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Corona-Zahlen ziehen drastisch an: Droht nun der neue Lockdown? Auch Merkel drängt auf Verschärfungen

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Von: Magdalena Fürthauer

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In Deutschland verschärft sich die Corona-Lage weiter, auch eine neue Virus-Variante bereitet Grund zur Sorge. Nun fordert Kanzlerin Merkel strengere Maßnahmen. Der News-Ticker.

Update vom 26. November, 6.50 Uhr: Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich immer weiter zu, seit Wochen meldet das Robert Koch-Institut Rekordwerte innerhalb der Pandemie. Und auch am Freitag, 26. November 2021, verzeichnete das RKI einen neuen Höchstwert bei den Neuinfektionen. Die verzeichneten Todeszahlen steigen ebenfalls drastisch an.

Corona-Lage in Deutschland: RKI meldet mehr als 75.000 Neuinfektionen - Todeszahlen ziehen drastisch an

Nach offiziellen Angaben des RKI wurden in den vergangenen 24 Stunden 76.414 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Vor genau einer Woche hatte der Wert noch bei 52.970 Neuinfektionen gelesen. Und auch die Sieben-Tage-Inzidenz klettert erneut auf einen neuen Höchstwert, am Freitag gab das RKI diesen mit 438,2 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 419,7 gelegen, vor einer Woche bei 340,7 (Vormonat: 113,0). Die Zahl der verzeichneten Todesfälle steigt im Vergleich zur Vorwoche drastisch an, deutschlandweit wurden den aktuellen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 357 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 201 Todesfälle.

Corona in Deutschland: Folgt nun doch ein neuer Winter-Lockdown?

Update vom 25. November, 21.35 Uhr: Droht Deutschland nun doch ein neuer Winter-Lockdown? Wie die Bild-Zeitung berichtet, soll der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) der neuen Ampel-Koalition mit einem solchen gedroht haben: „Entweder macht die Ampel ein Gesetz oder wir brauchen eine MPK (Ministerpräsidentenkonferenz; Anm. d. Red.), die eine klare Notbremse beschließt.“

Der zukünftige Regierungschef Olaf Scholz (SPD) soll sich allerdings gegen einen Lockdown ausgesprochen haben. Sein Koalitionspartner Christian Lindner (FDP) bestätigte gegenüber der Zeitung, dass „viele Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft“ seien. Dazu würden Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln und Einschränkung von Freizeitveranstaltungen zählen. „Dies sollte nun dringend erfolgen“, befindet Lindner.

Interne Gespräche: Staatskanzlei-Chefs halten „flächendeckenden Lockdown“ für kaum zu vermeiden

Update vom 25. November, 20.20 Uhr: Eigentlich sollten Lockdowns der Vergangenheit angehören, so zumindest hatte es die Bundesregierung versprochen. Laut Informationen der Bild wackelt dieses Versprechen nun. Aus internen Gesprächen zwischen Kanzleramtschef Helge Braun (49, CDU) und den Chefs der Staatskanzleien der Bundesländer will die Zeitung erfahren haben, dass mehrere Vertreter der Länder erklärten, man werde um einen „flächendeckenden Lockdown“ nicht herumkommen.

Der Grund ist überraschend: Es soll um die 2G-Regelung gehen. Die Impfstoffe seien nicht sicher genug, um 2G- oder 3G-Veranstaltungen ohne Maske, ohne Abstand, ohne Test und vor allem ohne Obergrenze zu bewältigen, argumentiert Virologe Alexander Kekulé von Uni Halle. Es gebe deshalb „eine massive Welle unter den Geimpften“. Das 2G-Modell sei für ihn „Teil des Problems“. Zu diesem Schluss soll nun auch die Politik gekommen sein: Es soll große Bedenken gegen 2G geben.

