Herdenimmunität sprechen zu können. Diesen neuen Wert gaben nun Wissenschaftler vor.

Stuttgart - Die Corona-Zahlen steigen und sorgen bei der Bevölkerung und Politikern für große Sorgenfalten. Wohl auch wegen der rasant steigenden Fallzahlen gibt es aktuell wieder eine wesentlich größere Nachfrage nach Impfungen - und auch Auffrischungen. Ist aber eine Herdenimmunität im Falle des Coronavirus trotz der grassierenden Delta-Variante überhaupt möglich?

Corona-Herdenimmunität trotz Delta-Variante möglich?

Eine entscheidende Frage, denn die Herdenimmunität wird immer wieder als Voraussetzung dafür genannt, dass Corona-Beschränkungen aufgehoben werden können.

Lange galt eine Immunitätsquote von 70 Prozent als Ziel. Das RKI sprach zuletzt von einer Impfquote von 85 Prozent, die es zu erreichen gelte. Doch nach Auffassung von Forschern der Universität Tübingen hat die Wirksamkeit aller vier in der EU zugelassenen Vakzine gegen die Delta-Variante abgenommen. Das geht aus einer Literatur-Studie hervor, die das Gesundheitsministerium von Baden-Württemberg in Auftrag gegeben hatte.

Die Studie bestätigte allerdings dennoch, dass alle Impfstoffe sehr wirksam sind und auch bei der sehr aggressiven Delta-Variante zu 90 bis 100 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen würden.

Corona-Herdenimmunität erst ab Impfquote von 90 Prozent möglich

Dennoch braucht es nach Angaben der Forscher eine Impfquote von knapp 90 Prozent, damit sich die Delta-Variante selbst dann nicht mehr ausbreiten könne, wenn alle Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden würden. „Unsere Impfquote von 65,4 Prozent reicht nicht, um die Pandemie zu besiegen“, so die Schlussfolgerung von Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha. Deutschlandweit sind nach RKI-Angaben aktuell 67,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft - 70 Prozent der Bürger ab zwölf Jahren sind mindestens einmal geimpft (Stand: 12. November).

Weitere Erkenntnisse der Studie:

Die Herdenimmunität ist dann erreicht, wenn so viele Menschen durch Impfung oder eine vorangegangene Infektion immun sind, dass sich ein Krankheitserreger nicht weiter ausbreiten kann. Infektionen sind dann nur noch vereinzelt zu beobachten. (rjs)

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