„Großer Frust“ möglich

Sommerurlaub in Gefahr? Reisen nur mit Impf-Zertifikat - Vorschlag aus deutschem Lieblingsziel sorgt für Eklat

An einem Strand südlich von Athen stehen Sonnenschirme für Strandbesucher bereit.
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An einem Strand südlich von Athen stehen Sonnenschirme für Strandbesucher bereit.

Nach dem Corona-Lockdown träumen schon jetzt viele von einem Sommerurlaub. Doch dieser könnte ohne ein Impf-Zertifikat in weite Ferne rücken.

Brüssel - Das Coronavirus und die deshalb getroffenen Maßnahmen halten Europa und die Welt weiter im Winterschlaf. Doch der Impfstart sorgt bei vielen Menschen für große Hoffnung. Besonders der Sommer-Urlaub dürfte für viele Menschen nach dem Lockdown-Winter ein Sehnsuchts-Ziel sein. Doch noch ist lange nicht klar, ob und wie im Sommer in den Urlaub gefahren werden darf.

Auch darüber berät nun die EU auf einem Corona-Gipfel. Dabei kristallisiert sich so langsam aber sicher ein Streitthema heraus: Darf nur mit einem Impf-Zertifikat in den Urlaub gefahren werden?

Corona-Sommerurlaub nur mit Impf-Zertifikat? EU-Länder wohl uneins

Beim EU-Gipfel geht es aktuell auch darum, ob im Schengenraum generell Grenzkontrollen durchgeführt werden. Die EU-Kommission fordert deshalb ein abgestimmtes Vorgehen und lehnt geschlossene Schlagbäume ab. Nur halten sich einige Länder jetzt schon nicht daran. Nach Angaben der EU-Kommission kontrollieren derzeit unter anderem Ungarn, Österreich und Dänemark ihre Grenzen. Mögliche Negative Effekte: Der Warenverkehr wird behindert - dadurch kann es zu Engpässen kommen. Ebenso stellen die Kontrollen für Pendler eine große Hürde dar.

Doch bei dem Gipfel geht es auch um das allgemeine touristische Reisen. Thema des Videogipfels ist deshalb auch ein möglicher einheitlicher Impfpass - mit daran geknüpften Vorteilen wie einfacherem Reisen. Vor allem Urlaubsländer wie Spanien, Griechenland oder Malta drängen darauf. Griechenlands Ministerpräsident hatte dies sogar in einem Brief an Ursula von der Leyen gefordert und mit diesem Vorstoß den Stein ins Rollen gebracht. Die Länder versprechen sich davon einen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung von den Corona-Folgen.

Corona-Sommerurlaub nur mit Impf-Zertifikat? EU-Ratspräsident wird deutlich

Und diese Möglichkeit ist nicht unwahrscheinlich. Auch EU-Ratspräsident Charles Michel sprach sich nun für die Impf-Zertifikate aus. Das berichtet die Bild unter Berufung auf ein Interview im holländischen Fernsehen. Reisen soll dann mittels eines EU-weit anerkannten Impf-Zertifikats möglich sein.

Heißt andersherum: Wer nicht geimpft ist, dürfte wohl nicht reisen. Das Problem: Der Impf-Start holpert gewaltig. Im schlimmsten Fall könnte diese Regelung vielen den Sommer-Urlaub verhageln, falls sie bis dahin eben noch nicht geimpft wurden.

Den möglichen „großen Frust“ bei der Bevölkerung sah auch der EU-Ratspräsident voraus. Er fügte den Hinweis hinzu, dass eine Regelung mit Impf-Zertifikaten aus diesem Grund nicht zu früh erfolgen dürfe.

Doch es gibt innerhalb der EU auch große Gegner dieser Idee. Es werden vor allem „ethische Probleme“, wie etwa von Manfred Weber, angebracht. Angela Merkel machte klar, dass eine Debatte über mögliche Rechte für Geimpfte verführt sei: Derzeit sei ja mangels ausreichender Impfstoffmengen die Impfung selbst ein Privileg und verbriefte Vorteile wären somit ein „doppeltes Privileg“. (rjs/dpa)

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