„Als würde man mit einem Hammer...“

Corona: Schwedischer Weg der bessere? Drei Gründe, warum das Land die Pandemie besser im Griff hat

Niedrige Infektionszahlen und vom einem Lockdown keine Spur. Es scheint, dass die Schweden besser durch die Corona-Pandemie kommen als der Rest Europas.

  • Schweden scheint besser als andere durch die zweite Welle* der Corona-Pandemie zu kommen.
  • Das Land meldet geringe Infektionszahlen und kaum Corona-Tote.
  • Die Chef-Epidemiologen des Landes haben diesbezüglich drei Ursachen ausgemacht.

Stockholm - Anfang des Jahres war das skandinavische Land noch der Buh-Mann der EU. Inzwischen haben die Corona-Infektionszahlen in Schweden einen historischen Tiefstand erreicht. Von einem Lockdown ist das Land soweit entfernt wie wohl noch nie zuvor. Hingegen kämpfen die Länder mit den striktesten Regeln und Beschränkungen inzwischen wieder mit extrem hohen Fallzahlen. Schwedische Epidemiologen erklären, warum sich ihr Weg ihrer Meinung nach als der Bessere herausstellt.

Coronavirus in Schweden: Die Pandemie löst sich durch einen Lockdown nicht auf

In ganz Schweden soll es nur 14 schwererkrankte Corona*-Patienten geben. Seit Wochen gab es wohl keine Corona-Toten mehr. Doch wie kann das sein? Das Land setzte auf die Selbstverantwortung ihrer Bürger in Sachen Corona und nicht auf einen Lockdown. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass Lockdowns tatsächlich einen Effekt haben“, sagte Schwedens ehemaliger Chef-Epidemiologe Johan Giesecke bereits im April der Bild-Zeitung (hinter einer Bezahlschranke). Und es stellte sich heraus, dass er recht hatte. So gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor kurzem zu, dass der Lockdown „mit dem Wissen heute“ nicht nötig gewesen wäre. Der aktuelle Chef-Epidemiologe Andres Tegnell sagte in der Financial Times dazu: „Als würde man einen Hammer benutzen, um eine Fliege zu töten.“

Der zweite Grund warum Schweden im Augenblick so gut dastehe - Lockdowns seien vergleichbar mit Diäten, sie haben einen Jo-Jo-Effekt. Gieseke sagte das ebenfalls bereits Anfang des Jahres voraus. „Es wird wieder mehr Infektionen geben.“ Denn kein Land schaffe es, sich so abzuriegeln, dass das Virus* verschwinde. Schulen und Geschäfte zu öffnen und wieder zu schließen, sei jedoch „ein Desaster“, so Tegnell. „Menschen werden sehr müde, Unternehmen leiden mehr, als wenn man sie ganz schließen würde.“

Coronavirus in Schweden: Gesundheitssystem war nicht überlastet

Als dritten Grund machte Gieseke schon früh solide Gesundheitssysteme aus. „Die Prognosen für den Bedarf an Krankenhausbetten waren zu hoch. Unser Gesundheitssystem ist nicht kollabiert und es wird nicht kollabieren", so der Epidemiologe. Und so standen weder in Schweden noch in Deutschland die Krankenhäuser vor einem Kollaps. Trotz steigender Infektionenszahlen, lagen gestern nur 236 Corona*-Patienten auf einer Intensivstation. Doch nicht alles lief gut in Schweden. Tegnell gesteht auch Fehler ein.

Bill Gates macht unterdessen große Hoffnung auf die baldige Zulassung einiger Impfstoffe. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

In Österreich könnte man jedoch aufgrund steigender Infektionszahlen bald wieder einen Lockdown in Betracht ziehen. Und auch in Großbritannien gelten ab heute verschärfte Corona-Maßnahmen.

Rubriklistenbild: © dpa/Sebastian Willnow

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