Kritik an Pandemie-Bekämpfung wächst

Die Corona-Verschwörung - das sind die führenden Köpfe

Coronavirus - Demonstration vor dem Bundestag
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Attila Hildmann, der am Samstag bei einer Demonstration in Berlin kurzzeitig festgenommen wurde.

Trotz der Lockerungen nimmt der Widerstand gegen die Anti-Corona-Politik zu. Verschwörungstheorien verbreiten sich immer stärker. Die tz stellt die Köpfe und Argumente des Protests vor.

  • Einige Beschränkungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens werden nach und nach gelockert - auch in München..
  • Dennoch wächst der Widerstand gegen die Politik in der Coronavirus-Krise und Verschwörungstheoretiker werden laut.
  • Die tz stellt die Köpfe und Argumente des Protests vor.

München - Dank des Internets verbreiten sich Verschwörungstheorien mittlerweile massenhaft und erreichen auch bürgerliche Kreise. Kaum eine Familie oder Freundeskreis, wo derzeit nicht irgendeiner mit der These von der Weltherrschaft, die Bill Gates anstrebe, auftrumpft. Und sogar in Horst Seehofers Bundesinnenministerium zog ein Mitarbeiter mit offiziellem Ministeriums-Briefkopf Anti-Corona-Maßnahmen als „globalen Fehlalarm“ in Zweifel. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kündigte ein härteres Vorgehen an, sollten bei Demos wie am Wochenende erneut die Abstandsregeln verletzt werden. 

Die tz stellt die Köpfe des Corona-Protests vor: 

Attila Hildmann: Mit Kochbüchern wie „Vegan for Fun“ wurde der 39-Jährige bekannt. Der bei deutschen Adoptiveltern aufgewachsene Berliner türkischer Herkunft hat in der Corona-Krise mit seinen Beschimpfungen über „Spahnferkel“ Jens Spahn oder den„hochrangigen Freimaurer“ Lothar Wieler (Chef des Robert-Koch-Instituts) zahlreiche Anhänger gefunden. Zuletzt kündigte der TV-Koch sogar an, in den Untergrund zu gehen und dort „wie ein Samurai im Krieg“ bewaffnet sterben zu wollen. Am Samstag wurde Attila Hildmann auf einer Demo abgeführt.

Anselm Lenz: Der Ex-taz- und Junge-Welt-Journalist verkörpert die linke Seite der Corona-Protestbewegung. Der 40-Jährige arbeitete auch als Dramaturg am Hamburger Schauspielhaus. Hinter der Corona-Pandemie wittert er einen Staatsstreich der „Pharma- und Digitalkonzerne, um die Demokratie abzuschaffen“. 

Kapitalismuskritische Kritik an den Corona-Maßnahmen: Anselm Lenz.

Ken Jebsen: Über seinen Youtube-Kanal KenFM hat der Ex-Radiomoderator eine enorme Reichweite: Mehr als drei Millionen Menschen sahen sich sein 30-minütiges Pamphlet gegen die Weltverschwörung durch Bill und Melinda Gates an, die die Menschheit mit implantierten Mikrochips versklaven wollten. Der 53-Jährige wurde 2011 vom Rundfunk Berlin-Brandenburg gefeuert, unter anderem weil er einen Holocaust-Leugner zitiert hatte und Israel mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt hatte

Kardinal Ludwig Müller: Der Ex-Bischof von

Stellt sich gegen die Bischofskonferenz: Kardinal Ludwig Müller

Regensburg unterzeichnete zusammen mit den erzkonservativen Kardinal Joseph Zen Zekiun und Erzbischof Carlo Maria Vigano einen Appell, wonach die Corona-Pandemie genutzt werden solle, um eine „Weltregierung“ zu schaffen, „die sich jeder Kontrolle entzieht“. Der Ex-Präfekt der Glaubenskongregation ist einer der Hauptgegner von Papst Franziskus im Vatikan. Schon früher hatte der 72-Jährige durch umstrittene Äußerungen bei liberalen Katholiken für Entsetzen gesorgt, etwa, als er die Berichte über Missbrauchsfälle als „Kampagne gegen die Kirche“ abtat und von „Pogromstimmung“ gegen die Kirche sprach. Klaus Pfeffer, Generalvikar des Bistums Essen wertet den Corona-Appell von Müller als „krude Verschwörungsmythen“ ohne Fakten und Belege, die rechtspopulistische Thesen „in ein religiöses Gewand“ hüllen würden.

KR

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