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Schlimmes Winter-Szenario erwartet: 30 Millionen Infektionen? Experte nennt eine Altersgruppe „Zeitbombe“

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Von: Michelle Brey

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Eine Mitarbeiterin der Pflege behandelt einen Patienten auf der Corona-Intensivstation.
Eine Mitarbeiterin der Pflege behandelt einen Patienten auf der Corona-Intensivstation. © Fabian Strauch/dpa

Die vierte Corona-Welle bereitet in Deutschland große Sorgen. Während vereinzelte Regelverschärfungen gelten, lässt die Prognose eines Experten aufhorchen.

München - Die Coronavirus-Fallzahlen schnellen in die Höhe, die Pandemie-Lage in Deutschland ist brisant. Auch am Dienstag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) erschreckende Werte. Der Blick vieler geht nun in Richtung Winter und Weihnachten. Zuletzt gab SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach eine düstere Dezember-Prognose ab. Die Vorhersagen eines weiteren Experten sind nicht minder besorgniserregend.

„Dynamik von den Ungeimpften getrieben“: Experte erklärt Infektionsrisiko für Nicht-Geimpfte

Die Krankenhäuser in Deutschland sind voll mit Corona-Patienten. Der Großteil der Menschen auf den Intensivstationen ist ungeimpft. „Die derzeitige Dynamik wird maßgeblich von den Ungeimpften getrieben“, sagte der Immunologe Peter Kern gegenüber ntv.de. Denn sie hätten „eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit“, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Er erklärte gegenüber dem Nachrichtensender: „80 Prozent Infektionsschutz durch Impfung bedeutet, als Geimpfter habe ich nur noch 20 Prozent des Infektionsrisikos, das ein Ungeschützter hat. Der steckt sich also mit einer fünffachen Wahrscheinlichkeit an.“ Zwar kommt es auch immer wieder zu sogenannten „Impfdurchbrüchen“. Doch diese stellen einen geringeren Anteil an der Gesamtzahl der Infektionen dar und führen häufig zu einem leichteren Krankheitsverlauf.

Winter-Prognose lässt aufhorchen: Ungeimpfte sind „Futter für das Virus“

Als „Futter für das Virus“ bezeichnete Kern die Nicht-Geimpften in Deutschland. Sie würden sich „in diesem Winter“ anstecken. Diese Prognose formulierte kürzlich auch Kassenärzte-Chef Andreas Gassen. Immun gegen das Virus soll den beiden Experten zufolge also jeder werden - ob nun durch eine Corona-Impfung oder durch eine Infektion. Wie gefährlich eine Infektion allerdings sei, „sollte nach 100.000 Todesfällen jeder verstanden haben“, mahnte Kern gegenüber ntv.de. Die Impfkampagne in Deutschland tritt allerdings seit Wochen auf der Stelle.

Impfquote in Deutschland (Stand: 16. November)

Laut RKI-Impfdashboard sind in Deutschland mindestens 56,2 Millionen Menschen vollständig geimpft. Das entspricht 67,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mindestens 58,3 Millionen Menschen (70,1 Prozent) haben demzufolge eine oder mehrere Impfdosen erhalten.

Coronavirus in Deutschland: Experte zeichnet düsteres Winter-Szenario

Doch was bedeutet das für die Corona-Lage in Deutschland? Kern erwartet extreme Infektionszahlen für den Winter, von denen zu rund einem Drittel Geimpfte und zu rund zwei Drittel Nicht-Geimpfte betroffen sein sollen. So würden sich alle Nicht-Geimpften (also rund 20 Millionen Menschen) im Winter infizieren.

Und 13 Prozent der über 60-Jährigen sind noch nicht geimpft. Die sind die Zeitbombe in diesem Geschehen.

Immunologe Peter Kern gegenüber ntv.de

Nach Einschätzung des Experten würden sich im selben Zeitraum „etwa 20 Prozent“ der Menschen, die eine Schutzimpfung erhalten haben, anstecken. Das entspreche dann rund elf Millionen Menschen. Hochgerechnet erwartet Deutschland somit „etwa 30 Millionen Infektionen“ im Winter.

Zusätzlich prognostizierte Kern folgende Zahlen:

Zum Vergleich: Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie haben sich in Deutschland laut RKI rund fünf Millionen Menschen infiziert. Laut DIVI-Intensivregister liegen aktuell 3.184 Covid-Patienten auf den Intensivstationen (Stand: 16. November).

Corona: 2G vollkommen wirkungslos? - „Käme ein bundesweiter Lockdown...“

Brisant in Bezug auf die Winter-Prognose des Immunologen: Diese fällte er in Anbetracht der aktuellen Corona-Maßnahmen in Deutschland, wie etwa den gängigen Hygienemaßnahmen und 2G, wie es beispielsweise in Bayern gilt. „Käme ein bundesweiter Lockdown, dann würden diese Werte natürlich geringer ausfallen“, erklärte Kern.

Eine solche Maßnahme wurde von einigen Politikern indes vor dem Corona-Gipfel am Donnerstag bereits ausgeschlossen. So sagte beispielsweise NRW-Ministerpräsident und der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) Hendrik Wüst, dass er „ganz sicher nicht“ zu einem Lockdown oder Schulschließungen zurückkehren wolle. Die Corona-Pläne der Ampel lassen jedenfalls in Anbetracht der Corona-Prognosen mit Spannung auf den Gipfel blicken. In München sorgte vorab ein Plan für mächtig Wirbel. (mbr)

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