Pandemie in Deutschland

Corona-PK: Spahn und RKI-Chef warnen vor Lockerungs-Schnellschuss - und erklären, worauf es jetzt ankommt

Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler haben am Freitag bei einer PK über die aktuelle Corona-Lage informiert. Die Gefahr durch das Virus sei noch nicht gebannt.

Update vom 21. Mai, 11.45 Uhr: Trotz sinkender Werte sind die Corona-Fallzahlen in Deutschland nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts insgesamt weiterhin zu hoch. „Die Gefahr ist noch nicht gebannt“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler am Freitag bei der Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt, weil wir auf einmal zu viel wollen“, fuhr er fort.

Ähnlich warnende Worte kamen von Gesundheitsminister Jens Spahn: „Vergessen wir nicht - wir befinden uns immer noch mitten in der Pandemie.“ Auch weiterhin sei es von Bedeutung, neben dem Impfen auch auf Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht, den Mindestabstand oder auch Tests zu setzen. Lockerungen sollte Schrittweise erfolgen.

Gesundheitsminister Jens Spahn, RKI-Chef Lothar Wieler und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Wieler äußerten sich am Freitag zur aktuellen Corona-Lage.

Corona-PK: „Pandemie ist wie ein prall gefüllter Luftballon“

„Diese Pandemie ist wie ein prall gefüllter Luftballon, den wir gemeinsam unter der Wasseroberfläche halten
müssen“, sagte Wieler. Mittlerweile habe dieser Ballon nicht mehr ganz so viel Luft. „Aber wenn wir ihn jetzt loslassen, springt er immer noch unkontrolliert über die Wasseroberfläche“, fand er eine Metapher.

Die bisherigen Erfolge bei der Eindämmung seien jedoch nicht zu übersehen. Die Inzidenzen in allen Bundesländern und Altersgruppen gingen zurück. Es würden weniger Ausbrüche in Schulen und Kitas gemeldet, auch gebe es einen Rückgang der Patientenzahlen in Kliniken.

Die Impfkampagne schreite indes voran. Spahn bat jedoch um Verständnis und Geduld mit Praxisteams. Hausärzte hatten kürzlich beklagt, dass Patienten teilweise aggressiv nach Impfterminen verlangten. „Wenn Sie unbedingt sauer sein wollen,
seien Sie sauer auf mich“, sagte Spahn. Die Praxen gäben ihr Bestes, um schnellstmögliche Termine zu vereinbaren.

Urlaub 2021: Spahn rät zu Reisen in Orte mit niedrigen Corona-Infektionszahlen

Update vom 21. Mai, 11.14 Uhr: Bei der Urlaubsplanung sollte man im Sommer Regionen mit niedrigen Infektionen in Betracht ziehen, so der Rat des Gesundheitsministers. „Ich mache Urlaub in Deutschland auf jeden Fall“, erklärte er. Die Pressekonferenz ist beendet.

Update vom 21. Mai, 11.10 Uhr: „Öffnen, aber öffnen an den richtigen Stellen“, betont Jens Spahn. Entscheidend sei die Vielzahl aller Maßnahmen, ergänzt RKI-Chef Wieler diesbezüglich. „Darum appellieren wir, dass man schrittweise öffnet.“ Die Maskenpflicht sieht Wieler nicht als großen Einschnitt in das Leben der Menschen.

Corona-PK: Kenntnisstand zur indischen Mutation „noch lückenhaft“ - Impfschutz geringer

Update vom 21. Mai, 11.05 Uhr: „Da ist der Kenntnisstand noch lückenhaft. Wir wissen noch nicht, ob die Variante eine höhere Übertragbarkeit hat“, erklärt Wieler und bezieht sich auf die indische Coronavirus-Mutation B1.617. Diese sei in Deutschland sei vergangener Woche eine „Variant of Concern“. Man tausche sich mit anderen Ländern aus - besonders mit Großbritannien.

Erste Daten würden zeigen, dass die Impfung gegen B.1.617 weniger wirke. „Wir gehen von einem leicht geringeren Impfschutz aus“, sagt Wieler. Wichtig sei es, die Infektionszahlen im Allgemeinen zu reduzieren, macht Wieler noch einmal klar. Man wolle vermeiden, dass sich die Variante in Deutschland verbreite, ergänzt Gesundheitsminister Jens Spahn.

