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Corona-Unterart „Delta Plus“: Großbritannien in Alarmbereitschaft - erste Fälle in Österreich

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Von: Anna Lehmer

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Sajid Javid, Gesundheitsminister von Großbritannien, und Dr. Jenny Harries, Leiterin der britischen Gesundheitsbehörde, stehen während einer Pressekonferenz über die Corona-Lage im Land in der Downing Street vor einer Grafik.
Das Coronavirus breitet sich in Großbritannien aus. Eine neue Mutation bereitet manchen Experten nun Sorgen. Auch in Österreich wurde Delta Plus bereits nachgewiesen. © dpa/Toby Melville

Die neue Mutation des Coronavirus Delta Plus breitet sich zunehmend aus. Großbritannien ist bereits in Alarmbereitschaft, nun wurden erste Fälle in Österreich bekannt.

London/Österreich - „Delta Plus“ ist eine neue Unterart des uns seit zwei Jahren begleitenden Coronavirus und gilt als Abkömmling der ohnehin schon sehr ansteckenden Delta-Mutation. Beobachtungen aus Großbritannien ergaben, dass Delta Plus, das auch als AY.4.2-Mutation bezeichnet wird, sich besonders rasch verbreitet. Nun wurden bei unseren österreichischen Nachbarn zwei Fälle gemeldet, wie oe24.de berichtet. Auch in Dänemark, Deutschland, Schweiz und Italien gibt es demnach bis zu 30 Fälle.

Delta Plus in Großbritannien: Behörden beobachten Mutation mit wachsamen Auge

Noch verzeichnet Delta die meisten Covid-19-Fälle im Vereinigten Königreich, doch wie die BBC berichtet, soll Delta Plus bereits sechs Prozent der Erkrankungen, die genetisch sequenziert wurden, ausmachen. Besonders besorgniserregend dürfte dabei die Eigenschaft dieses neuen Typus sein, denn AY.4.2 enthalte bestimmte Mutationen, die zum Überleben des Virus besonders vorteilhaft sein könnten. Gerade hat die Insel unter der Regierung von Boris Johnson den „Freedom Day“ ausgerufen und jegliche Beschränkungen aufgehoben. Ein Pressesprecher des britischen Prime-Ministers versichert deshalb der BBC: „Wir überwachen die Situation ganz genau und werden nicht zögern, etwas zu unternehmen, wenn es nötig wird“. Ärzte warnen dringend davor, weitere Schutzmaßnahmen zu verweigern.

AY.4.2 breitet sich aus: Weltweit nachgewiesene Fälle

Vor Landesgrenzen macht das Virus bekanntlich nicht Halt, sodass bereits in den USA, aber auch in Dänemark Fälle entdeckt worden sind. In Israel seien ebenfalls Patienten, die sich mit der Untervariante infiziert haben, in Behandlung. Das dortige Gesundheitsministerium schlug am Dienstag (19.10.2021) Alarm: „Die Variante AY.4.2, die in einer Reihe von Ländern in Europa entdeckt wurde, wurde in Israel identifiziert“.

Was ist AY.4.2?

Seit Ausbruch des Coronavirus vor zwei Jahren tauchten immer wieder Mutationen* auf, die die Menschen in Atem hielten. Angefangen bei der Alpha-Variante stand zuletzt Delta unter weltweiter Beobachtung und wurde zum meistverbreiteten Covid-Typ. Nach der Entdeckung folgte bereits einen Monat später im Juli 2021 die Ausbreitung von Delta Plus, diese konnte sich nur sehr langsam verbreiten. Durch ihre Mutation von Spike-Proteinen kann sie gut in die menschlichen Zellen eindringen, weshalb umfassende Untersuchungen zur Verbreitungsgeschwindigkeit gestartet wurden

Virusvariante Delta Plus: Experten über die ausgehende Gefahr

Nicht nur in Deutschland wird bereits die dritte Impfung für besonders gefährdete Menschen angeboten, um sie vor dem bevorstehenden Winter und der damit erhöhten Gefahr einer Infektion zu schützen. Auch das Vereinigte Königreich stellt zusätzlichen Covid-Impfstoff für die Auffrischung bereit. Dies ist jedoch eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn Experten sehen derzeit keinen Grund zur Beunruhigung. Sie erklären gegenüber der BBC, dass die Impfungen gegen die Mutationen schützen und ein aktualisierter Impfstoff nicht erforderlich wäre.

Mutation nicht mit früheren Varianten zu vergleichen: „Abwarten, nicht in Panik verfallen“

Es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass sich die Mutation Delta Plus im selben Umfang wie ihre Vorgängerin verbreitet und den Impfschutz durchbricht, berichtet die BBC. Dennoch sind die Behörden in Alarmbereitschaft und beobachten den weiteren Verlauf des Virus. Der Direktor des Genetik-Instituts des University College London, Prof. Francois Balloux gibt Grund zur Entwarnung: „Abwarten, nicht in Panik verfallen. Es könnte eine leichte, subtile Übertragung sein, aber es ist nichts absolut Katastrophales, wie wir es früher gesehen haben“. Der Grund dafür liege darin, dass Delta Plus nichts im Vergleich zu dem sei, „was wir bei Alpha und Delta gesehen haben, die etwa 50 bis 60 Prozent mehr übertragbar waren. Es handelt sich hier also um etwas sehr Subtiles, und das wird derzeit untersucht.“

Das Robert-Koch-Institut* hat die Variante AY.1 und AY.2 ebenfalls auf dem Schirm, erfasst sie jedoch noch nicht extra in der Liste der aktuell unter Beobachtung stehenden SARS-CoV-2-Varianten. Dennoch geht das RKI davon aus, dass sie ebenso gefährlich ist, wie die Variante, von der sie abgeleitet ist, bis das Gegenteil bewiesen ist. Österreich hat derzeit mit erhöhten Corona-Zahlen zu kämpfen. Am vergangenen Mittwoch (20.10.2021) wurden 3.727 Fälle verzeichnet, das sind so viele wie zuletzt im März. Aber auch in Deutschland beobachtet man steigende Infektionszahlen*. (ale)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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