„Delta-Variante ist ein Gamechanger“

Beunruhigende Entwicklung in Israel: Besonders Kinder und sogar Geimpfte stecken sich mit Delta-Variante an

Ein Mann erhält im Rahmen einer landesweiten Impfkampagne eine Dosis des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer in einem Impfzentrum.
+
Die Delta-Variante breitet sich in Israel aus. Häufig sind Geimpfte betroffen.

Impfweltmeister Israel kämpft mit der Delta-Variante. Besonders Kinder und Geimpfte befinden sich unter den neuen Corona-Fällen. Schutzmaßnahmen werden erneut eingeführt.

Tel Aviv/München - In Israel schien die Coronavirus-Krise fast beendet: Schritt für Schritt kehrte das Land zurück zur Normalität, am 15. Juni fiel sogar die Maskenpflicht in Innenräumen weg. Nun der Rückschlag: Die Delta-Variante des Coronavirus führt dazu, dass Schutzmaßnahmen erneut ergriffen werden müssen.

Am Montag verzeichnete Israel erstmals seit April wieder mehr als 100 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Über die Woche hinweg setzte sich der Anstieg der Infektionen fort. Am Donnerstag meldete das Land 227 neue Coronavirus-Fälle. Die meisten davon stehen offiziellen Angaben zufolge in Verbindung mit der Delta-Variante.

Coronavirus in Israel: Verschärfung der Schutzmaßnahmen - Maskenpflicht erneut eingeführt

Als Reaktion auf die steigenden Fallzahlen hat Israel die Maskenpflicht in den öffentlichen Innenräumen wieder eingeführt. Menschen mit Behinderung, Sporttreibende und Kinder unter sieben Jahren sind von der Regelung ausgenommen. Das Gesundheitsministerium empfiehlt das Tragen einer Maske nun außerdem bei großen Menschenansammlungen im Freien wie der Pride-Parade am Freitag in Tel Aviv.

Schon am Mittwoch (23. Juni) hatte Regierungschef Naftali Bennett gewarnt, dass eine Rückkehr zur Maskenpflicht nötig werden könne. Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante kündigte Israel außerdem an, die Öffnung des Landes für Touristen weiter zu verschieben. „Unser Ziel ist es jetzt in erster Linie, die Israelis vor der Delta-Variante zu schützen, die auf der ganzen Welt wütet“, sagte Bennett. Am Dienstag (22. Juni) wies er die Wiedereinrichtung des sogenannten Corona-Kabinetts an.

Des Weiteren sollen Geimpfte oder Genesene künftig in Quarantäne geschickt werden, falls sie Kontakt mit einer Person hatten, die sich mit einer „gefährlichen Variante“ des Coronavirus infiziert hat. Die Regierung entschied zudem, die Testkapazitäten für Reisende am Flughafen auszubauen.

„Delta-Variante ist ein Gamechanger“: Geimpfte und Kinder häufig betroffen

Mit Blick auf die Entwicklungen in Israel ist vor allem besorgniserregend, dass sich unter den Neuinfizierten viele jüngere Menschen und geimpfte Personen befinden. Wie focus.de in Bezug auf das Gesundheitsministerium berichtet, seien an rund 30 Schulen im Zentrum des Landes lokale Corona-Ausbrüche gemeldet worden. Mehr als 6000 Schüler und 100 Lehrer seien zur Isolation aufgefordert worden.

Übereinstimmenden Medienberichte zufolge, sagte Gabi Barbash, ehemaliger Direktor im israelischen Gesundheitsministerium: „Die Delta-Variante ist ein Gamechanger. Sie betrifft ungeimpfte Kinder und sogar geimpfte Erwachsene.“ Aufgrund der Infektionslage empfiehlt das Gesundheitsministerium nun auch verstärkt die Impfung von 12- bis 15-Jährigen. Dies galt zunächst nur für Risikopatienten und bei Auslandsreisen.

Mehr als 5,5 Millionen der neun Millionen Landesbewohner haben bereits eine erste Corona-Impfung erhalten, rund 5,2 Millionen Menschen auch die zweite Dosis. Dies ist auf die Ende Dezember gestartete großangelegte Impfkampagne zurückzuführen, die durch ein Abkommen über einen Datenaustausch mit den Impfstoffherstellern Biontech/Pfizer ermöglicht wurde.

Coronavirus: Wie gefährlich ist die Delta-Variante?

Neben Israel hat sich die Delta-Variante auch stark in Großbritannien ausgebreitet. Dort ist die Mutation für mehr als 95 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. Vorläufigen Erkenntnissen der englischen Gesundheitsbehörde zufolge könnte Delta nicht nur ansteckender sein, sondern auch häufiger zu schwereren Covid-19-Erkrankungen führen als die davor dominierende Alpha-Variante.

Daten aus England und Schottland legten ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinlieferungen nahe. Das ließ Public Health England Anfang des Monats Juni wissen. Vollständig geimpfte Menschen sind nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch auch bei Delta gut gegen einen schweren Covid-19-Verlauf geschützt. Auch, wenn sich in Israel also vermehrt Geimpfte mit Delta anstecken, sollten nach diesen Erkenntnissen für sie die Risiken überschaubar sein.

Auch bei der Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler und Gesundheitsminister Jens Spahn war die Delta-Variante das bestimmende Thema. (mbr)

Auch interessant

Kommentare