Update vom 21. Mai, 10.57 Uhr: Nach Empfehlung der STIKO sollen sich Genesene sechs Monate später impfen lassen. Dieser Empfehlung sei er gefolgt, so Jens Spahn. Er finde es wichtig, dass sich auch Genesene impfen lassen - besonders im Hinblick auf die Aufhebung der Impfpriorisierung.

Coronavirus: Spahn und Wieler appellieren - Schutzmaßnahmen bei Kindern aufrechterhalten

Update vom 21. Mai, 10.49 Uhr: Den Infektionsschutz bei Kindern sollte man auch weiterhin aufrechterhalten, so Spahn. Schulen könne man mit entsprechenden Maßnahmen öffnen. Das wird in den Bundesländern aktuell unterschiedlich gehandhabt. Damit die Kinder nicht „in den Fokus des Virus“ kommen würden, sei es von Bedeutung die Schutzmaßnahmen aufrechtzuerhalten. Henriette Reker sagt, dass in Köln die Schulen nie Infektionstreiber gewesen seien.

Ab wann ist eine Impfung für Kinder ab zwölf Jahren möglich, fragt ein Journalist. In den USA werden Kinder ab zwölf bereits geimpft. Es sei eine freiwillige Entscheidung der Eltern zusammen mit den zuständigen Ärzten. Einen genauen Zeitpunkt nennt Spahn nicht.

Corona: Spahn und Wieler äußern sich zur geplanten Aufhebung der Maskenpflicht in Niedersachsen

Update vom 21. Mai, 10.38 Uhr: Nun äußert sich Lothar Wieler dazu, dass Niedersachsen die Maskenpflicht im Handel aufheben will. „Ich werde meine Maske noch sehr lange tragen. Ich hoffe, dass diese Erkenntnis noch weiter hält“, so der RKI-Chef. Wissenschaftlich sei die Wirksamkeit der Masken bestätigt. „Ich habe das Gefühl, dass in einigen Bundesländern jede Woche gelockert wird“, sagt Jens Spahn diesbezüglich. Er könne nur für schrittweise Lockerungen werben.

Update vom 21. Mai, 10.31 Uhr: „Auch mit dem gelben Papierausweis ist das Reisen möglich“, stellt Spahn klar. Ein digitaler Impfpass sei dafür nicht notwendig. Beim Übertrag auf den digitalen Impfausweis sei eine Fälschung möglich. Am Ende würde man damit sich mit einer Fälschung des Impfpasses selbst betrügen, betont Spahn.

Corona-PK mit Spahn und Wieler: „Zahlen sind noch immer zu hoch“

Update vom 21. Mai, 10.25 Uhr: Eine Lehre aus der Pandemie sei, dass es in Deutschland kein zentrales Impfregister gebe, so Spahn. „Dadurch, dass wir kein zentrales Impfregister haben - müssen wir da wo, die Impfungen stattgefunden haben, einen digitalen Pass einführen“, sagt er. Die Nacheintragung in den digitalen Pass soll in Impfzentren und Arztpraxen stattfinden, erklärt er. In der zweiten Hälfte des zweiten Quartals solle der Impfpass für die Menschen in Deutschland verfügbar sein.

Henriette Reker, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette erklärt, dass die Stadt zusammen mit dem Fraunhofer-Institut herausgefunden hat, dass soziale Umstände und Wohnsituationen Einfluss auf das Infektionsrisiko haben. In sogenannten „vulnerablen Sozialräumen“ breite sich das Virus schneller aus. Daher wolle die Stadt reagieren und in betroffenen Stadtvierteln vermehrt impfen. Die Oberbürgermeisterin betonte: „Die Imfpungen schützen nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch alle anderen.“

Update vom 21. Mai, 10.15 Uhr: Nun ergreift RKI-Chef Wieler das Wort. Der Rückgang der Fallzahlen mache sich nun auch auf den Intensivstationen bemerkbar. Rund 1.300 Menschen würden pro Woche in Zusammenhang mit Covid-19 sterben. Die Inzidenz in Deutschland liege nun bei 67,3. Auch ein Großteil der Landkreise liege unter der Grenze von 100. „Vergessen wir nicht - wir befinden uns immer noch mitten in der Pandemie. Und die Zahlen sind noch immer zu hoch“, sagt er.

