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Deutscher Immunologe warnt vor Omikron-Subvariante – RKI meldet erneut Inzidenz-Rekord

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Von: Franziska Schwarz

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Die Corona-Zahlen steigen, eine Omikron-Subvariante bereitet einem Experten außerdem Sorgen. Der News-Ticker.

Update vom 1. Februar, 7.30 Uhr: Der Aufwärtstrend der Corona-Pandemie in Deutschland geht weiter: Am Dienstag hat die vom Robert-Koch-Institut gemeldete bundesweite 7-Tage-Inzidenz erstmals die Schwelle von 1200 überschritten. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Dienstagmorgen mit 1206,2 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1176,8 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 894,3 (Vormonat: 220,3).

Und auch die Zahl der Neuinfektionen geht im Vergleich zur Vorwoche stetig nach oben. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 162.613 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 126.955 Ansteckungen. Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 188 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 214 Todesfälle. Die Zahl der in Kliniken gekommenen mit Corona infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Montag mit 4,64 an (Freitag 4,72). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.

Update vom 31. Januar, 15.06 Uhr: Manche hoffen wegen der starken Infektiösität von Omikron auf eine baldige Endemie. Doch einige Experten sind skeptisch. Eine wohl noch leichter übertragbare Untervariante des Erregers könnte die aktuelle Infektionswelle verlängern. Ihr Name lautet BA.2.

„BA.2 wird sich auch bei uns durchsetzen“, twitterte Carsten Watzl an diesem Montag auf Twitter. Er ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Er bezog sich dabei auf eine noch nicht von externen Fachleuten begutachtete Untersuchung aus Dänemark zu BA.2.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), steht im November 2021 in einem Labor in Dortmund.
Der Carsten Watzl (Archivbild) warnt vor dem Omikron-Subtyp BA.2. © Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo)/dpa

Experte: Omikron-Subtyp BA.2 könnte Corona-Welle verlängern

Der Studie zufolge ist das Ansteckungsrisiko bei dem Subtyp mehr als doppelt so hoch wie bei Subtyp BA.1. Das gilt sowohl innerhalb der Gruppe der Ungeimpften, als auch bei Menschen mit Grundschutz und bei Geboosterten. Das Risiko der Weitergabe des Virus ist bei infizierten Ungeimpften ebenfalls stark erhöht, nicht jedoch bei Geimpften und Geboosterten, heißt es in der Studie.

BA.1 ist bisher in Deutschland vorherrschend, BA.2 gibt es aber auch schon. Impfungen hätten auch mit dem Aufkommen von BA.2 einen Effekt gegen Infektion, Weitergabe und schwere Erkrankung, wenn auch verringert im Vergleich zu früheren Varianten, schreiben die Forscher. 

Präsident der Krebsgesellschaft warnt wegen Corona vor höherer Krebssterblichkeit

Update vom 31. Januar, 13.47 Uhr: Verschobene Operationen, weniger Früherkennung und Lücken bei der Nachsorge: Die Corona-Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung von Krebskranken in Deutschland. DKFZ Vorstandschef Michael Baumann erwartet künftig mehr Tumore in fortgeschrittenen Stadien, „deren Heilungschancen entsprechend schlechter sind“. Auch der DKG-Präsident Thoms Seufferlein, befürchtet eine höhere Krebssterblichkeit.

Viele Tumoroperationen seien „in den Gipfelzeiten der Pandemie“ wegen der Auslastung der Intensivkapazitäten und fehlenden Personals verschoben worden oder ausgefallen, so Seufferlein laut AFP.

Verzögerte Krebstherapie aufgrund der Pandemie kann Lebensjahre kosten

Gerade zu Beginn der Pandemie habe es deutlich weniger Vorsorgeuntersuchungen gegeben, weil das Angebot aufgrund der anfangs fehlenden Schutzausrüstung in Praxen und Kliniken reduziert war. Zudem hätten etliche Patientinnen und Patienten Vorsorgetermine verschoben aus Furcht vor einer möglichen Ansteckung oder um das Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten.

