Prognose bis Ende 2021

„Unrealistisch“ - WHO trübt Hoffnung auf baldiges Ende der Corona-Pandemie

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie war mit der Zulassung der ersten Corona-Impfstoffe groß. Ein WHO-Experte dämpfte diese Hoffnungen nun deutlich.

Genf - Seit rund einem Jahr beeinflusst die Corona-Pandemie das tägliche Leben der Menschen weltweit. Aktuell bereitet die Ausbreitung der Corona-Mutationen große Sorgen, viele Experten warnen vor einer dritten Welle. Am Mittwoch (3. März) steht in Deutschland erneut ein Corona-Gipfel von Bund und Ländern an. Ersten Berichten zufolge will Bundeskanzlerin Angela Merkel den Lockdown* offenbar bis zum Beginn der Osterferien verlängern. Ein baldiges Ende der Pandemie ist nicht in Sicht.

Corona-Pandemie Ende des Jahres vorbei? WHO-Experte nennt das „sehr verfrüht und unrealistisch“

Das sieht auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ähnlich. „Es wäre sehr verfrüht und unrealistisch zu glauben, dass wir bis Ende des Jahres mit diesem Virus fertig werden“, dämpfte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan am Montagabend in Genf die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie*. Bei klugem Handeln könnten jedoch „die Krankenhauseinweisungen, die Todesfälle und die Tragödie beendet werden, die mit dieser Pandemie einhergehen“.

Der Fokus der WHO sei weiter darauf gerichtet, die Infektionszahlen so gering wie möglich zu halten und so viele Menschen wie möglich gegen das Coronavirus* zu impfen. Im Vergleich zu vor zehn Wochen sei die Situation viel besser, sagte Ryan mit Blick auf die Auslieferung erster Corona-Impfstoffe. „Noch stehen wir aber vor einer großen Herausforderung“, betonte er.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus (r.) und WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan halten ein Ende der Corona-Pandemie 2021 für unrealistisch. (Archivbild)

Corona-Pandemie: WHO-Chef erklärt Anstieg der Zahlen - „Enttäuschend, aber nicht überraschend“

In der vergangenen Woche hatte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge, noch Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie gemacht. In einem Interview mit dem dänischen TV-Sender DR sagte er: „Das Schlimmste liegt hinter uns.“ Kluge blickte zuversichtlich in die Zukunft: „Es wird weiterhin ein Virus geben, aber ich glaube nicht, dass Einschränkungen nötig sein werden. Das ist eine optimistische Aussage.“

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte am Montag, dass es nach sechs Wochen mit sinkender Tendenz nun wieder einen Zuwachs bei den Corona-Zahlen gebe. Abgesehen von Afrika und der Region im westlichen Pazifik sei überall ein Aufwärtstrend zu beobachten. „Das ist enttäuschend, aber nicht überraschend“, so der WHO-Generaldirektor.

Corona-Impfung in ärmeren Ländern begonnen: WHO-Chef nennt Zeitpunkt „bedauerlich“

Als mögliche Ursachen sieht er die Lockerungen in vielen Ländern, die Ausbreitung der ansteckenderen Virus-Varianten* „und dass die Menschen weniger vorsichtig werden“. Der WHO-Chef ermahnte bei der Pressekonferenz am Montag die internationale Gemeinschaft erneut, nicht ausschließlich auf Corona-Impfungen* zu setzen. Die Einhaltung der grundsätzlichen Hygieneregeln sei weiterhin die Basis im Kampf gegen die Corona-Pandemie*.

Erfreulich sei hingegen, dass endlich die Impfung von medizinischem Personal in ärmeren Ländern begonnen habe, beispielsweise in Ghana und der Elfenbeinküste. Bis Ende Mai erwarte die WHO, dass 237 Millionen Dosen Impfstoff zur Verteilung in 142 ärmeren Ländern bereitstünden. Tedros fügte jedoch hinzu: „Es ist bedauerlich, dass dies beinahe drei Monate nach dem Impfstart in manch besonders reichen Ländern passiert.“ (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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