Robert Habeck: Impfpflicht definitiv eine Option

Update vom 25. November, 19.15 Uhr: Grünen Politiker Robert Habeck hat sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung für eine Impfpflicht ausgesprochen. Er akzeptiere die freie Entscheidung eines jeden, sich nicht impfen zu lassen, betonte der 52-Jährige. „Aber auf Dauer hält eine Gesellschaft nicht aus, dass wir wegen 25 Prozent der Bevölkerung immer wieder in einen Lockdown kommen. Da geht das Allgemeinwohl vor.“ Eine solche Regelung ließe sich allerdings schwer umsetzen, fügte Habeck hinzu, vorher müssten Rechtsfragen und die allgemeine Umsetzung aufmerksam geprüft werden.

Die vierte Welle ließe sich durch diese Diskussion nicht brechen, erklärte Habeck, stattdessen müsse der Fokus auf den bereits getroffenen Regelungen legen. „Wenn das nicht gelingt, wird man schleunigst verschärfen müssen. Dann reden wir nicht mehr über differenzierte Kontaktbeschränkungen, sondern über pauschale Maßnahmen,“ unterstrich der ehemalige Umweltminister von Schleswig-Holstein.

Politik: Erste Stimmen stellen 2G-Regel in Frage

Update vom 25. November, 17.45 Uhr: Wie die Bild-Zeitung berichtet, sollen erste Stimmen im Kanzleramt die Wirksamkeit der 2G-Regel in Frage stellen. In einem Geheim-Gespräch mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) wurde betont, dass die Regelung kein „Allheilmittel“ gegen die stark steigenden Infektionszahlen sei, da auch Geimpfte das Virus weitergeben könnten, zitiert die Zeitung. Auch viel verwendete Begriff einer „Pandemie der Ungeimpften“ entspreche nicht den Tatsachen.

Corona in Deutschland: Angela Merkel fordert zusätzliche Maßnahmen

Update vom 25. November, 16.50 Uhr: Aufgrund der besorgniserregend schnell ansteigenden Covid-Zahlen in Deutschland, drängt Noch-Kanzlerin Angela Merkel nun auf zusätzliche Maßnahmen. Dies habe sie auch schon mit ihrem mutmaßlichen Nachfolger Olaf Scholz besprochen, so die CDU-Politikerin auf der Pressekonferenz nach einem Treffen mit dem polnischen Ministerpräsidenten in Berlin. „Hier zählt jeder Tag“, so die Kanzlerin in Hinblick auf in anderen Ländern beschlossene Kontaktbeschränkungen.

Scholz hatte im Vorfeld bereits angekündigt, einen Bund-Länder-Krisenstab im Kanzleramt einrichten zu wollen. Merkel habe dies „sehr aufmerksam gehört“ und ihm signalisiert, dass bereits jetzt benötigte Maßnahmen gemeinsam auf den Weg gebracht werden könnten.

Auch der bayrische Regierungschef Markus Söder drängt auf eine vorgezogenen Ministerpräsidentenkonferenz. „Jede Möglichkeit, die derzeitige Krisenlage zu verbessern, muss genutzt werden“, so der 54-Jährige gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Details dürften also in den nächsten Tagen bekannt werden.

Corona: Neue Virus-Variante in Südafrika

Update vom 25. November, 16.25 Uhr: Angesichts der massiv steigenden Corona-Zahlen bereiten im Moment Forschungsergebnisse aus Südafrika Grund zur Sorge. Wie die AFP berichtet, hätten Wissenschaftler eine neue Variante des Coronavirus entdeckt. Demnach weise sie eine „sehr hohe Anzahl von Mutationen“ auf.

Für den Virologen Tulio de Oliveira sei dies besonders bedenklich, da die Wirksamkeit der Vakzine gegen diese Variante noch unklar sei. Auch der südafrikanische Gesundheitsminister scheint alarmiert und bezeichnet die Entwicklung als „ernsthaft besorgniserregend.“ Näheres zur Variante und zu ihren Verbreitungsmöglichkeiten müssten die Forschenden jedoch erst noch herausfinden.

