Nachricht sorgt für geteiltes Echo

Große deutsche Mode-Kette meldet Insolvenz an - Kunden geschockt: „Schlimm“, „Nachricht macht mich sehr betroffen“

Kundin in einem Modegeschäft
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Eine Kundin in einem Modegeschäft (Symbolfoto).

Die Corona-Krise hat das nächste Unternehmen in große Schieflage gebracht: Eine bekannte deutsche Modekette mit 171 Filialen meldet Insolvenz an.

  • Die Adler Modemärkte AG hat einen Insolvenzantrag gestellt.
  • Als Grund wird der Corona-Lockdown genannt.
  • Der Geschäftsbetrieb soll weitergeführt werden - das Unternehmen hat 171 Filialen, davon 142 in Deutschland.

Update vom 12. Januar 2020: Die Modekette Adler mit 171 Filialen (davon 142 in Deutschland) hat Insolvenz angemeldet. Und die Kunden reagieren betroffen. Das zeigt sich unter einem Facebook-Eintrag vom 10. Januar. Eigentlich sollte dort für eine Mode-Kollektion geworben wären. Doch die Kommentarspalte drunter wird auch von Kunden genutzt, die ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringen.

„Es tut mir echt wahnsinnig leid. Schlimm“, schreibt eine Kundin. „Sehr schade um Adler“ eine weitere. Eine andere fühlt vor allem mit den Mitarbeitern. Und eine weitere Kundin schreibt: „Die Nachricht macht mich sehr betroffen. Wäre sehr schade wenn es die Adler Modemärkte nicht mehr geben würde. Ihr seid in Greifswald das einzige Geschäft, wo man noch für jeden Geldbeutel Textilien findet.“

Wie es mit Adler weitergeht, werden die nächsten Wochen zeigen - zunächst soll wohl der Geschäftsbetrieb weitergeführt werden (siehe Erstmeldung unten).

Corona-Schock: Deutsche Mode-Kette mit 171 Filialen meldet Insolvenz an - „Sehr schade, habe da sehr viel gekauft“

Unser Artikel vom 11. Januar 2020: Aschaffenburg - Die Adler Modemärkte AG hat wegen Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Ziel sei es, das Unternehmen über einen Insolvenzplan in Eigenverwaltung zu sanieren, schrieb das Unternehmen am Abend in einer Pflichtmitteilung an die Kapitalmärkte. Dabei solle der Geschäftsbetrieb der Adler Modemärkte AG "unter Aufsicht eines Sachwalters in vollem Umfang fortgeführt werden".

Corona-Insolvenz bei Adler: Filial-Schließungen seien schuld

Auslöser für den Insolvenzantrag sind den Angaben zufolge "erhebliche Umsatzeinbußen" durch die seit Mitte Dezember andauernden Schließungen fast aller Verkaufsfilialen als Folge des neuerlichen Corona-Lockdowns. Es sei nicht möglich gewesen, die entstandene Liquiditätslücke über eine Kapitalzufuhr durch staatliche Unterstützungsfonds oder durch Investoren zu schließen.

Sämtliche ausländische Tochtergesellschaften der Adler Modemärkte AG seien nicht betroffen und führten ihre Geschäfte "im normalen Geschäftsgang unverändert fort", hieß es weiter.

Eine geschlossene Adler-Filiale am 11.1. in Leverkusen.

Der Vorstand bleibe weiterhin verwaltungs- und verfügungsbefugt. Zur Unterstützung habe dieser Rechtsanwalt Christian Gerloff zum Generalbevollmächtigten bestellt. Auch die Adler Mode GmbH, die Adler Orange GmbH & Co. KG und die Adler Orange Verwaltung GmbH - jeweils 100-prozentige Tochtergesellschaften - hätten beschlossen, beim Amtsgericht Aschaffenburg einen Antrag auf Eröffnung von Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu stellen.

