Dachdecker sorgt für Skandal

Impfgegner: Chef droht Mitarbeitern bei Corona-Impfung mit Kündigung

Ein Dachdecker aus NRW sorgt für Entsetzen: Seinen Angestellten droht er mit fristloser Kündigung, sollten sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen.

  • Dachdecker Uwe Mentrup aus NRW droht auf der Facebookseite seiner Firma mit einer Kündigung für Angestellte, die sich gegen Corona impfen lassen.
  • Die Reaktionen fallen zum größten Teil verurteilend aus.
  • Kurze Zeit später rudert der Impfgegner zurück und verbreitet wirre Behauptungen.

Lengerich - Es klingt wie ein wirklich schlechter Scherz und doch, daran lässt Uwe Mentrup keinen Zweifel, ist es sein voller Ernst: Auf Facebook hat der Geschäftsführer einer Dachdeckerei im nordrhein-westfälischen Städtchen Lengerich seinen Angestellten die fristlose Kündigung angedroht, sollten sie sich gegen Corona impfen lassen.

Uwe Mentrup, Dachdecker und Impfgegner, droht mit Kündigungen und wettert über Minister

Etwas radebrechend schreibt Mentrup auf Facebook: „Wer sich mit unzuverlässigen Impfstoffen, von vielen Experten der Welt mahnend angeprangert, injizieren lässt, gefährdet die Stabilität unserer Prozesse im Unternehmen!“ Nach einem Absatz über eine angeblich damit verbundene „Verantwortung für alle Mitarbeiter“ geht der Dachdecker noch einmal in die Vollen: „Wir lehnen Experimente mit der Leistungsfähigkeit unseres Unternehmens zugunsten der Pharmaindustrie ab!“

Sie sind gegen Verantwortung für ihre Mitmenschen: Die Impfgegner (Symbolbild)

Davon, dass er seine Belegschaft mit einer solchen Erpressungshaltung ernsthaft gesundheitlich gefährden könnte, will Mentrup nichts wissen: „Wer das nicht versteht, muss sich woanders um Arbeit bemühen.“ Der Beitrag ging auf Facebook schnell viral und erntete die beinahe zu erwartenden Reaktionen; während ihn Verschwörungsgläubige und Impfgegner umjubelten, drückten viele Nutzer ihr blankes Entsetzen aus.

Impfgegner Mentrup löscht seinen Beitrag und veröffentlicht einen neuen

Kurz darauf war der Facebook-Beitrag verschwunden, Mentrup hatte ihn offensichtlich gelöscht. Doch nicht etwa aus Einsicht darin, dass er weder das Recht noch die Möglichkeit besitzt, nachzuverfolgen, wer seiner Angestellten sich gegen Corona hat impfen lassen. Oder aus Einsicht in den Umstand, dass eine solche fristlose Kündigung vor keinem Arbeitsgericht dieses Landes Bestand gehabt hätte. Und auch nicht aus Einsicht seines verantwortungslosen Handels, auf das ihn viele Kommentare hingewiesen hatten. Im Gegenteil veröffentlichte der Dackdecker gleich einen zweiten Beitrag.

Und dieser Beitrag gibt einen Einblick in Uwe Mentrups eigentliche Motivation. Er gibt nämlich an, die „besten Mitarbeiter, die sich ein Arbeitgeber wünschen kann“ zu beschäftigen und ergänzt: „Keinen von denen habe ich die Imfpfung [sic] untersagt (was bei Allen auch nicht nötig wäre)oder diese Vorgeschrieben.“ Er behauptet, dass „alte und wehrlose Menschen teilweise ohne fachliche Aufklärung geimpft“ werden würden und dass „Minister einfach über Berufszweige entscheiden, sich impfen lassen zu müssen oder ihren Job verlieren.“

Dachdecker Uwe Mentrup rudert zurück: Impfgegner will es gar nicht so gemeint haben mit der Kündigung

Er habe niemals vorgehabt, seiner Belegschaft eine Corona-Impfung zu verbieten, außerdem sei „diese Aktion“ mit seinen Angestellten „abgesprochen und der Zweck dieses Postet [sic] erläutert“ worden sein. Welcher Zweck das genau ist, das erläutert der Dachdecker zwar nicht direkt, fügt aber hinzu: „Niemand von den Hater [sic] hier hat sich bisher noch niemals zu den geplanten Zwangsimpfungen bei dem Pflegepersonal kritisch geäußert, was ich wirklich sehr bedenklich finde!“ Weiter führt er aus: „Aber wenn sich niemand traut, sein [sic] Mund aufzumachen, dann mache ich es ebend für Sie!“

Die Kommentare unter seinem Beitrag fallen teilweise sarkastisch, teilweise deutlich aus. Ein Kommentator schreibt: „Zeigt nur wie verantwortungslos Sie sind und man muss als Mitarbeiter wirklich überlegen, ob man sich nicht besser eine neue Stelle suchen sollte.“ Ein weiterer Facebook-Nutzer befindet: „Einmal mehr wird klar: Deutschland hat ein echtes Bildungsproblem!“

Pflegekraft verurteilt die Kündigungsdrohung des Impfgegners Mentrup

In einem anderen Kommentar wird auf die Gefahr einer solchen Erpressungshaltung aufmerksam gemacht: „Niemand hat das Recht so einen Schwachsinn und Lügen zu verbreiten, nur weil der Harald dir auf YouTube ein kritisches Video von vermeintlichen Impfstoff Experten geschickt hat. Den Pflegern sterben die Leute in den Altenheimen weg und diese wollen sich - ohne ansatzweise sinnvolle Begründung - nicht impfen lassen.“

„Klar und deutlich äußert sich ein Mitarbeiter einer Pflegestation: „Viele Grüße aus der Pflege - Krankenhaus - CoVid Station. Ich freue mich, dass ich letzte Woche die erste Dosis eines Impfstoffs bekommen habe, der in einer der größten Impfstudien der Welt getestet und von hunderten Fachleuten weltweit für unbedenklich und einsatzbereit erklärt wurde. Aber was wissen diese Menschen schon im Vergleich zu einem Holzbauer. Ich hoffe, dass dieser Impfstoff die Pandemie beendet und uns zu einem normalen Leben zurück führt - und ich hoffe, dass Sie mit Ihrem Post gestern einigen Kunden die Augen geöffnet haben. Egal, wie Sie es heute drehen und wenden: Sie sollten sich schämen.“

Dachdecker Mentrup erntet Sturm entrüsteter Reaktionen und kündigt Pressekonferenz an

Doch während die überwiegende Mehrheit der Kommentare negativ für den Dachdecker ausfällt, erfährt er auch Zustimmung. Eine offensichtliche Impfgegnerin schreibt: „Endlich mal ein Arbeitgeber der hinterfragt und versucht die restlichen schlafschafe und merkelanhänger wach zu kriegen. [sic]“ Eine andere bedankt sich: „Herzlichen Dank für ihren Mut und Ehrlichkeit.“

Ein Nutzer versucht sich an einer Bilanz: „5 % Applaus, 95 % Ablehnung, schlechte Werbung und Schaden für das Geschäft für ne unüberlegte Androhung rechtswidriger Kündigungen. Das war es vermutlich nicht wert.“ Uwe Mentrup selbst hat inzwischen erneut reagiert und zu einer Pressekonferenz eingeladen. Einer Pressekonferenz eines Dachdeckers, der über Impfstoffe spricht. Auf seiner privaten Facebook-Seite hat er ein Spruch-Bildchen geteilt: „Je größer der Dachschaden, desto besser ist der Blick in die Sterne.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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