Doch schärfere Regeln bei Reisen?

„Absolut verantwortungslos“: Seehofer kritisiert volle EM-Stadien scharf - Spahn stimmt zu

Die Delta-Variante breitet sich in Deutschland aus und könnte bald dominieren. Horst Seehofer und Jens Spahn informierten über die aktuelle Corona-Lage.

  • Die Coronavirus-Lage in Deutschland scheint sich weiterhin zu entspannen (siehe Erstmeldung).
  • Auf der Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Spahn und Innenminister Horst Seehofer gab es heftige Kritik für die UEFA (siehe Update vom 1. Juli, 10.40 Uhr).
  • Die Delta-Variante könnte die dominierende Mutante werden (siehe Update vom 1. Juli, 11.10 Uhr).

Update vom 1. Juli, 11.10 Uhr: Die Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn und Innenminister Horst Seehofer ist beendet. Bei der PK ging es unter anderem um Reiserückkehrer. Spahn wies darauf hin, dass jeder, der sich in ein Flugzeug nach Deutschland setze, ein negatives Testergebnis oder einen gültigen Impf- oder Genesenennachweis vorlegen muss - und zwar vor Betreten des Fliegers. Auch die Einhaltung der Quarantänebestimmungen seien von Bedeutung.

„Delta wird auch bald in Deutschland die dominierende Variante sein“, sagte Spahn. Er gehe davon aus, dass „wir noch im Juli sehen werden, dass Delta auch bei uns über 70, 80 Prozent der Infektionen ausmacht“. Spahn appellierte, sich impfen zu lassen und die Möglichkeiten für Corona-Tests wahrzunehmen.

Coronavirus: Portugal und Großbritannien womöglich bald keine Virusvariantengebiete mehr

Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus werden Portugal und das Vereinigte Königreich womöglich bald nicht mehr als Virusvariantengebiete eingestuft - mit Auswirkungen für Heimkehrer. Wenn die Delta-Variante in Deutschland vorherrschend werde und mit dem Wissen, dass die zweifache Impfung auch bei dieser Virusvariante schütze, „werden wir uns in den nächsten Tagen die Situation anschauen“, sagte Spahn. „Wenn sich das beides so bestätigt, wird man Portugal und das Vereinigte Königreich dann auch wie Hochinzidenzgebiete behandeln können.“

Portugal war ebenso wie Russland und zuvor Großbritannien wegen der Ausbreitung der Delta-Variante als Virusvariantengebiet eingestuft worden. Damit gelten für Heimkehrer strenge Beschränkungen. Die Rückkehrer müssen auf jeden Fall für 14 Tage in Quarantäne, auch wenn sie geimpft oder genesen sind. Sie können sich auch nicht freitesten.

„Absolut verantwortungslos“: Seehofer kritisiert volle EM-Stadien scharf - Spahn stimmt zu

Update vom 1. Juli, 10.40 Uhr: Hält Herr Seehofer die Entscheidungen der UEFA hinsichtlich voller Stadien für vertretbar, fragt ein Journalist. „Ich halte diese Position der UEFA als absolut verantwortungslos, weil wir in der Zeit einer Pandemie leben.“ In Großbritannien sei das Geschehen sehr stark. Hygieneregeln seien „unabdingbar“. Es sei „vorgezeichnet“, dass die EM-Spiele - insbesondere volle Stadien - das Corona-Geschehen begünstigen. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum die UEFA nicht eine Linie der Vernunft verfolgt“, so Seehofer. Jens Spahn stimmt dem Bundesinnenminister zu. „Ich habe da ein bisschen den Verdacht, dass es da um Kommerz geht“, so Seehofer hinsichtlich der UEFA weiter. Kommerz dürfe nicht die Gesundheit der Menschen überstrahlen.

Update vom 1. Juli, 10.30 Uhr: „Es zwingt zu sehr differenzierten Lösungen“, sagt Horst Seehofer über die aktuelle Corona-Lage. Die neue Einreiseverordnung nennt Seehofer „auf den ersten Blick kompliziert, aber sehr stimmig“. Entscheidend sei es, dass diese auch durchgesetzt werden, „vor allem auch die Quarantänepflichten“, betont er. Hierbei helfe unter anderem das digitale Einreiseformular.

„Wir haben es selbst in der Hand“: Jens Spahn eindringlichem Appell an Bevölkerung

Update vom 1. Juli, 10.20 Uhr: Für jeden Flug nach Deutschland, sei ein Impf- oder Genesenennachweis oder ein negatives Testergebnis vorzuweisen - noch vor Antreten des Fluges, betont Jens Spahn. Bei der Einreise aus Hochinzindenz- oder Virusvariantengebieten sei ein Impf- oder Genesenennachweis oder ein negatives Testergebnis vorzuweisen - unabhängig von der Einreiseart. Eine Quarantäneverkürzung sei bei Risikogebieten durch einen negativen Test möglich, bei Hochrisikogebieten nach fünf Tagen. Bei Virusvariantengebieten sei es nicht möglich.

