„Dafür haben wir keine Zeit“

Attest für die Corona-Impfung? Spahn-Plan ist heftiger Kritik ausgesetzt - „Unzumutbare Weise“

Jens Spahn im Bundestag.
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Ein Verordnungsentwurf von Jens Spahn hinsichtlich des Corona-Impfstoffs stößt auf Kritik.

Der Wirbel um den Corona-Impfstoff ist groß. Ein Plan des Bundesgesundheitsministerium hinsichtlich Attesten für die Impfung stößt auf Gegenwehr.

  • In Großbritannien werden seit 8. Dezember Menschen mit dem Biontech-Impfstoff* geimpft.
  • In Deutschland wartet man noch auf die Zulassung eines Impfstoffs.
  • Auf den Entwurf für eine Coronavirus* Impfverordnung reagierte der Deutsche Hausärzteverband prompt.

München - Weltweit hofft man auf den Start von Massenimpfungen. Während in Großbritannien seit Dienstag (8. Dezember) gegen das Coronavirus geimpft wird, bereitet sich Deutschland vor. Noch fehlen zugelassene Impfstoffe. Ein Impfstoff-Plan für Deutschland ist jedoch bereits durchgesickert. Demzufolge steht die Reihenfolge der Personengruppe, die zuerst geimpft werden soll, offenbar fest. Hinsichtlich dessen sorgt ein Plan des Bundesgesundheitsministerium für großen Wirbel.

Corona in Deutschland: Attest für die Impfung? - Plan des Gesundheitsministeriums sorgt für Wirbel

Ein „Licht am Ende des Tunnels“ seien nahende Impfungen, sagte Kanzlerin Angela Merkel*. RKI-Präsident Lothar Wieler bezeichnete den Corona*-Impfstoff als „entscheidenden Game-Changer“. Indes ist klar, dass die Menschen in sogenannten Impfzentren* gegen das Virus geimpft werden sollen. Einen Vorrang sollen unter anderem Personengruppen mit einem besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe haben. Doch wer entscheidet beispielsweise, ob ein Mensch mit Vorerkrankungen einen Anspruch auf den Impfstoff hat?

Wie einem Bericht der Ärzte Zeitung zu entnehmen ist, sollen Hausärzte eine damit zusammenhängende Aufgabe übernehmen. Sie sollen Patienten mit Vorerkrankungen dies per Attest bestätigen, sodass die Patienten ihren Anspruch auf eine Impfung nachweisen können. Das Attest soll außerdem einen Code zur Terminvergabe enthalten können. Weitere Details sind hierzu noch nicht bekannt.

Der Ärzte Zeitung liegt ein Entwurf für eine Coronavirus* Impfverordnung (CoronaImpfV) des Bundesgesundheitsministerium um Jens Spahn vor, aus dem der Plan hervorgeht. Schon am 15. Dezember könnte die Rechtsverordnung in Kraft treten, wie es weiter heißt. Der Entwurf, stößt jedoch auf große Gegenwehr.

Attest für die Corona-Impfung? - Es hagelt Kritik vom Deutsches Hausärzteverband

Es könne nicht sein, „dass die Politik sich erst davor drückt, klare Priorisierungsentscheidungen zu treffen, und nun offenbar plant, diese Aufgabe quasi durch die Hintertür bei den Hausärztinnen und Hausärzten abzuladen!“ So lauten die Worte des Bundesvorsitzenden des Deutsches Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, in einem Pressestatement vom 7. Dezember.

„Es belastet nicht nur das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis auf unzumutbare Weise, wenn der einzelne Hausarzt darüber entscheiden soll, ob sein Patient zu einer impfberechtigten Gruppe gehört oder nicht“, kritisierte Weigeldt. Viele Arztpraxen seien schon „jenseits der Belastbarkeitsgrenze“. „Es übersteigt ihre Kapazitäten, wenn nun millionenfach Einzelgespräche und Untersuchungen für Atteste zur Impfberechtigung durchgeführt werden sollen.“

Seit Wochen appelliere man an die Politik, um ein bundeseinheitliches Einladungsverfahren für die Impfungen zu etablieren. Als analoges Beispiel nannte Weigeldt die Einladungen zum Mammographie-Screening.

Dass dieser Appell bislang ungehört geblieben ist, ist ein Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen im ambulanten Gesundheitssektor, die seit Beginn der Pandemie den Löwenanteil schultern bei der Versorgung von Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes

Corona-Impfung in Deutschland: Arzt wird deutlich - „Dafür haben wir keine Zeit“

Auch Allgemeinmediziner Dr. Thomas Aßmann steht dem Plan kritisch gegenüber, wie er gegenüber Bild.de sagte. „Ich weiß nicht, ob wir das gewährleisten können. Dafür haben wir keine Zeit.“ Für eine Durchschnittpraxis mit 1000 Patienten würde das einen zusätzlichen Aufwand von rund 160 Stunden machen, rechnete er vor. „[...] Macht mehr als 20 Arbeitstage - in denen die Kollegen nicht für andere Kranke sorgen könnten.“ *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks (mbr)

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