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Pferde-Medizin gegen Corona? Viele Österreicher setzen auf Wurmkur - Frau nach Vergiftung in Klinik

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Von: Tom Offinger

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Impfskeptiker greifen zu kuriosen Mitteln: Eine Wurmkur für Pferde soll Schutz vor dem Coronavirus bieten. Nun liegt eine Frau nach einer Vergiftung durch das Mittel auf der Intensivstation.

Update vom 18. November, 13.45 Uhr: Unter Impfskeptikern wird Ivermectin, das eigentlich als Wurmkur für Pferde gedacht ist, als Mittel gegen Corona benutzt. Nun warnte unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor der Einnahme des Entwurmungsmittels. Auch der Hersteller selbst tat dies, MSD (Merck Sharp & Dohme) sprach sich „im Einklang mit den gängigen medizinischen Empfehlungen“ deutlich gegen die Einnahme für Corona-Patienten aus.

Österreich: Entwurmungsmittel gegen Corona? Frau landet auf der Intensivstation

Es gäbe „keine aussagekräftige Evidenz für die Anwendung von Ivermectin (Stromectol) bei Sars-CoV-2“, ließ MSD weiter verlauten. Christoph Steininger von der Medizinischen Universität Wien spricht auch von Lieferengpässen, die auf den „missbräuchlichen Einsatz von Ivermectin“ zurückzuführen ist. Außerdem werden „korrekte Behandlungen parasitärer Erkrankungen“ behindert. Experten warnten ebenfalls vor Gefahren einer Überdosis des Mittels.

In Österreich kam es nun zu Vergiftungsfällen bei Personen. Wie ZiB 1 am Mittwoch berichtete, liegt eine Oststeirerin nacheiner Überdosis Ivermectin auf der Intensivstation. Die Frau werde weiterhin intensivmedizinisch behandelt, sei jedoch bereits maußer Lebensgefahr.

Erstmeldung vom 17. November:
Linz - Biontech*, Johnson & Johnson* oder Moderna* - das sind für gewöhnlich die empfohlenen Schutzmittel vor dem Coronavirus. Nicht so in Oberösterreich, wo seit einigen Tagen ein kurioses Produkt wie warme Semmeln aus den Apotheken verschwindet: Ivermectin, im Alltag eigentlich als Wurmkur für Pferde gedacht. Gerade unter Impfskeptikern erfreut sich das Mittel großer Beliebtheit. Empfohlen wurde es von einem FPÖ-Politiker, der sich nun selbst mit dem Coronavirus infiziert hat.

Österreich: Pferde-Medizin wird zum Verkaufsschlager

Erst vor wenigen Wochen stellte Herbert Kickl den sogenannten „Plan B“ vor, mit dem Österreich sicher die vierten Corona-Welle überstehen sollte. Dabei schwor der FPÖ-Chef auch auf Ivermectin, eine Medizin, die eigentlich bei Pferden und Kühen gegen Parasiten angewendet wird. Kickl selbst hat die Einnahme des Mittels wenig geholfen, der 53-Jährige wurde vor wenigen Tagen positiv auf das Coronavirus getestet. Einen Kaufrausch im Bundesland Oberösterreich konnte das allerdings nicht aufhalten, vielerorts ist das verschreibungspflichtige Präparat nicht mehr zu kaufen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach sich deutlich gegen die Einnahme der Wurmkur aus, es gebe keine Belege für die Wirksamkeit des Mittels gegen das Virus. Viele Menschen scheinen die Hinweise und Bedenken allerdings zu ignorieren, laut einem Bericht der Bild-Zeitung soll in den USA, wo das Mittel ebenfalls äußerst beliebt ist, bereits eine 47 Jahre alte Frau nach Einnahme des Mittels verstorben sein. Ihr Mann habe demnach sogar im Krankenhaus an der Wirksamkeit des Präparats festhalten wollen und versuchte, eine weitere Behandlung mit der Wurmkur zu erklagen.

Hersteller warnt: Wurmkur hat keine erwiesene Wirksamkeit gegen Corona

Der Kaufrausch in Österreich hat nun allerdings so hohe Wellen geschlagen, dass selbst der Hersteller des Präparats Stellung bezogen hat: „Es gibt keine aussagekräftige Evidenz für die klinische Effektivität gegen SARS-CoV-2“, unterstreicht die Firma MSD (Merck Sharp & Dohme) in einer Pressemitteilung. Auch das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) unterstützt das Unternehmen und betont, dass die Verwendung des Präparats keineswegs zu einer Vorbeugung oder Behandlung von COVID-19 empfohlen werden könne.

MSD möchte abschließend festhalten, dass die C19-Impfung bei der Pandemiebekämpfung an erster Stelle steht und MSD alle Maßnahmen zu einer höheren Durchimpfungsquote unterstützt“, schließt das Statement, welches am Mittwochabend (17. November) veröffentlicht wurde.

Österreich: Inzidenz schießt in die Höhe

Mit einer Inzidenz von 908,2 liegt Österreich deutlich vor seinen Nachbarländern*. Seit Montag gilt in der Alpenrepublik eine Ausgangssperre für ungeimpfte Bürger. Nach aktuellstem Stand sind bisher 64,6% aller Österreicher vollständig gegen das Coronavirus geimpft (zum Vergleich: in Deutschland beträgt die Impfquote derzeit 67,6%). (to) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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