Corona-Insolvenz bei Adler: Geschäftsbetrieb soll aufrecht erhalten werden

Ob die rund 3350 Mitarbeiter um ihre Jobs bangen müssen, ist zunächst offen. Der Geschäftsbetrieb und die Kunden sollten von der Insolvenz vorerst nichts merken. Und die Läden offenbar wieder geöffnet werden, wenn die Corona-Bestimmungen das ermöglichen. So lassen sich zumindest die Äußerungen von Vorstandschef Thomas Freude deuten: „Wir werden alles dafür tun, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und Adler schnellstmöglich zu sanieren und wieder in eine positive Zukunft zu führen.“

Die Adler Modemärkte AG mit Sitz in Haibach bei Aschaffenburg gehört nach eigenen Angaben zu den größten und bedeutendsten Textileinzelhändlern in Deutschland. Die Gruppe setzte im Jahr 2019 demnach 495,4 Millionen Euro um. Der Fokus liegt auf der Altersgruppe ab 55 Jahren.

TV-Moderatorin Birgit Schrowange ist bereits seit 2009 Werbe-Gesicht bei Adler - 2019 wurde die Verlängerung der Zusammenarbeit für zwei Jahre bekannt gegeben. Auch Vanessa Blumhagen, Promi-Expertin beim Sat.1-Frühstücksfernsehen, kooperierte mit Adler.

Der Erklärung zufolge beschäftigte Adler zum 30. September 2020 rund 3350 Mitarbeiter und betreibt 171 Modemärkte, davon 142 in Deutschland, 24 in Österreich, drei in Luxemburg, zwei in der Schweiz sowie einen Online-Shop.

Corona-Insolvenz bei Adler sorgt für Diskussionen: Ist die Mode auch Älteren zu altbacken?

Bei den Adler-Stammkundinnen und -Stammkunden sorgt die Insolvenz-Nachricht für ein geteiltes Echo, wie sich etwa unter den Facebook-Kommentaren bei BR24 zeigt. Dort wird - natürlich - über die Corona-Maßnahmen der Politik diskutiert, deren Folge die Adler-Schieflage nun ist. Aber mancher sieht auch eine eigene Schuld bei der Kette. „Mich würde interessieren ob irgendjemand, der hier kommentiert hat, schon mal bei Adler eingekauft hat. Ich nicht. Ich fand den Laden irgendwie nie zeitgemäß. ‚Alte-Leute-Laden‘“, heißt es dort.

Die Nutzerin erntet Zustimmung und Widerspruch. „Ich bin 60 und muss recht geben. Altbacken aufgezogen“ und „Früher ging ich ganz gern rein. Waren im letzten Jahr mal dort und ich erschrak wirklich. Nichts mehr Gescheites und die Ware wirkte nur noch billig“, schreiben kritische Kundinnen. „Selbst uns alten Leuten ist der zu altbacken“ und „Da finde ich mit 71 Jahren nicht mal ein chices Teil“, heißt es ebenso.

Es gibt noch mehr kritische Kommentare: „Adler hat extrem mit der Mode nachgelassen, kaum Kunden drinne, schlecht und überteuerte Ware, Service sehr schlecht. Habe schon Jahre eine Kundenkarte und bin vielleicht zweimal im Jahr drinne. Durchgegangen, keine fünf Minuten und raus.“

Corona-Insolvenz bei Mode-Kette: Adler hat weiterhin viele Fans

Doch Adler hat weiterhin viele Fans, wie sich ebenfalls zeigt. „Sehr schade, habe da sehr viel gekauft“ oder „Oh je schade, hab gerne bei Adler eingekauft. Es gab auch eine große Auswahl für große Größen und zu einem vernünftigen Preis“, schreiben User, die auf Adler schwören.

Vielen Unternehmen aus der Modebranche ging es schon vor der Corona-Krise nicht gut. Dem Siegeszug des Onlinehandels und dem Erfolg von Fast-Fashion-Anbietern wie Primark oder Zara hatten sie nur wenig entgegenzusetzen. Das Coronavirus traf, als es bereits im Frühjahr 2020 für flächendeckende Ladenschließungen in Deutschland sorgte, bei Herstellern und Händlern sozusagen vorgeschädigte Opfer. Ein ganz anders gelagertes Geschäft in München muss schließen. (dpa/AFP/lin)

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