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Münchner Virologe macht düstere Corona-Prognose für den Winter - einen Hoffnungsschimmer gibt es aber

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Von: Thomas Eldersch

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Die vom RKI veröffentlichten Daten zur Hospitalisierung spiegeln laut Analyse nicht die tatsächliche Corona-Lage in den Kliniken wider.
Die Corona-Situation könnte sich noch einmal verschärfen, sieht ein Münchner Virologe voraus. © Ole Spata/dpa/Symbolbild

Im Winter werden die Corona-Infektionszahlen wieder stark nach oben gehen. So sieht es zumindest der Münchner Virologe Oliver Keppler. Er macht aber auch eine positive Prognose.

München - Die vierte Corona-Welle hat schon zum Ende des Sommers begonnen. Doch wegen dem guten Wetter verlief sie bislang recht mild. Das soll sich bald ändern, meint der Münchner Virologe Oliver Keppler von der Ludwigs-Maximilian-Universität. Dennoch glaubt er, dass die Lockerungen der vergangenen Wochen sinnvoll waren. Und auch bei einer anderen Krankheit macht er Hoffnung.

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Corona in München: Niedrige Infektionszahlen aufgrund des guten Wetters

Mit der kalten Jahreszeit steigt auch wieder das Infektionsrisiko. „Unser Leben verlagert sich nach innen“, sagt Virologe Keppler aus München. Damit werde auch das Infektionsgeschehen weiter an Fahrt aufnehmen. Dass die Zahlen noch nicht so hoch, wie im vergangenen Jahr sind, hätten wir auch dem milden Herbst zu verdanken. „Auch das Wetter hat uns in den vergangenen Wochen im Kampf gegen die Corona-Pandemie geholfen: Es war überwiegend freundlich, und es herrschten oft recht warme Temperaturen“, so der Experte gegenüber der dpa.

Nicht nur das Wetter hat uns bislang geholfen. Ein ganzer Mix aus Schutzmaßnahmen hätten bislang die Zahlen nicht mehr so explodieren lassen wie noch 2020. „Eine gute Impfquote - das ist der zentrale Baustein - viele Genesene, eine hochwertige Testinfrastruktur und ja, auch ein gutes Verständnis der Übertragungswege des Virus. Situationsbezogene Schutzmaßnahmen zählen natürlich auch dazu“, sagt Keppler. Die Menschen würden inzwischen selbstständig die Hygieneregeln einhalten und sich häufig die Hände waschen oder auf das Händeschütteln verzichten.

Corona in München: Lockerungen waren sinnvoll

Obwohl, nach Meinung des Münchner Virologen, die vierte Welle mehr und mehr Fahrt aufnimmt, waren zahlreiche Lockerungen der vergangenen Wochen sinnvoll. „Grundsätzlich müssen wir in dieser Phase der Pandemie in verschiedenen Bereichen Lockerungen versuchen, um zu sehen, was gut vertretbar ist und wo man noch Hygienemaßnahmen oder Testungen zur Absicherung beibehalten muss.“

Man sehe außerdem deutlich, dass sich das Infektionsgeschehen vorwiegend bei den Ungeimpften abspielt. Laut dem bayerischen Gesundheitsministerium lag die Inzidenz am Freitag bei den Geimpften bei 26,2, der Wert bei den Ungeimpften allerdings bei 204,5. Deshalb ist man im Ministerium weiterhin vorsichtig. „Wenn die Impfquote nicht hoch genug ist, können wir ein auch exponentielles Wachstum der Fallzahlen nicht ausschließen“, so eine Sprecherin.

Video: Deshalb steigen die Zahlen in Bayern so stark an

Corona in München: Experte sieht keine Grippewelle auf uns zu rollen

Deutschland wird wohl auch von einer anderen befürchteten Welle verschont bleiben. Die Grippe wird laut Keppler dieses Jahr wohl keine große Rolle spielen. „Ich erwarte keine schwere Grippesaison“, sagt der Wissenschaftler. Die Viren seien durch die Corona-Hygienemaßnahmen gut zurückgedrängt worden. „Auf der Südhalbkugel waren zwei Winter hintereinander kaum Infektionen zu verzeichnen. Einen effizienten Eintrag des Virus bei uns im bevorstehenden Winter halte ich daher für unwahrscheinlich“, sagt Keppler. „Covid-19 muss auch in diesem Winter unser Hauptaugenmerk gelten.“

Der Virologe rät dennoch bestimmten Bevölkerungsgruppen zu einer Grippeimpfung. „Alle Personen, denen die Ständige Impfkommission auch in früheren Jahren die Grippeimpfung empfohlen hat, sollten sich wie zuvor impfen lassen.“ Das betrifft alle Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Vorerkrankte und medizinisches Personal. (tel mit dpa)

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