Schon bald Inzidenz deutlich unter 50?

Corona in Deutschland: Kinder-Impfungen womöglich schon im Juni - Experten erwarten Besserung der Pandemie-Lage

Kinder im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren könnten bereits im Juni geimpft werden. Wissenschaftler bewerten die künftige Corona-Lage positiv. Der News-Ticker.

  • Mehrere Wissenschaftler rechnen mit weniger Corona-Infektionen. (Update vom 30. April, 10.39 Uhr)
  • Biontech und Pfizer beantragen Zulassung ihres Vakzins für Kinder im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren. (Update vom 30. April, 13.33 Uhr)
  • Die Corona-Zahlen in Deutschland sind weiter auf einem hohen Niveau, die Inzidenz sinkt allerdings. (Update vom 30. April, 8.05 Uhr)
  • Dieser Newsticker wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 30. April, 13.33 Uhr: Bislang gibt es keine Corona-Impfungen für Kinder unter 16 Jahren. Doch das könnte sich bald ändern. Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer haben nach eigenen Angaben bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA die Zulassung ihres Corona-Vakzins für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren beantragt.

Dabei gehe es um die Anpassung und Erweiterung der bestehenden Zulassung auf diese Altersgruppe, teilten die Unternehmen am Freitag mit. Sobald die EMA die Änderung genehmige, werde die angepasste bedingte Zulassung in allen 27 Mitgliedsstaaten der EU gültig sein. Das Mittel von Biontech/Pfizer ist in der EU und in den USA bislang erst für Menschen ab 16 Jahren bedingt zugelassen.

Kinder könnten bereits im Juni mit Biontech/Pfizer-Vakzin geimpft werden

Die Konzerne hatten kürzlich mitgeteilt, dass eine klinische Studie in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren in den USA eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt habe. Die Impfung sei gut vertragen worden. Die Nebenwirkungen hätten jenen in der Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren entsprochen.

Für die Prüfung von Zulassungsanträgen für Corona-Impfstoffe braucht die EMA in der Regel wenige Wochen. Das heißt, dass die EU-Zulassung im günstigen Fall bei einer Bearbeitungsdauer von vier bis sechs Wochen Anfang bis Mitte Juni erfolgen könnte.

Corona in Deutschland: Wissenschaftler erwarten spürbare Verbesserung der Pandemie-Lage

Update vom 30. April, 10.39 Uhr: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen scheint sich - wenn auch auf hohem Niveau - zu stabilisieren, und die Impfkampagne nimmt immer mehr an Fahrt auf. In der Pandemie wird das Licht am Ende des Tunnels heller. Das sehen auch mehrere Wissenschaftler so.

„Ich rechne nicht mehr mit einer Zunahme, aber auch nicht mit einer schnellen Abnahme“, sagte Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin bei einer Anhörung im Parlamentarischen Begleitgremium Covid-19-Pandemie des Bundestags in einer Einschätzung der Infektionszahlen.

Optimistischer zeigte sich Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Inzidenzen von deutlich unter 50 wie im vergangenen Sommer seien wahrscheinlich in den nächsten Wochen zu erreichen, sagte sie. Grund dafür sei vor allem der Impffortschritt.

Mit klaren Konzepten seien kleinere Veranstaltungen draußen möglich, sagte Gérard Krause, Epidemiologe vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Das funktioniere auch in großen Sälen mit hohen Decken - aber wenig Leuten. Auch gegen Außengastronomie mit Konzepten sei für ihn wenig einzuwenden. Für Innengastronomie aber bleibe das Ansteckungsrisiko weiter zu hoch.

Corona in Deutschland: RKI meldet neue Fallzahlen - Spahn macht Hoffnung mit Impf-Rekord

Update vom 30. April, 8.05 Uhr: Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) innerhalb eines Tages 24.329 Corona-Neuinfektionen und 306 neue Todesfälle gemeldet. Das geht aus den Zahlen des RKI-Dashboards vom Freitagmorgen hervor. Am Freitag vor einer Woche wurden 27.543 Neuinfektionen und 265 neue Todesfälle - die Zahl an neuen Fällen ist also deutlich gesunken, die Zahl der Todesfälle hingegen gestiegen. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz lag laut RKI am Freitagmorgen bei 153,4. Das ist der niedrigste Wert seit Mitte April.

Update vom 29. April, 14.45 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte zum Abschluss seiner Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler noch positive Nachrichten zu verkünden. Erstmals wurden am vergangenen Mittwoch mehr als ein Prozent der Bevölkerung an nur einem Tag geimpft. Das entspricht knapp 1,1 Millionen Menschen, die das Vakzin verabreicht bekommen haben.

