Experten warnen vor Qualitätsunterschieden

Coronavirus: Welche Masken uns im Alltag am besten schützen

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Es gibt viele verschiedene Arten von Schutzmasken - und nicht alle schützen gleich gut vor einer Coronavirus-Infektion. (Symbolbild)

Die Coronavirus-Gefahr ist noch nicht gebannt. Masken tragen und Abstand halten gehört deshalb mittlerweile zum Alltag. Doch nicht alle Masken schützen gleich gut. Im Gespräch mit der tz erklärt ein Experte, welche Modelle im Alltag effektiv sind.

  • Wegen der Coronavirus-Ausbreitung sind Schutzmasken in Deutschland seit Ende April im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel Pflicht.
  • Es gibt viele verschiedene Maskenmodelle, zwischen denen man wählen kann. Doch nicht alle schützen gleich gut.
  • Welche Masken im Alltag sinnvoll sind, und wo jeweils die Vor- und Nachteile einzelner Modelle liegen, erklärt ein Experte im Gespräch mit unserer Zeitung. 
  • Mehr zum Thema Corona und viele weitere spannende Geschichten gibt es in unserer App

München - Im Kampf gegen Corona gelten Schutzmasken – neben Hygiene- und Abstandsregeln – als schärfste Waffen. Sie können dabei helfen, die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus einzudämmen, sagen Experten unisono. Doch bei den einzelnen Maskenmodellen gibt es gewaltige Unterschiede. Und: Selbst der beste Mund- und Nasenschutz bringt relativ wenig, wenn er falsch getragen wird. Darauf hat jetzt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hingewiesen. 

Coronavirus: Chirurgische Masken sind auch im Alltag am effektivsten

Das bundesweite Experten-Netzwerk hat eine Fülle von wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien ausgewertet. Die wichtigste Erkenntnis für Otto-Normalverbraucher:Medizinische (chirurgische) Masken sind im Alltag mit Abstand am effektivsten. Sie filtern über 96 Prozent aller Viren aus kleinen Tröpfchenwirbeln in der Luft, die in der Fachsprache Aerosole genannt werden. Dagegen komme das Tragen sogenannter Community-Masken einem Lotteriespiel gleich, sagte DGP-Experte Professor Dr. Dennis Nowak in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie sind natürlich besser als nichts. Aber wie viel sie wirklich bringen, ist schwer zu sagen.“

Wissenschaftliche Auswertungen belegen, dass die Filterleistung selbst gemachter Masken je nach Material sehr stark schwankt. „Sie lag zwischen drei und 99 Prozent“, erklärt Professor Nowak. „Sich mit einem grob gestrickten Schal in die U-Bahn zu setzen, ist beispielsweise ein absolutes No-Go!“

Der Hintergrund: Bei den Maskenmaterialien gibt es gravierende Qualitätsunterschiede, etwa bei Baumwollstoffen. Deren Schutzfunktion variiert je nach Fadendichte. Das große Problem: Laien können die Stoffqualität kaum beurteilen. „Es wäre empfehlenswert, wenn zumindest die Hersteller größerer Maskenmengen ihre Produkte auf Partikel- und Luftwiderstand prüfen müssen“, fordert die DGP daher. Die klare Empfehlung der Experten: „Für den Alltag eignet sich eine chirurgische Maske deshalb sehr gut, weil sie zum einen effektiv wirkt und zum anderen aber das Atmen nicht zu sehr erschwert“, rät auch Professor Nowak.

Auch interessant: Die aktuellen Corona-News aus München lesen Sie in unserem News-Ticker bei tz.de*.