Mittlerweile sind Seufferlein zufolge die Vorsorgeangebote „wieder auf Normalstand“, allerdings warteten etliche Menschen immer noch auf mehr Normalität. „Davor kann man angesichts der Dauer und des ungewissen weiteren Verlaufs der Pandemie nur dringend abraten“, betonte der Krebsexperte.

Sprecher Hebestreit: Bundesregierung gegen „verfrühte“ Corona-Lockerungen

Update vom 31. Januar, 12.57 Uhr:  Wegen Omikron hält es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für möglich, Lockerungen zumindest zu planen (siehe Erstmeldung). Die Bundesregierung indes sieht im Moment noch keinen Anlass, die Corona-Maßnahmen zu entschärfen.

„In dem Moment, wo wir das Gefühl haben, verantwortlich lockern zu können, wird diese Bundesregierung, werden alle Landesregierungen genau diesen Schritt gehen“, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Montag in Berlin. Im Augenblick sei es aber „noch ein bisschen verfrüht“, schon diesen Schritt zu machen.

Man sei noch in der Phase, in der es bergauf gehe mit den Zahlen, jeden Tag gebe es neue Rekordwerte. Der Höhepunkt der Welle sei noch nicht erreicht. „Und insofern würde ich im Augenblick davor warnen, zu frühzeitig zu glauben, es ist schon vorbei“, sagte Hebestreit.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit am 24. Januar 2022 in der Bundespressekonferenz in Berlin.
Regierungssprecher Steffen Hebestreit © Metodi Popow/Imago

Umfrage: Krankenstand in Corona-Pandemie leicht gesunken – aber „alarmierende“ Entwicklung

Update vom 31. Januar, 11.24 Uhr: Im zweiten Pandemie-Jahr haben deutsche Beschäftigte weniger im Job gefehlt – zumindest sehr leicht. 2021 lag der Krankenstand mit vier Prozent um 0,1 Punkte unter dem Vorjahresniveau. Atemwegserkrankungen gingen demnach stark zurück.

Das ergab eine aktuelle DAK-Analyse. Sie wertete die Daten von rund 2,4 Millionen DAK-Versicherten aus. Kamen vor der Corona-Pandemie auf 100 Versicherte noch rund 221 Fehltage wegen einer Atemwegserkrankung, waren es 2021 nur noch 146 Tage - ein Drittel weniger.

Krankenkasse DAK: Steigende Fehlzeiten wegen psychischer Probleme

Indes: Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen stiegen weiter an und erreichten einen neuen Höchststand. Die meisten Fehltage gab es allerdings wegen Rückenschmerzen oder anderer Muskel-Skelett-Probleme. Mehr als ein Fünftel des Arbeitsausfalls ließ sich damit begründen.

„Alarmierend“ nannte das DAK-Vorstandschef Andreas Storm. „In der Corona-Pandemie fühlen sich viele Menschen gestresst und stehen unter Anspannung.“

Symbolbild: Ein Mann mit medizinischem Mundnasenschutz steht am Fenster und blickt hinaus.
Im Jahr 2021 sind die Krankmeldungen wegen psychischer Probleme gestiegen (Symbolbild). © Dmytro Sidashev/Imago

Umfrage zu Corona: Eine Angst überwiegt unter den Deutschen

Update vom 31. Januar, 9.11 Uhr: Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) sorgt sich laut einer Umfrage davor, dass es immer neue Corona-Wellen gibt, bis alle gegen das Virus geimpft sind. Diese Befürchtung übersteigt in einer Sonderbefragung zu den „Ängsten der Deutschen in der Corona-Krise 2022“ alle anderen abgefragten Sorgen, wie aus der heute veröffentlichten Studie der R+V-Versicherung hervorgeht.

49 Prozent der Befragten fürchten, dass die Politiker überfordert sind. 43 Prozent haben Angst vor einer Corona-Infektion. Auffällig: Deutlich weniger Menschen (38 Prozent) hatten Angst vor einer schlechten Wirtschaftslage - im Winter 2021 waren es noch 59 Prozent.

Die R+V untersucht seit 1992 jährlich die Befindlichkeiten der Deutschen in Sachen Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit. In der Pandemie gab es zum dritten Mal eine Sonderumfrage zu Corona Für die repräsentative Online-Untersuchung wurden vom 18. bis 20. Januar 1083 Menschen befragt.