Bezüglich der Impf-Priorisierung sagte Spahn, dass er niemanden kenne, der in seinem Alltag nicht von der Pandemie eingeschränkt werde und jeder einen Grund hätte, priorisiert geimpft zu werden. Man müsse aber auf die Risiken einzelner Personengruppen achten. „Das nächste Schuljahr, das nächste Semester wird anders starten, als dieses enden wird.“ Zum Verordnungsentwurf über mögliche Privilegien für Geimpfte gab der Minister lediglich an, dass in der nächsten Woche die ersten Gespräche mit Bundesrat und Bundestag geführt werden würden. „Niemand hat was dagegen, das Ganze zügig zu gestalten.“

Neuer Pandemie-Durchbruch? Biontech-Chef Sahin macht Hoffnung auf baldigen Impfstoff-Einsatz für Kinder

Erstmeldung vom 29. April: München - Erst am Donnerstag betonte Lothar Wieler, der Chef des Robert Koch-Instituts*, auf einer Pressekonferenz, dass Kinder ebenfalls zum Infektionsgeschehen beitragen würden. Langzeitfolgen, die es auch bei Kindern gebe, dürfe man nun bei der Risikobewertung nicht aus dem Blick verlieren. Aktuell sehe man ein überproportionales Infektionsgeschehen bei Jüngeren, betonte außerdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der nächste Schritt dahin seien Impfungen für Kinder.

Dahingehend machte Biontech*-Chef Ugur Sahin nun große Hoffnung. „Wir haben die Studiendaten für die 12- bis 15-Jährigen in den USA für die bedingte Zulassung eingereicht, in Europa sind wir in den letzten Zügen vor der Einreichung“, so Sahin* gegenüber dem Spiegel. Die Prüfung würde in der Regel nur wenige Wochen dauern. Am kommenden Mittwoch soll die Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder ab 12 bei der EMA beantragt werden. Die Hoffnung sei, dass ab Anfang Juni die ersten Schulkinder geimpft werden können. Eine Zulassung für die Kinder aller Altersklassen solle ab September angegangen werden.

Biontech-Gründer Ugur Sahin: Vakzin bei 12-Jährigen aktuell zu 100 Prozent wirksam

Die zweite klinische Studie mit 4600 Kindern in jüngerem Alter sei ebenfalls schon weit fortgeschritten. Nach absteigendem Alter könne dann geimpft* werden. Sollten die Zehnjährigen alles gut vertragen, seien danach die Neunjährigen dran. „Wenn alles gut geht, können wir, sobald die Daten ausgewertet sind, in verschiedenen Ländern den Antrag auf Zulassung des Impfstoffs für alle Kinder der jeweiligen Altersgruppe einreichen.“

Auch dahingehend zeigt sich Sahin zuversichtlich. Die bereits vorhandenen Daten würden aufzeigen, dass das Vakzin bei älteren Kindern ab zwölf Jahren zu 100 Prozent wirksam und gut verträglich sei. Die „ermutigenden Ergebnisse“ würden darauf hindeuten, „dass Kinder durch die Impfung besonders gut geschützt sind.“

Corona-Impfung für Kinder: Wichtiger Schritt in Bekämpfung der Pandemie

Die Folgen einer erfolgreichen Impf-Kampagne für Kinder könnten entscheidende Folgen für den Pandemie-Verlauf weltweit sein. Kinder und Jugendliche spielen besonders in der aktuell verlaufenden dritten Welle eine größere Rolle als noch während der Wellen im Jahr 2020. Schüler müssen sich unter besonderen Umständen auf ihre Prüfungen vorbereiten, Freizeit-Aktivitäten abseits der Bildung sind zum Großteil geschlossen und Kinder, die in schwierigen Verhältnissen leben, haben kaum noch Anlaufstellen.

Experten machen sich daher vor allem um die psychischen Langzeitschäden Sorgen. „Wir glauben, dass es jetzt schnell gehen kann. Menschen auf der ganzen Welt wünschten sich ein normales Leben zurück. Ganz besonders unsere Kinder“, gibt Sahin an. Die Ergebnisse seien zwar ermutigend, einen Schnellschuss dürfe man laut Jörg Dötsch, dem Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Köln allerdings trotzdem nicht wagen. Zwar gebe es bislang keine Hinweise auf Nebenwirkungen*, allerdings würden sich unerwünschte Wirkungen oft erst nach der Markteinführung zeigen, wenn Hunderttausende oder Millionen Menschen geimpft sind.

Es sei überaus wichtig, dass die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung bei Kindern klar positiv ausfällt. „Alles andere wäre unethisch“, sagte er dem Spiegel. (ta) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow/ dpa

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