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Corona-Angst als große Gesundheitsgefahr: Expertin erklärt Strategien zur Stressbewältigung

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Von: Alexandra Schöne

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Corona und kein Ende: Die Pandemie und ihre Begleiterscheinungen verursachen negativen Stress
Corona und kein Ende: Die Pandemie und ihre Begleiterscheinungen verursachen negativen Stress. © Bihlmayerfotografie/Imago

Corona-Daueralarm und Wut auf andere Personengruppen: Wir leben in einer chronisch gestressten Gesellschaft. Eine Expertin erklärt Hintergründe und schildert Lösungsansätze.

München - Daniela Hadem-Kälber hat Stress zu ihrem Beruf gemacht. Die Münchnerin ist Stresspräventionstrainerin. Im Interview gibt sie Tipps für Entspannungstechniken und erklärt, wie man sich gegen Weihnachtsstress und die Omikron-Welle wappnen kann.

Die WHO hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. Hat die Pandemie die Situation noch einmal verschärft?

Hadem-Kälber: Wir leben in einer chronisch gestressten Gesellschaft. In der zunehmenden Aggressivität der Impfgegner einerseits und der wachsenden Wut auf Ungeimpfte andererseits zeigt sich diese enorme Stressbelastung. Bei einem dauerhaft erhöhten Stresspegel leiden Menschen häufig unter negativen Emotionen. Die Fähigkeit, die eigenen Emotionen zu regulieren, nimmt ab.

Corona erzeugt Aggressionen: Was dabei hilft, den Stress zu bewältigen

Was kann man dagegen machen?

Hadem-Kälber: Um aktuell Stress zu vermeiden, ist es hilfreich, Medien bewusst zu konsumieren. Sich mit Vertrauenspersonen treffen, die einem guttun, kann auch helfen. Zusätzlich kann man seine eigenen Gedanken hinterfragen. Viele sagen sich gerade: Einen neuen Lockdown würde ich niemals überstehen. Es ist immer sinnvoll, innezuhalten und diesen Gedanken zu prüfen. Stimmt das wirklich? Man sollte sich bewusst machen, dass man nicht alles glauben muss, was man selbst denkt. Außerdem können Entspannungstechniken helfen, wie zum Beispiel Achtsamkeitstraining oder Meditation. Es gibt diverse Apps, die beim Einstieg helfen, oder von den Krankenkassen finanzierte Kurse.

Und was ist im Alltag sinnvoll, zum Beispiel bei akutem Stress auf der Arbeit?

Hadem-Kälber: Die Stopp-Technik ist schön und kurz. Man sagt zu sich selbst innerlich oder auch laut Stopp. So können wir uns neu sortieren. Zusätzlich kann man sich auch kneifen oder in die Hände klatschen. Oder man zählt seine Atemzüge und begleitet den Atem mit Worten, die einem guttun. Die ALI-Technik bedeutet Atmen, Lachen, Innehalten. Auch wenn man sich gerade gar nicht danach fühlt zu lächeln, signalisiert man dem Gehirn dadurch, dass etwas Gutes passiert. Der Atem ist der Anker. Mit ihm kann man immer arbeiten und sich selbst etwas beruhigen.

Weihnachten kann mitunter auch eine stressige Zeit sein . . .

Hadem-Kälber: ALI funktioniert auch an Weihnachten gut. An den Feiertagen sitzt man viel aufeinander. Um Stress abzubauen, kann man an die frische Luft zum Spazierengehen oder Sportmachen gehen. Dann sind auch immer Achtsamkeitsübungen sinnvoll, um in sich reinzuhören, was man gerade braucht.

Daniela Hadem-Kälber arbeitet als 
Stresspräventionstrainerin
Daniela Hadem-Kälber arbeitet als Stresspräventionstrainerin . © Achim Schmidt

Corona-Wirbel erzeugt Stress - Und der verwandelt Eindrücke in negative Emotionen

Wir stehen im neuen Jahr vor eine Omikron-Welle. Viele haben Angst davor. Woran können sich die Menschen festhalten?

Hadem-Kälber: Uns bewusst machen, was uns guttut, und uns auf diese Dinge zu konzentrieren, ist der beste Weg. Jeden Morgen kann man zum Beispiel aufschreiben, wofür man dankbar ist. Oder welche Ziele man hat. Es ist sinnvoll, eher das große Ganze im Blick zu haben und sich aufgrund von Stress nicht in der Opferrolle zu sehen.

Was passiert bei Stress im Gehirn?

Hadem-Kälber: Bei lang anhaltendem Stress wird im Gehirn vermehrt Cortisol ausgeschüttet. Cortisol aktiviert einen bestimmten Bereich, die sogenannte Amygdala. Dort werden Sinneseindrücke in Emotionen umgesetzt. Bei Stress sind die Emotionen in der Regel negativ, zum Beispiel Wut, Hilflosigkeit, Angst oder Trauer. Auf Dauer nehmen die Verbindungen innerhalb der Amygdala zu. Die Emotionen werden stärker, man wird dünnhäutiger. Es gibt auch Studien darüber, dass gerade in den Lockdown-Phasen Folgen von Stress wirklich sichtbar werden. Zum Beispiel kann der Blutdruck steigen oder bei Frauen das prämenstruelle Syndrom stärker werden.

Die Corona-Lockdowns 2020 und 2021 durch die Politik haben Spuren hinterlassen. Wie eine neue Studie zeigt, sind die Folgen für Kinder besonders erschreckend.

Interview: Alexandra Schöne

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