„Das werden wir uns nicht bieten lassen!“

Im Kreis mit der höchsten Inzidenz des Landes: 100 Narren feiern Faschings-Umzug mitten in Deutschland

Die Polizei stoppte am Sonntag einen illegalen Karnevals-Umzug in Thüringen. (Symbolbild)Beamte der Polizei in Thüringen bei einem Einsatz. (Symbolbild)
+
Die Polizei stoppte am Sonntag einen illegalen Karnevals-Umzug in Thüringen. (Symbolbild)

Die Polizei stoppte am Montag fast 100 Narren bei einem Lichtmess-Umzug. Der Kreis Schmalkalden-Meiningen weist bundesweit die höchste Corona-Inzidenz auf.

  • Trotz Covid-19: Am Sonntag versammelten sich Anwohner in einem Ort in Thüringen zum Faschings-Umzug.
  • Die illegale Karnevals-Aktion in Jüchsen musste von Polizei aufgelöst werden.
  • Einige Anwohner kritisierten das späte Eingreifen der Beamten.

Jüchsen - Fast ein Jahr ist es her, dass sich das Coronavirus auch in Deutschland weitläufig ausbreitete. Als damaliger Corona-Hotspot werden unter anderem auch Karnevals-Umzüge und Faschingstreiben vermutet. Umso absurder scheint jetzt der Vorfall in Jüchsen, Thüringen.

Das 1.500-Seelen-Dorf liegt im Kreis Schmalkalden-Meiningen, der mit 471 Neuinfektionen binnen sieben Tagen die höchste Corona-Inzidenz in ganz Deutschland aufweist. Schon im Vorfeld hatte der Vorstand des Jüchsener Karneval Vereins (JKC) wegen der hohen Covid-19-Zahlen alle geplanten Veranstaltungen offiziell abgesagt. In einer Videobotschaft erklärte er: „Die Situation macht es unmöglich zu feiern. Die Corona-Pandemie hat uns fest im Griff. Wir werden deshalb stiller feiern und alles für ein schnelles Ende der Situation tun.“

Teletubbies ohne Masken: Polizei stoppt illegalen Faschings-Umzug - zu spät?

Leider sahen das einige Jecken anders. Fast 100 Narren versammelten sich am Sonntag hier in voller Kostümierung und zogen durch Jüchsen - als bunte Teletubbies, als Soldat verkleidet auf einem Pferd, mit Bier-Hut oder einfach in Alltagskleidung. Auch dekorierte Autos schlossen sich dem illegalen Umzug an. Nicht alle Teilnehmer:innen trugen dabei einen Mund-Nasen-Schutz.

Wie der MDR berichtet, war das Polizei-Aufgebot groß. Auch sei die Polizei schon Stunden vor dem Umzug Vorort gewesen. Personen, die das Geschehen verfolgten, kritisierten allerdings das späte Eingreifen. Erst zum Ende seien die Beamten gegen den kleinen Rest vorgegangen, der dann noch übrig war, bestätigte der MDR zwei Zeugenaussagen.

Ortsteilbürgermeisterin Beate Heßler bezeichnet den Einsatz der Polizei dagegen als unverhältnismäßig. Hätten die Beamten die Teilnehmer gewähren lassen, wäre die Sache nach drei Minuten vorbei gewesen. Die Sache werde aufgebauscht, so Heßler gegenüber dem MDR. Die Polizei verteidigte ihr Einschreiten. Gegen 14.45 Uhr hätte sie ein Anwohner alarmiert. Vorort hätten die Beamten angesichts der Zahl der Teilnehmer Verstärkung gerufen. Erst als diese eintraf, sei die Polizei eingeschritten.

Kritik an illegalem Karnevals-Umzug: „ Da fehlt es offenbar komplett an Realitätssinn“

Die parteilose Landrätin von Schmalkalden-Meiningen, Peggy Greiser kritisierte den Vorfall als verantwortungslos und betonte in einer Pressemitteilung das Ausmaß der aktuellen Corona-Situation Vorort:

„Das werden wir uns nicht bieten lassen. In den Krankenhäusern kämpfen Ärzte und Pfleger um unzählige Menschenleben, daheim bangen viele um ihre wirtschaftliche Existenz und hier wird munter Karneval gefeiert. Da fehlt es offenbar komplett an Realitätssinn und Rücksichtnahme.“

Peggy Greiser, Landrätin Schmalkalden-Meiningen

Greiser warnte vor potenziellen Nacheiferern. Wie das Landratsamt laut dpa mitteilte, wurden drei Strafanzeigen wegen Beleidigung und Widerstand gegen Polizeibeamte erstattet. Greiser kündigte an, die Identitäten der Beteiligten sollten festgestellt und die Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung geahndet werden.

Auch interessant

Kommentare