Sie verbreite sich rasch über die Luft

Vietnam meldet neue Corona-Variante - Minister nennt sie „sehr gefährlich“, Experte gibt Einschätzung ab

Krankenhaus in Hanoi
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Das Symbolfoto vom 15. Mai stammt aus einem Krankenhaus in Hanoi.

Die vietnamesischen Behörden haben nach eigenen Angaben eine neue Variante des Coronavirus nachgewiesen, die sich über die Luft rasch weiterverbreitet.

Hanoi - Die vietnamesischen Behörden haben nach eigenen Angaben eine neue Coronavirus-Variante nachgewiesen. Es handele sich um eine Kombination aus dem indischen und dem britischen Virusstamm, sagte Gesundheitsminister Nguyen Thanh Long am Samstag laut Staatsmedien.

Corona-Variante aus Vietnam: Wie groß ist die Gefahr?

Die neue Variante zeichne sich dadurch aus, dass sie sich rasch über die Luft weiterverbreite, sagte der Minister. Nach der Infektion steige die Virenlast im Rachen der Patienten sehr schnell an und verbreite sich dann sehr stark in der Umgebung. Zur Zahl der mit der neuen Variante infizierten Patienten äußerte sich Long nicht.

„Die neue Variante ist sehr gefährlich“, warnte Long zudem laut Nachrichtenagentur Reuters. Das Gesundheitsministerium würde die neue Coronavirus-Variante auf der globalen Genomkarte bekanntgeben, zitierte die Zeitung „VnExpress“ in ihrer Online-Ausgabe den Minister.

Corona-Variante aus Vietnam: Experte ordnet Entdeckung ein

Todd Pollack, Experte für Infektionskrankheiten von der Harvard Medical School, der selbst in Hanoi arbeitet, ordnet die Entdeckung laut Washington Post zurückhaltend ein. „Eine Menge verschiedener Mutationen treten auf, wenn das Virus übertragen wird, von denen die meisten keine klinische Bedeutung haben.“ Weil sie sagten, dass die Variante Merkmale der einen und der anderen habe, „heißt das nicht, dass sie in einem Patienten zusammengekommen sind und ein kombiniertes hybrides ‚Supervirus‘ ausgespuckt haben.“

In Vietnam mit seinen 97 Millionen Einwohnern wurden bislang gut 6700 Corona-Infektionen und 47 Todesfälle registriert - der größte Teil davon seit April. Gut eine Million Menschen sind bislang geimpft.

Corona wütet stark in Südostasien

In mehreren Staaten Südostasiens wütet die Corona-Pandemie derzeit besonders stark. Während in Europa vielerorts die Zahlen sinken, leiden dort einige Länder unter Corona-Wellen, darunter Thailand, Vietnam und Kambodscha. Malaysia kämpft seit Wochen gegen seine bisher schwerste Corona-Welle - ohne Erfolg. Seit Tagen melden die Behörden des südostasiatischen Landes Rekordwerte an Neuinfektionen. Am Freitag wurden 8290 neue Fälle bestätigt - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Noor Hisham Abdullah, postete auf Twitter Fotos von völlig entkräfteten Mitarbeitern des Gesundheitssystems. „Diese Bilder sagen mehr als tausend Worte“, schrieb er dazu.

Auch Karl Lauterbach äußerte sich - vor dem breiten Bekanntwerden der neuen Variante - zur allgemeinen Entwicklung in Asien. Am Samstag schrieb der SPD-Gesundheitsexperte bei Twitter: „Die Entwicklung in Asien zeigt, dass nur über Impfungen ein Ende der Pandemie kommen kann. Es war übrigens immer falsch, wenn vorgetragen wurde, dass App-Kontrolle ohne Datenschutz den Erfolg asiatischer Länder erklären würde. Die Feinde des Datenschutzes lagen immer falsch.“ Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland können Sie hier verfolgen. (AFP/dpa/lin)

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