Corona in Deutschland: Luftwaffe bereitet Transporte vor - Rufe nach Impfpflicht werden lauter

Erstmeldung vom 25. November: München - Die deutschlandweite Corona-Lage scheint sich weiter nicht zu entspannen. Im Gegenteil, am heutigen Donnerstag wurde der traurige Wert von 100.000 Corona-Toten seit Beginn der Pandemie aufgestellt. Erste Spitäler müssen daher ihre Infizierten in andere Bundesländer verlegen. Nicht nur deswegen wird der Ruf zur allgemeinen Impfpflicht lauter.

Die Besatzung eines niederländischen Krankenwagens bringt einen Covid-19-Patienten von Rotterdam ins St Elisabeth Hospital in Herten.
Ein Patient wird von den Niederlanden nach Deutschland verlegt. Nun müssen bereits innerhalb Deutschlands Corona-Patienten transportiert werden. © Fabian Strauch/dpa

Corona in Deutschland: Luftwaffe bereitet Verlegung von Intensiv-Patienten vor

Laut der Nachrichtenagentur dpa hält mittlerweile die Luftwaffe in Köln zwei Flugzeuge für einen Hilfseinsatz zur Verlegung von Intensivpatienten bereit. Nur so könne man einer regionalen Auslastung entgegenwirken, so ein Sprecher am Donnerstag. Keine reine Vorsichtsmaßnahme, wie es scheint: Sachsen habe bereits 16 Patienten für die Verlegung angemeldet, die ersten sollen bereits am Donnerstag transportiert werden, so die AFP. Auch Thüringen plane demnach die Verlegung von rund ein Dutzend Patienten nach Norddeutschland.

Hintergrund ist dabei das sogenannte Kleeblatt-Konzept. Aktiviert haben es bis dato die fünf Bundesländer Sachsen, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Bayern, in denen die Pandemie besonders schwer wütet.

Ein Patient wird auf der Covid-19-Intensivstation von Fachkräften medizinisch betreut.
Unter anderem in Bayern stoßen die Intensivstationen an ihre Belastungsgrenze. Das Kleeblatt-Konzept soll nun helfen. © Peter Kneffel/dpa

In dem Konzept sollen die unterschiedlichen Regionen abgebildet werden, die sich in den „Kleeblättern“ Nord, Ost, Süd, Südwest und West widerspiegeln würden, so die Nachrichtenagentur. Das „Bundes-Kleeblatt“ entscheide, welche Kliniken für eine zusätzliche Patientenaufnahme geeignet seien. Dies soll helfen, die einzelnen Häuser in der Pandemie-Bekämpfung zu unterstützen.

Corona: Deutsche Wirtschaft fordert allgemeine Impfpflicht

Währenddessen wird der Ruf zur allgemeinen Impfpflicht immer lauter, vor allem aus der Wirtschaft. Erst am Donnerstag hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA den Biontech/Pfizer-Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren freigegeben. Ein wohl wichtiger Schritt in Richtung höhere Durchimpfungsrate, doch laut dem Chef des Biontech-Unternehmens Qiagen brauche es eine obligatorische Impfung. „Alle Daten zeigen, dass die Impfung die Sterblichkeitsrate und die Krankenhauseinweisungsrate erheblich senken wird“, meint er gegenüber dem Handelsblatt.

Auch für Eon-Chef Leonhard Birnbaum sei eine Impfpflicht „als Ultima Ratio [...] ein Preis, den wir zahlen werden müssen.“ Der Chef des Bekleidungsunternehmens Kik, Patrick Zahn, stimmt ihm dabei zu. „Die Politik hat da viel zu lange zugeschaut, wir müssen jetzt handeln – auch aus wirtschaftlichen Gründen“, zitiert ihn die Zeitung. Strengere Regeln wie 2G im Handel seien jedoch kontraproduktiv, da dies zu einem Rückgang der Nachfrage führe. (dpa/afp/mef)

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