Risiken bei der Anwendung

Auch gegen Corona: Umstrittenes Trump-Medikament in Deutschland verschrieben - Präsident bewarb es als Wundermittel

US-Präsident Donald Trump mit Maske gegen das Coronavirus
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US-Präsident Donald Trump wird nicht müde medizinische Tipps zu verbreiten: Die fanden anscheinend auch in Deutschland Anklang.

Nebenwirkungen und eine nicht-bewiesene Wirksamkeit hielten deutsche Ärzte wohl nicht davon ab, auf Donald Trump zu hören und Hydroxychloroquin zu verschreiben.

  • US-Präsident Donald Trump* verteilt auch zum Coronavirus* gerne medizinische Ratschläge
  • Im Frühjahr 2020 beteuerte er die Wirksamkeit des Malariamittels Hydroxychloroquin.
  • Laut einer neuen Datenerhebung der AOK verschrieben wohl auch in Deutschland zahlreiche Ärzte das umstrittene Medikament

Berlin/Hamburg - Nur zu gerne zeigen wir mit dem Finger über den Teich. US-Präsident* Trump ist mit seinem Hang zu polemischen Aussagen und medienwirksamen Skandalen ein beliebtes Thema, auch in Deutschland. Gerade was das Coronavirus* betrifft, wirft Donald Trump schon lange mit halb-recherchierten Ideen um sich. Begleitet von circa 32 Tweets am Tag (NYT) lobt er meist sich selbst oder schießt gegen die Demokraten. Zu Pandemie-Zeiten wird aber auch mal der ein oder andere fadenscheinige Medizin-Tipp aus der Tasche geholt. So riet der US-Präsident schon zum Trinken von Desinfektionsmitteln, Lichttherapie und eben dem Malaria-Medikament Hydroxychloroquin.

„Nicht als wirksam erwiesen“ - Trumps Medikamenten Tipp gegen das Coronavirus

Im Frühjahr prahlte Donald Trump bei einem Treffen im Weißen Haus noch stolz: “Ich nehme es, Hydroxychloroquin. Jetzt gerade, genau. Ich habe vor ein paar Wochen damit angefangen. Weil ich denke, dass es gut ist, Ich habe eine Menge Geschichten darüber gehört.“ Wie der Brasilianische Präsident Bolsonaro auch, bewarb Trump das Medikament während seines Wahlkampfs als Wundermittel. Schon im Juli 2020 entschärfte die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel, die Food and Drug Administration (FDA) Trumps Euphorie gegenüber dem Malaria-Medikament und entzog dem Mittel die Notfall-Zulassung: „Hydroxychloroquin und Chloroquin haben sich nicht als wirksam erwiesen, um Covid-19 zu behandeln oder vorzubeugen."

Hydroxychloroquin: Trump-Medikament auch in Deutschland gegen das Coronavirus verschrieben

Doch auch in Deutschland hielten sich offenbar einige Ärzte an den Tipp des US-Präsidenten. Eine erste Hochrechnung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, ergab auf Anfrage des Spiegels, einen eindeutigen Anstieg an Hydroxychloroquin-Verschreibungen im Frühjahr 2020. Während im Februar noch rund 704.000 Tagesdosen des Malaria-Medikaments verschrieben wurden, waren es im März schon fast 1,06 Millionen: Fast 10.000 Patienten mehr als im Vorjahr.

Ein Gesundheitsrisiko vor dem auch die FDA warnt. Das Malaria-Medikament birgt in vielen Fällen nämlich starke Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, sogar die Sterberate bei behandelten Coronavirus-Patienten sei höher. Auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnte dementsprechend im Juli vor einer Verschreibung. Das Medikament ist ein Nachfolger des verwandten Malaria-Mittels Chloroquin. Bayer hatte eigentlich die Produktion 2019 eingestellt, fuhr aber den Vertrieb aufgrund der ansteigenden Nachfrage wieder hoch.

Gesundheitliche Risiken und keine Wirksamkeit: WHO stoppt Studie zu Malaria Medikament

Im Gegenzug fehlte das Medikament bei Patienten, die es tatsächlich brauchten. Rheumatologen beklagten im März die schwere Lieferbarkeit zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Lupus. In einem Brief sprachen sich im Mai mehr als 100 internationale Wissenschaftler gegen eine Beobachtungsstudie zu Malaria-Mitteln und dem Coronavirus aus. Im Juli stellte schließlich auch die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Studien zu Hydroxychloroquin ein.

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