Teile von Sydney zurück im Lockdown

Gefährliche Delta-Variante: Reichen schon wenige Sekunden für Corona-Infektion?

Autos stehen für Corona-Tests im Stadtteil Bondi in Sydney an.
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Autos stehen für Corona-Tests im Stadtteil Bondi in Sydney an.

Die Delta-Variante des Coronavirus sorgt für Wirbel. In Sydney wurde ein erneuter Lockdown beschlossen, um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen.

Syndey / München - Die Delta-Variante bereitet weltweit Sorge. Steigende Infektionszahlen in Israel, mahnende Einschätzungen von Experten: Die Virus-Mutation ist auf dem Vormarsch - auch in Deutschland. Hierzulande lag der Delta-Anteil in der zweiten Juni- Woche nach jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts bei 15 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass er heute schon höher sein wird“, sagte Wieler am Freitag auf der Pressekonferenz mit Jens Spahn zu aktuellen Corona-Lage. Es sei nur „eine Frage der Zeit, wann diese Variante die Hoheit übernimmt“. Auch vor Australien macht die Mutation keinen Halt.

Coronavirus: Delta-Variante breitet sich aus - auch Australien ergreift neue Maßnahmen

Das Land hat die Corona-Pandemie weitgehend eingedämmt - insbesondere mit Grenzschließungen und strengen Quarantäne-Regegelungen. Am Freitag (25. Juni) verhängten die australischen Behörden jedoch für mehrere zentrale Stadtteile Sydneys einen einwöchigen Lockdown. Die Beschränkungen sollen für sieben Tage gelten. Während dieser Zeit dürfen die Menschen ihre Häuser nur noch verlassen, „wenn es absolut notwendig ist“. Das sagte die Regierungschefin des Bundesstaates New South Wales, Gladys Berejiklian. Weiter hieß es: „Das soll sicherstellen, dass wir keine Übertragungsketten übersehen haben.“ Sorge bereitet den Behörden besonders ein Corona-Cluster in östlichen Vororten, wo die Zahl der neuen Fälle auf 65 anstieg.

„Weil es sich um die hochansteckende Delta-Variante handelt, werden sich wahrscheinlich alle Menschen in einem Haushalt infizieren, wenn eine Person ein positives Testergebnis bekommt“, so Berejiklian. Daher werde befürchtet, dass die Zahl der neuen Corona-Infektionen erheblich steigen könnte.

Delta-Variante in Sydney: Reichen schon wenige Sekunden für Infektion aus?

Als erster Infizierter des neuen Corona-Herdes gilt ein Fahrer von internationalen Flugzeugbesatzungen. Dieser infizierte sich mit der Delta-Variante. Das Virus sei dann - offenbar ganz ohne direkte körperliche Kontakte - in einem Café nahe des weltberühmten Bondi Beach und einem Einkaufszentrum „weitergesprungen“, sagte die Regierungschefin.

Wie unter anderem Sydney News berichtet, hätten „nur wenige Sekunden“ ausgereicht, um sich mit der Mutation zu infizieren. Dies würden Bilder von Überwachungskameras zeigen. Dem Bericht zufolge hätten sich zwei Menschen in einem Einkaufsviertel angesteckt, als sie an einem infizierten Mann vorbeigelaufen seien. Dabei handele es sich um das Westfield-Bondi-Junction-Einkaufscenter.

Gladys Berejiklian sagte laut 10 News First Sydney: „Das Einkaufscenter hat eine Reihe von Fällen generiert und wir möchten sicherstellen, dass wir alle erfasst haben.“ Den Berichten zufolge werden Menschen, die sich vom 12. bis 18. Juni in der Gegend von Bondi Junction Westfield aufgehalten haben, dazu aufgefordert sich testen zu lassen.

Delta-Variante: Wie ansteckend ist die Corona-Mutante?

Vorläufigen Erkenntnissen der englischen Gesundheitsbehörde zufolge könnte die Delta-Variante nicht nur ansteckender sein, sondern auch häufiger zu schwereren Covid-19-Erkrankungen führen als die Alpha-Variante. Daten aus England und Schottland legten ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinlieferungen nahe. Das ließ Public Health England Anfang des Monats wissen.

Auch in Deutschland scheint die Mutation nach ersten Erkenntnissen des RKI zu einer höheren Rate von Krankenhausbehandlungen zu führen. „Wir haben noch nicht genügend Daten, um wirklich klar zu sagen, wie gefährlich oder ungefährlich [...] sie ist“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag. Die noch jungen Zahlen aus dem deutschen Meldewesen deuteten allerdings auf eine rund doppelt so hohe Rate von Krankenhauseinweisungen hin verglichen mit der bislang dominierenden Alpha-Variante. Wieler sagte, es würden demnach elf Prozent der Delta-Infizierten in Kliniken behandelt, verglichen mit fünf Prozent bei Alpha. Bei Menschen zwischen 15 und 34 Jahren sei dies besonders ausgeprägt. Fallzahlen nannte Wieler nicht.

Vollständig geimpfte Menschen sind nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch auch bei Delta gut gegen einen schweren Covid-19-Verlauf geschützt. Das sagten auch Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler. Sie rieten Erst-Geimpften unbedingt den Termin zur zweiten Corona-Impfung wahrzunehmen. (mbr/dpa/afp)

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