Symbolbild: Ein Teenager steht mit Mundnasenschutz und geschlossenen Augen vor einem Gitterzaun in Istanbul.
Symbolbild: Es gibt eine neue Befragung zu den Corona-Ängsten der Deutschen. © Cavan Images/Imago

Corona in Deutschland: 7-Tage-Inzidenz steigt auf fast 1200

Update vom 31. Januar, 6.36 Uhr: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert. Am Montag beträgt der Wert 1176,8. Am Vortag hatte er bei 1156,8 gelegen, vor einer Woche bei 840,3, im Vormonat bei 265,8. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 78.318 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.03 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche waren es 63.393 Ansteckungen.

Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen eines Tages 61 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 28 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 9.815.533 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 4,72 an (Donnerstag 4,64). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Montag mit 7.622.400 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 117.786.

Corona in Deutschland: Lauterbach schießt gegen „radikale Impfgegner“

Update vom 30. Januar, 20.45 Uhr: Gesundheitsminister Karl Lauterbach wandte sich mit scharfen Worten gegen „radikale Impfgegner“. In einem Interview mit der F.A.Z. sprach Lauterbach über die berufsbezogene Impfpflicht für Pflegekräfte, die am 15. März in Kraft treten wird.

„Es wird natürlich so sein, dass der eine oder andere radikale Impfgegner, der in der Pflege arbeitet, dann aussteigt. Dann stellt sich aber ohnehin die Frage, ob die Person für den Beruf überhaupt geeignet war“, stellte Lauterbach fest. „Dass medizinisches Personal wissenschaftliche Erkenntnisse leugnet und sogar bereit ist, Patienten zu gefährden, kann nicht sein.“ Dafür müsse man in Kauf nehmen, dass einzelne Fachkräfte ihre Einrichtungen verlassen.

Corona-Maßnahmen: Söder hält bundesweite Lockerungen für möglich

Erstmeldung vom 30. Januar: München - Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland erreichte am Samstag (29. Dezember) einen neuen Höchstwert. Trotzdem werden die Rufe nach Öffnungen immer lauter. Angesichts der milderen Verläufe nach einer Omikron-Infektion stellten auch Bund und Länder nach den Beratungen am vergangenen Montag (24. Januar) Öffnungsperspektiven in Aussicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hält Lockerungen sogar bald für möglich.

Im „Bericht aus Berlin“ forderte der CSU-Chef am Sonntag (30. Januar) Planungen für eine Lockerung der Maßnahmen. „Omikron ist was anderes als Delta“, begründete Söder sein Vorhaben in der ARD. Bei der Omikron-Variante des Coronavirus zeige sich, dass zwar die Belegung der Normalbetten in den Krankenhäusern steige, aber bisher kaum Kapazitäten der Intensivstationen binde, so Söder.

Markus Söder am Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“
Markus Söder am Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ © Screenshot: tagesschau.de

Corona in Deutschland: Rufe nach „Exit“-Strategie werden lauter

Wenn es keine Überlastungen in den Krankenhäusern gebe, müssten Freiheiten an die Bürger zurückgegeben werden. Mit Blick auf die Beschlüsse der Bund-Länder-Runde meinte Söder, es sei zu wenig, den Kurs nur zu halten. Trotzdem wolle er die nächste Ministerpräsidentenkonferenz Mitte Februar abwarten. Danach könnten demnach also Lockerungen folgen. Konkret schlug Söder vor, mehr Zuschauer bei Sport- und Kulturveranstaltungen zuzulassen oder der Gastronomie, Messen und andere Veranstaltungen mehr Spielraum zu lassen.

Söders Vorschlag dürfte bei einigen Mitgliedern der Bundesregierung auf offene Ohren stoßen. Auch Bundesfinanzminister Christian Lindner sprach bereits über Öffnungsstrategien. Dem Spiegel sagte er: „Wir haben die Omikron-Welle zwar noch nicht hinter uns, aber wir müssen schon jetzt konkret daran arbeiten, wann und unter welchen Bedingungen es zu schrittweisen Öffnungen kommen kann.“ (sf)

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