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Über 100 Prozent? RKI meldet kuriose Corona-Impfquote für deutsche Stadt

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Von: Tom Offinger

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Vorbereitung einer Corona-Schutzimpfung
Corona-Impfung sind in Bremen besonders beliebt. © Jörg Carstensen/dpa

Die deutsche Impfkampagne läuft wieder auf Hochtouren. Besonders in Bremen lassen sich viele Menschen gegen das Coronavirus impfen - die entsprechende Quote ist allerdings kurios.

Bremen/München - Seit einigen Wochen wird Deutschland wieder viel geimpft. Im Zuge der sich abzeichnenden Omikron-Welle und der damit steigenden Infektionszahlen fuhr das Bundesgesundheitsministerium um Karl Lauterbach den etwas eingeschlafenen Prozess wieder hoch. In keinem Bundesland scheint die Kampagne besser zu funktionieren als in Bremen. Nirgendwo liegen die Impfquoten bei Erst- und Zweitdosen höher, auch bei den Drittimpfungen ist Bremen im oberen Drittel.

Corona in Deutschland: Bremen überrascht mit hohem Impf-Prozentsatz

Das Robert-Koch-Instituts (RKI) präsentierte am vergangenen Donnerstag die aktuellen Impfquoten der Bundesländer. Unter den mindestens einmal geimpften Erwachsenen belegt die Hansestadt Bremen den ersten Platz - kurioserweise mit einem Wert von 100,1 Prozent (Stand: 6. Januar 2022).

Dieser Umstand ist einer Unschärfe der übermittelten Impfdaten geschuldet, die zwar schon länger bekannt ist, sich aber auch erst jetzt merklich niederschlägt. Statistisch werden Impfungen nämlich nicht dem Heimatbundesland des Patienten zugeordnet, sondern dem Bundesland, in dem sich die Person gegen das Coronavirus impfen ließ.

Holen sich beispielsweise Berufspendler aus dem niedersächsischen Umland ihre Impfung in der Hansestadt, zählen sie entsprechend in die Bremer Statistik. Maßgeblich für dieses Kuriosum ist der Unterschied beim Meldeverfahren zwischen den Impfzentren und Arztpraxen - je nachdem, wo ein Patient seine Schutzimpfung erhielt, erfährt das RKI auf unterschiedlichen Wegen davon und erhält gleichzeitig verschieden detaillierte Informationen. Ein Impfzentrum übermittelt diverse Angaben (wie das Alter, Geschlecht, den Impfstoff und Wohnort) pseudonymisiert in eine Datenbank, wo sie vom RKI abgerufen werden können.

Die impfenden Kassenärzte übermitteln ihre Impfdaten hingegen über ein eigenes Tool der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Zu Beginn der Impfkampagne war angedacht, dass auch sie ein umfangreiches Datenpaket an das RKI senden, darunter die Adresse der Patienten. Die dafür bereitgestellte Software des RKI wurde von einem Ärztefunktionär als „Impfhindernis“ bezeichnet, das geplante Vorgehen erfordere einen hohen bürokratischen Aufwand. Als Resultat einigte man sich auf eine reduzierte Meldepflicht, ohne den Wohnort der geimpften Personen.

Corona in Deutschland: In welchem Maße weichen die Impfzahlen ab?

„Nur die Angabe des Ortes der impfenden Stellen ist in allen Datenquellen enthalten“, wird ein entsprechendes Schreiben des RKI im Spiegel zitiert. Mit dieser Datenübermittlung berechnet das Institut dann die Quoten in Deutschland. Es ist keine Seltenheit, dass sich Menschen in einem Kreis impfen lassen, in dem sie eigentlich gar nicht wohnen. Deshalb könnten womöglich besonders die Zahlen der Stadtstaaten Berlin (Erwachsenenimpfquote: 85,9 %), Hamburg (91,2 %) und eben Bremen ziemlich verzerrt sein - während die Einwohner innerhalb der Stadtgrenzen bleiben, kommen von außerhalb womöglich zahllose Patienten in die Städte. Die Impfquoten sind folglich tendenziell zu hoch.

In welchem Maße die Zahlen abweichen, kann keiner genau sagen, selbst in Bremen herrscht diesbezüglich keine Klarheit. Auf Anfrage des Spiegel teilte die Pressestelle der Bremer Gesundheitssenatorin mit, dass im ersten Halbjahr 2021, als die grenzüberschreitenden Impfungen zwischen der Hansestadt und Niedersachsen noch erfasst wurden, sich fast genauso viele Bremer in Niedersachsen impfen ließen wie umgekehrt.

So oder so scheinen die Bremer im Zuge der Impfkampagne einiges richtig gemacht zu haben. In Bayern liegt die Quote der Erwachsenen, die mindestens eine Impfung erhalten haben, bei gerade einmal 81,6 Prozent (Platz 12 im bundesweiten Vergleich). (to)

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