Es müsse ein Impfschutz von 80 Prozent in der Bevölkerung aufgebaut werden. „Das Virus ist unser gemeinsamer Gegner.“ Mit Hinblick auf den Sommer und Herbst sagt Wieler, dass man neben dem Impfen weiterhin auf Maßnahmen wie Abstand und Masken setzen müsse. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt, nur weil wir zu viel zulassen“, mahnt der RKI-Chef vor zu vielen Lockerungen. „Wenn wir weiter zusammenhalten, dann ringen wir das Virus nieder.“

„Die dritte Welle ist gebrochen“: Pressekonferenz mit Spahn und Wieler zur aktuellen Corona-Lage

Update vom 21. Mai, 10.10 Uhr: „Wir wollen das Impfen so einfach machen wie es geht. Pragmatisch sein, aber auch geduldig sein. Nicht jeder kann sofort dran sein“, mahnt Jens Spahn. Man solle Geduld haben mit den Arztpraxen. „Wir haben es bis hierhin zusammen geschafft, das schaffen wir beim Impfen nun auch.“

„Die dritte Welle ist gebrochen“, betont er. Eine Kombination aus Impfungen und Vorsicht seien wichtig. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei - genießen Sie die Feiertage, aber bleiben Sie vorsichtig“, appellierte er. Im Zweifel solle man sich draußen treffen, und sich testen lassen. „Infektionen runter, Impfzahlen hoch - wenn wir das schaffen, haben wir Aussichten auf einen guten Sommer.“ Die Aufhebung der Impfpriorisierung bezeichnet Spahn als sinnvoll.

Update vom 21. Mai, 10.06 Uhr: Die Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler hat begonnen. Mit dabei ist auch die Oberbürgermeisterin von Köln Henriette Reker.

„Die aktuellen Zahlen machen uns zuversichtlich“, sagt Spahn. Fast elf Millionen Menschen seien bereits durch eine doppelte Impfung geschützt. 39,2 Millionen wurde mindestens einmal geimpft. Am Donnerstag seien erneut eine Million Menschen geimpft worden. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Wunder seien keine zu erwarten, die letzten Wochen zeigten jedoch deutlich, wie das Impftempo angezogen haben, betont er. Im Bundesschnitt seien 70 Prozent der über 60-Jährigen geimpft.

Unsere Erstmeldung vom 21. Mai: Coronavirus: Fallende Inzidenzen lassen Länder lockern - Spahn und RKI-Chef geben PK

München ‒ Deutschlandweit sinken die Zahlen der Corona-Neuinfektionen. Auch wenn Münchens Sieben-Tage-Inzidenz weiter über 50 liegt, sind die Werte insgesamt im Sturzflug. Am Freitagvormittag werden Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) eine Pressekonferenz zur aktuellen Coronavirus-Lage geben. Dieses Mal sitzt auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit am Tisch. Los geht es um 10 Uhr. Die Konferenz können Sie in unserem Live-Ticker verfolgen.

Coronavirus: Fallende Inzidenzen lassen Länder lockern - Spahn und RKI-Chef geben eine Pressekonferenz

Die deutschlandweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 67,3. In einzelnen Landkreisen ist der Wert jedoch noch sehr hoch. In Hildburghausen in Thüringen gab es in der letzten Woche 246,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Die Stadt Memmingen hat eine Inzidenz von 235,8. Auch im Erzgebirgskreis in Sachsen steckten sich bei einem Wert von 177,0 noch relativ viele Menschen mit dem Coronavirus an.

Gesundheitsminister Jens Spahn (r.) und RKI-Chef Lothar Wieler.

In Niedersachsen wächst die Hoffnung, bald wieder ohne Maske einkaufen gehen zu können. Die Landesregierung will die Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 nach Pfingsten aufheben. Das geht aus dem Entwurf für eine kurzfristige Lockerung der Corona-Regeln hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Regelung soll schon an diesem Freitag beschlossen werden. Wie es aus der Regierung in Hannover hieß, folgt man damit der Forderung des Handels, weil dieser nach Experteneinschätzung kein Treiber des Infektionsgeschehens sei.

Coronavirus: Bayern will zum Start der Pfingstferien lockern

Obwohl Bayern mit einer aktuellen Inzidenz von 66,9 noch deutlich über der kritischen Marke von 50 liegt, will auch der Freistaat zum Start der Pfingstferien lockern. Ab Freitag, 21. Mai gelten neue Corona-Regeln für Tourismus, Fitnessstudios und Theater. (dpa/lb)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare