Arzt warnt vor verfrühter Euphorie

Zahlen belegen: Coronavirus trifft auch Jüngere - „Es ist weiterhin alternativlos, dass ...“

Coronavirus: Zahlen aus Italien belegen, dass Covid-19 auch jüngere Infizierte trifft. Das könnte zu weiteren Problemen führen.

München - Alarmierende Meldungen aus Italien: Mindestens 1800 Personen zwischen 30 und 40 Jahren leiden allein in der Provinz Bergamo an schweren Symptomen, so der Verband der italienischen Hausärzte in der von der Corona-Epidemie besonders hart getroffenen Lombardei. Das heißt, dass mehr als ein Viertel der 6728 schwer Erkrankten in der Provinz jünger als 40 sind – deutlich mehr, als bislang angenommen!

„Die vom Coronavirus ausgelöste Lungenentzündung trifft nicht nur Personen höheren Alters“, so Verbands-Chefin Paola Pedrini zur FAZ. „Wir sind rund 600 Hausärzte in Bergamo, und jeder berichtet von mindestens drei Patienten zwischen 30 und 40, die an der Covid-19-Pneumonie erkrankt sind.“ Die meisten dieser jüngeren Covid-19-Patienten schweben zwar nicht in Lebensgefahr, leiden aber unter erheblichen Symptomen und benötigen zusätzliche Sauerstoffzufuhr. Bei den Todesfällen sind die Jüngeren aber auch in Bergamo die große Ausnahme: Nur ein Toter ist unter 39, nur 4,4 Prozent der Corona-Toten sind unter 59.

Coronavirus: Zahlen belegen - Covid-19 kann auch Jüngere treffen

Auf der Suche nach Strategien, wie Deutschland in der Corona-Krise wieder das Wirtschaftsleben hochfahren kann, ist immer öfter davon die Rede, die Älteren zu isolieren – was angesichts der Bedrohung auch für junge Corona-Patienten eine besonders bei Medizinern höchst umstrittene Strategie ist.

Dr. Gerian Grönefeld, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt in der Asklepios-Klinik in Hamburg-Barmbek, erklärte gegenüber der tz: „Das Durchschnittsalter der Infizierten liegt bei 47 Jahren. Fakt ist: Dieses Virus kann auch jüngere Menschen massiv gefährden. Nehmen Sie nur den früheren Bayern-Torwart Pepe Reina, der an Covid-19 erkrankt ist. Das ist ein Mann wie ein Baum, und er berichtet, er fühle sich, als hätte ihn ein Zug überfahren.“

Das Virus mache zwar nur einem vergleichsweise geringen Anteil der Infizierten schwer zu schaffen, so Grönfeld. „Aber je mehr Infizierte wir haben, desto größer wird auch die Zahl jener Menschen, die auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen. Dieses Virus kann in manchen Fällen eine extreme Aggressivität entwickeln. Auch jüngere Menschen können an Covid-19 sterben.“

Coronavirus: Arzt warnt vor verfrühter Rückkehr zur Normalität - „Höchst sträflich“

Zu der Forderung von CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann, nach Ostern die Wirtschaft wieder hochzufahren, meinte Grönefeld: „Das wäre höchst sträflich! Es ist noch viel zu früh, über solche Exitstrategien nachzudenken. Schließlich befinden wir uns immer noch in der Phase, in der die Fallzahlen steil ansteigen.“ Der Gipfel der Durchseuchung sei noch längst nicht erreicht.

„Wir Mediziner fühlen uns, als stünden wir am Vesuv und warten auf den Vulkanausbruch. Wir wissen nicht, wann genau er kommen wird. Aber eins ist klar: Er wird kommen – vielleicht schon in den nächsten Tagen, vielleicht auch erst in einigen Wochen. Deshalb ist es weiterhin alternativlos, soziale Kontakte auf ein Minimum herunterzufahren.“

Andreas Beez/Klaus Rimpel

Rubriklistenbild: © dpa / Domenico Stinellis

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