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Coronavirus-Ansteckungsgefahr: Hier lauert das größte Risiko

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Von: Klaus Rimpel

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Coronavirus und die Ansteckungsgefahr: Hier lauert das größte Risiko
Coronavirus und die Ansteckungsgefahr: Hier lauert das größte Risiko © dpa / Sven Hoppe

Coronavirus: Eine neue Studie zeigt, wo das Risiko einer Ansteckung besonders groß ist. Dabei wird deutlich: Bayern geht in einer Sache den richtigen Weg.

München - Der Jogger, der einen Spaziergänger überholt, der Biergartenbesuch: Bei derartigen Aktivitäten im Freien ist die Covid-19-Ansteckungsgefahr extrem gering. Die Virologin Dr. Muge Cevic von der britischen Universität St. Andrews hat weltweite Studien zum neuartigen Coronavirus ausgewertet und die gefährlichsten Ansteckungsherde herausgearbeitet.

Demnach lauert immer dann die größte Ansteckungsgefahr, wenn Menschen längere Zeit gemeinsam in einem geschlossenen, schlecht gelüfteten Raum mit einem Infizierten verbringen. Bei der Auswertung von 2147 engen Kontakten von 157 Covid-19-Patienten ergab sich laut einer chinesischen Studie, dass die generelle Ansteckungsrate bei sechs Prozent lag. 22 Prozent derer, die sich ansteckten, waren enge Freunde, 18 Prozent steckten sich im gemeinsamen Haushalt an.

Coronavirus und die Ansteckungsgefahr: Hier lauert das größte Risiko

Die Orte, die das größte Ansteckungsrisiko bargen, waren dabei der eigene Haushalt (13 Prozent), öffentliche Transportmittel (11 Prozent) und das gemeinsame Essen, etwa in Restaurants (7 Prozent).

Besonders gefährlich sind demnach – wie auch die hohen Ansteckungsraten bei Schlachthof-Mitarbeitern zeigen – Gemeinschaftsunterkünfte, aber auch Großraumbüros. Deshalb empfiehlt die Virologin Cevik: „Wir müssen unsere Lebens- und Arbeitsräume neu gestalten – und wir müssen bessere, gut belüftete Unterkünfte für beengt lebende, sozial benachteiligte Menschen schaffen.“

Coronavirus und die Ansteckungsgefahr: Hier lauert das größte Risiko
Virologin Dr. Muge Cevic klärt über das Ansteckungsrisiko des Coronavirus auf. © fkn

So infizierten sich in einer Obdachlosen-Unterkunft in Boston binnen zwei Tagen 36 Prozent der dort untergebrachten 408 Personen.

Coronavirus und die Ansteckungsgefahr: 60 Prozent beim Tanztraining - keiner beim Yoga!

Auch das Fitness-Center ist demzufolge ein Ansteckungsherd – was die Zurückhaltung der bayerischen Staatsregierung, die die Studios anders als etwa in NRW noch nicht öffnen will, rechtfertigt. Bei einem Ausbruch in Fitness-Studios in Südkorea steckten sich 26 Prozent der rund 200 Besucher an. Interessant dabei der Vergleich von zwei infizierten Fitness-Trainern, die im gleichen Raum über die gleiche Dauer unterrichteten: Beim schweißtreibenden Tanztraining steckten sich 60 Prozent der Teilnehmer an, beim entspannten Yoga und Pilates kein einziger!

Die Zahlen bestätigen auch die Erkenntnisse, dass sich das Coronavirus nicht nur über (größere) Tröpfchen, wie sie beim Niesen oder Husten ausgestoßen werden, verbreitet, sondern über Aerosole. Das sind Tröpfchen, die extrem klein sind und über Minuten in der Luft schweben können.

Coronavirus und die Ansteckungsgefahr: Aerosole verbreiten das Virus

Wer also längere Zeit in einem geschlossenen Raum mit einem Infizierten verbringt, kann sich allein durch das Einatmen der virusbelasteten Luft anstecken – sogar noch Minuten, nachdem der Infizierte im Raum war.

Deshalb bergen auch Familienfeiern ein großes Ansteckungsrisiko: Bei einer Beerdigung in Chicago steckten sich 15 Anwesende an. Drei Tage nach der Beerdigung besuchte einer der Gäste eine Geburtstagsparty mit neun Familienmitgliedern – sieben der Gäste steckten sich an, zwei mussten im Laufe der Erkrankung sogar künstlich beatmet werden.

Spannende Erkenntnisse bringen die Studien auch zum Zeitpunkt des höchsten Ansteckungsrisikos: An dem Tag, an dem die ersten Covid-19-Symptome auftreten, ist das Ansteckungsrisiko am höchsten. Das Infektionsrisiko bleibt fünf Tage lang hoch, danach infizierten die Corona-Überträger niemanden mehr.

Gibraltar schützt seine bekanntesten Einwohner unterdessen mit einer besonderen Maßnahme vor Corona.

Coronavirus und die Ansteckungsgefahr - Studie belegt: Weniger Risiko bei Kindern

Bei der Ansteckung im eigenen Haushalt gibt es große Unterschiede, die vor allem für die Frage der Kita- und Schulöffnungen entscheidend sein dürften: Während sich 28 Prozent der Ehepartner infizierten und 17 Prozent der erwachsenen Haushaltsmitglieder (also z. B. über 18-jährige Kinder), waren es bei den unter 18-jährigen Haushaltsmitgliedern nur vier Prozent, die sich infizierten.

Coronavirus und die Ansteckungsgefahr: Hier lauert das größte Risiko
Coronavirus: Eine neue Studie zeigt, wo das Risiko einer Ansteckung besonders groß ist. Dabei wird deutlich: Bayern geht den richtigen Weg. © dpa / Karl-Josef Hildenbrand

Laut Cevik unterstreichen die bisherigen Forschungsergebnisse, dass Covid-19 zwar bei Kindern durchaus zu Krankheitssymptomen führen kann, sie aber weniger ansteckend sind als Erwachsene.

Generell rät Dr. Cevik „engen, anhaltenden Kontakt in Innenräumen und im öffentlichen Verkehr zu vermeiden und besonders dort die Hygiene-Regeln zu beachten“ – sprich: Nach der S-Bahn-Fahrt oder dem Meeting im Büro die Hände waschen oder desinfizieren, stets möglichst großen Abstand halten. 

Übrigens: Welche Masken-Modelle uns im Alltag am besten vor einer Coronavirus-Infektion schützen, erklärt ein Experte im Gespräch mit tz.de*.

Wie man trotz Coronavirus wieder seine Oma umarmen kann, darüber hat sich ein Brite Gedanken gemacht - und eine geniale Erfindung gemacht.

Klaus Rimpel

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