Coronavirus: FFP2-Masken sind äußerst wirksam - haben aber auch Nachteile

Als noch wirksamere Alternative gibt es sogenannte FFP2-Schutzmasken. Sie bieten eine Filterleistung von nahezu 100 Prozent und bewahren auch den Träger davor, Coronaviren einzuatmen. „Bei chirurgischen Masken ist dieser Eigenschutz zwar wahrscheinlich auch gegeben, aber noch nicht wissenschaftlich erwiesen“, erläutert Professor Nowak. FFP2-Masken haben allerdings auch zwei Nachteile: Sie sind wesentlich teurer, und das Atmen damit fällt schwerer. Und weiter: „Wenn jemand eine FFP2- Maske aufsetzt, dann aber bitte in jedem Fall ohne Ausatemventil, denn dieses Ausatemventil verhindert ja den Fremdschutz, die Aerosole fliegen sonst beim Atmen, Husten oder Niesen durch dieses Ventil dem Gegenüber ins Gesicht, als hätte man gar keine Maske auf.“

Eine medizinische Maske holt man sich am besten in der Apotheke. „Dort ist gewährleistet, dass die Qualität auch wirklich einwandfrei ist. Wenn man die Masken im Internet bestellt, weiß man oft nicht genau, unter welchen Qualitätskriterien sie hergestellt worden sind“, sagt Professor Nowak. Der Experte empfiehlt, die Masken etwa einen halben Tag lang zu verwenden. „Als Faustregel für Büromenschengilt: zwei Stück pro Arbeitstag.“ Wichtig sei, dass die Masken korrekt getragen werden. Zwei häufige Fehler: „Es ist fatal, die Maske abzunehmen, wenn man seinem Gegenüber etwas erklären will. Und es macht auch keinen Sinn, dass man sie unterhalb der Nase trägt“, warnt Nowak. Zahlen der DGP belegen: Selbst wenn eine chirurgische Maske nur eine relativ geringfügige Leckage (Lücke) zu Mund und Nase aufweist, kann ihre Filterleistung auf 64 Prozent absinken.

Coronavirus: Masken sind vor allem in geschlossenen Räumen essentiell - den die Viren kleben an Aerosolen

Deshalb sei beim Tragen der Masken Disziplin entscheidend– vor allem in geschlossenen Räumen. Die gute Nachricht: Zwar sollte man auch im Freien in bestimmten Situationen eine Maske vorm Gesicht haben – etwa in größeren Menschenansammlungen. Aber die Ansteckungsgefahr unter freiem Himmel ist wesentlich geringer. So kristallisierte sich bei einer aktuellen Studie aus China, die bereits in Auszügen veröffentlicht worden ist, heraus, dass nur zwei von 1245 nachverfolgten Corona-Infektionen unter Freiluftbedingungen geschahen. „Auch deshalb gilt: Geschlossene Räume sooft wie möglich lüften“, betont Professor Nowak.

Der Hintergrund: „Die Coronaviren kleben an den Aerosolen. Kleinste Tröpfchen mit einer Größe von weniger als einem Mikrometer können stundenlang in der Luft schweben. Sie verflüchtigen sich allerdings, wenn die Luft gut zirkuliert.“ Ob drinnen oder draußen – es gilt: Abstand halten ist Pflicht! Denn eine Maske kann zwar die Tröpfchenwolke eindämmen, aber nicht vollständig zurückhalten. Beim Husten entfernen sich die Aerosole laut Studien beispielsweise um bis zu 68 Zentimeter vom Körper, eine Maske halbiert diese Entfernung. Besonders tückisch ist Niesen: Dabei können die Viren bis zu acht Meter weit geschleudert werden. Aber auch beim heftigen „Hatschi“ gilt: Eine gute Maske kann das Virus ausbremsen.

Eine weitere wichtige Schutzmaßnahme neben Masken tragen und Abstand halten ist häufiges und richtiges Händewaschen und Desinfizieren. Darauf verwies unter anderem das Robert-Koch-Institut mehrmals, zum Beispiel am Welthändehygienetag über seinen Twitter-Kanal. 

Übrigens: In welchen Situationen die größte Ansteckungsgefahr besteht, lesen Sie ebenfalls bei tz.de*. Besonders hoch ist das Infektionsrisiko unter anderem bei Großveranstaltungen. Sie sind in Deutschland deshalb bis 31. August verboten. Welche Veranstaltungen in München deshalb abgesagt werden mussten, lesen Sie ebenfalls bei tz.de*.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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