Viruslast im Fokus

Oxford-Studie: Geimpfte doch so ansteckend wie Ungeimpfte? Delta-Variante ausschlaggebend

Eine Studie aus Großbritannien liefert Erkenntnisse zur Viruslast von Geimpften, die sich mit der Delta-Variante infiziert haben. Die Impfstoffe schützen dennoch gut vor der Corona-Mutation.

London / München - Doppelt geimpft, schützt gut. Auch bei der Delta-Variante bietet die Impfung einen guten Schutz vor schweren Verläufen. Dennoch besteht eine Möglichkeit, dass Geimpfte sich infizieren. In Deutschland ist laut Intensivmedizinern jeder zehnte in einer Klinik trotz Impfschutz erkrankt*. Doch wie ansteckend sind Geimpfte?

Neue Corona-Studie: Geimpfte so ansteckend wie Ungeimpfte?

Daten einer Pre-Print-Studie der Universität Oxford in Großbritannien sollen zeigen, das Delta-Infizierte, die geimpft wurden, eine ähnlich hohe Viruslast haben wie Ungeimpfte. Von einem unabhängigen Forschungsgremium wurde die Studie noch nicht geprüft.

Details zum Studiendesign:

  • Es wurden über drei Millionen Nasen- und Rachenabstrich von geimpften und ungeimpften Erwachsenen untersucht.
  • Dabei wurden zwei Zeiträume untersucht: Im ersten Zeitraum (1. Dezember 2020 bis 16. Mai 2021) war die Alpha-Variante in Großbritannien vorherrschend. Im zweiten Zeitraum (17. Mai 2021 bis 1. August 2021) wurde das Infektionsgeschehen von der Delta-Mutation bestimmt.
  • Ausschlaggebend war für die Wissenschaftler der sogenannte Ct-Wert, der mithilfe eines PCR-Test ermittelt werden kann. Somit kann herausgefunden werden, ob sich jemand mit dem Coronavirus infiziert hat und wie hoch die Viruslast ist. Laut Robert-Koch-Institut gelten Infizierte theoretisch ab einem Ct-Wert von 30 als nicht mehr ansteckend.

Vergleichbare Viruslast mit der von Ungeimpften: Wie ansteckend sind Delta-Infizierte?

Ein Ergebnis der Studie: War die Viruslast bei Geimpften zu Zeiten der Alpha-Variante noch geringer als bei Ungeimpften, führte die Delta-Variante bei Geimpften zu einer vergleichbaren Viruslast wie die von Ungeimpften. Stecken sich Geimpfte also mit der Delta-Variante des Virus an, könnten sie ähnlich ansteckend sein wie Menschen, die noch nicht geimpft sind. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kamen Forscher übrigens in den USA und in einer Pre-Print-Studie in Japan.

Die Tatsache, dass man mehr Viruslast sehe, deute darauf hin, dass die Herdenimmunität schwieriger werden könnte, so Koen Pouwels, Co-Autor der Studie gegenüber Reuters. „Impfstoffe sind wahrscheinlich am besten geeignet, schwere Krankheiten zu vermeiden und etwas weniger, um die Übertragung zu verhindern“, so der Wissenschaftler.

Studie: Wirksamkeit von Biontech lässt bei Delta schneller nach als Astrazeneca - doch Impfstoffe schützen gut

Zwei Impfdosen mit Biontech oder Astrazeneca würden dennoch einen guten Schutz vor der Delta-Variante bieten, so lautet ein weiteres Studienergebnis. Darüber hinaus kamen die Forscher zu folgenden weiteren Erkenntnissen:

  • Die Wirksamkeit der Vakzine nimmt im Lauf der Zeit ab.
  • Die Studie ergab, dass Betroffene, deren zweite Biontech-Dosis einen Monat zurücklag, bei Infektionen mit hoher Viruslast zu 90 Prozent besser gegen die Delta-Variante geschützt waren als Ungeimpfte. Diese Zahl sank nach zwei Monaten auf 85 Prozent und nach drei Monaten auf 78 Prozent. Bei zweimal mit dem Astrazeneca-Vakzin Geimpften lag der Schutz nach einem Monat bei 67 Prozent, nach zwei Monaten bei 65 Prozent und nach drei Monaten bei 61 Prozent.

Diese Zahlen zeigten, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer tatsächlich nachlasse, erklärte Koen Pouwels. Dagegen könnte der über die Monate geringe Rückgang bei Astrazeneca „dem Zufall geschuldet“ sein. Pouwels hob gleichzeitig hervor, dass die Wirksamkeit der beiden Impfstoffe trotz „dieser leichten Abnahme des Schutzes“ weiterhin „sehr hoch“ sei.

Auch Karl Lauterbach hatte zuletzt auf die nachlassende Wirkung der Impfungen hingewiesen. Der Gesundheitsexperte erwartet Impfdurchbrüche sechs Monate nach der Impfung. Im Gespräch sind deshalb in Deutschland bereits sogenannte Booster-Impfungen, also Corona-Auffrischungsimpfungen. (mbr/afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Rafiq Maqbool / dpa / Picture-Alliance

Auch interessant

Kommentare