Eine Quarantäneverkürzung sei bei Risikogebieten durch negative Testung möglich, bei Hochrisikogebieten nach fünf Tagen, bei Virusvariantegebieten nicht.

„Lassen Sie sich bitte impfen, oder lassen Sie sich bitte testen“, appelliert Spahn an die Bürgerinnen und Bürger. Ein wichtiger Unterschied zu letztem Jahr sei, dass man eine Großzahl an Tests zur Verfügung habe. „Wir haben ein breites Testangebot“, so Spahn. „Wir haben es selbst in der Hand. Es liegt am Ende an uns, ob Delta eine Chance hat und ein Risiko für uns wird“, macht Spahn es deutlich.

Update vom 1. Juli, 10.06 Uhr: „Delta ist ansteckender als die bisher bekannten Varianten“, so beginnt Jens Spahn die Pressekonferenz. „Delta wird auch bald in Deutschland die dominierende Variante sein“, sagt er. Entscheidend sei jedoch, unter welchen Bedingungen dies geschehe. Man wolle die Zahl der Neuinfektionen gering, und das Impftempo hochhalten. Über 55 Prozent der Gesamtbevölkerung habe eine Erstimpfung erhalten, informiert Spahn. 37,3 Prozent haben den vollen Impfschutz. 7 Prozent der zwölf bis 18-Jährigen haben eine Impfung erhalten. „Doppelt geimpft, schützt gegen Delta“, betonte Spahn.

Update vom 1. Juli, 10.01 Uhr: Die Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesinnenminister Horst Seehofer beginnt. Anders als zunächst angekündigt, nimmt RKI-Chef Wieler nicht teil.

Erstmeldung vom 1. Juli: Anteil der Delta-Variante steigt enorm - RKI-PK mit Jens Spahn und Horst Seehofer live

Berlin / München - Der positive Corona-Trend in Deutschland setzt sich weiterhin fort. Auch am Donnerstag gab das Robert-Koch-Institut (RKI) eine leicht sinkende Sieben-Tage-Inzidenz an. Demnach liegt der Wert bei 5,1. Zum Vergleich: Am Vortag lag der Wert bei 5,2; in der Vorwoche bei 6,6.

Um 10 Uhr werden RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland informieren. Ein Thema wird dabei auch die Einreiseverordnung spielen. Hierzu wird Bundesinnenminister Horst Seehofer Stellung nehmen.

Aktuelle Corona-Lage in Deutschland: Spahn und Seehofer geben Pressekonferenz

Mit Blick auf die sich ausbreitende Delta-Variante und den Reiserückkehrern sind viele Experten und Politiker besorgt. Am Montag hatten sich Bund und Länder nicht auf schärfere Regeln bei der Einreise oder Rückkehr nach Deutschland einigen können, obwohl mehrere Ministerpräsidenten dies gefordert hatten. Dennoch machten einige Ländervertreter weiter Druck. So zeigte sich Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) angesichts der gefürchteten Delta-Variante offen für eine weitergehende Testpflicht.

Coronavirus: Delta-Variante verbreitet sich in Deutschland rasend schnell

Auch in Deutschland nimmt der Anteil der Corona-Mutation rasend schnell zu. Wie das RKI am Mittwochabend (30. Juni) mitteilte, verdoppelte sich der Anteil der Ansteckungen mit der Delta-Variante in der dritten Juni-Woche erneut. Die Experten gehen davon aus, dass Delta spätestens in dieser Woche zum dominierenden Virusstamm in Deutschland wird.

Bereits in der Kalenderwoche 24, also bis zum 20. Juni, erhöhte sich der Anteil der Delta-Ansteckungen dem RKI zufolge auf 37 Prozent. „Die aktuell vorliegenden Daten zeigen, dass damit zu rechnen ist, dass die Variante B.1.617.2 (Delta) sich gegenüber den anderen Varianten (...) durchsetzen wird“ und ab Kalenderwoche 26 „mindestens die Hälfte aller Neuinfektionen ausmacht“, fügten die Experten hinzu. In Ländern wie Großbritannien, Russland und Portugal war nach großflächiger Ausbreitung der Delta-Variante auch die Gesamtinzidenz wieder gestiegen. Auch der Blick auf die vielen Zuschauer bei dem EM 2021 besorgte. Das RKI gab einen bedrückenden Ausblick. (mbr/dpa)

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