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Virologin Ciesek zeigt erste Daten zu Omikron BA.4/5: „Angepasster Impfstoff überlegen“

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Von: Bettina Menzel

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CoronavirusDeutschland Sandra Ciesek, Direktorin Institut Virologie virologin
Sandra Ciesek, Direktorin Institut für Medizinische Virologie in Frankfurt, bei einer Bundespressekonferenz (Archivbild, Februar 2021). © Stefan Boness/Ipon/ IMAGO

Eine Studie der Virologin Sandra Ciesek und weiteren Wissenschaftlern liefert erste Daten zu BA.4 und BA.5-Impfstoffen. Für zukünftige Varianten empfiehlt sie, die Strategie zu überdenken.

Frankfurt - Die Omikron-Variante des Coronavirus gilt als ansteckender. Die Sublinien BA.4 und BA.5 schaffen es zudem, die Immunantwort von Geimpften und Genesenen besser zu umgehen. Die Virologin Sandra Ciesek und weitere Wissenschaftler prüften nun in einer Studie, welchen Effekt „alte“ Impfstoffe im Vergleich zu den an Omikron angepassten Vakzinen haben. Ciesek zieht ein klares Fazit - und empfiehlt auch eine neue Strategie für die Zukunft.

So war der Studienaufbau: Erste Daten zu BA.4 und BA.5-Impfstoffen

BA.1 war der erste Omikron-Subtyp, der durch Europa fegte, er wurde jedoch rasch von der noch ansteckenderen Sublinie BA.2 verdrängt. Mittlerweile dominiert BA.5 das Infektionsgeschehen in Deutschland. Nun liegen erste Daten zu den speziellen BA.4- und BA.5-Impfstoffen vor, wie die Virologin Sandra Ciesek am Donnerstag auf Twitter mitteilte.

Die entsprechende Studie erschien am Mittwoch auf dem Preprint-Server bioRxiv. Es handelt sich dabei um eine Vorveröffentlichung, Fachkollegen haben die Untersuchung demnach noch nicht begutachtet. Als Autoren beteiligt waren neben Sandra Ciesek und anderen Wissenschaftlern der Goethe-Universität in Frankfurt auch Forscher der Impfstoffhersteller BioNTech und Pfizer. Darunter auch die BionTech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin, ihres Zeichens selbst Immunologen.

Laut Studiendesign wurden Geimpfte mit einer BA.4/BA.5-Durchbruchsinfektion mit tierexperimentellen Daten verglichen. Ein speziell auf die Omikron-Sublinien angepasster Impfstoff wurde demnach im Mausmodell untersucht. Dabei stellten die Forscher unter anderem die Immunreaktionen an zweimal immunisierten sowie an nicht geimpften oder genesenen Mäusen gegenüber.

Diese Ergebnisse liefert die Studie - Virologin zieht Fazit

Den Studienergebnissen zufolge entwickelten von der Sublinie BA.4 und BA.5 Genesene eine breite Immunantwort, die deutlich breiter als bei BA.1-Genesenen war. Waren Mäuse jedoch mit den „alten“ Impfstoffen zweimal vorimmunisiert, führte ein sogenannter monovalenter BA4./BA.5-Booster zu der höchsten Anzahl an neutralisierenden Antikörpern und damit zu einem besseren Impfschutz. Monovalente Impfstoffe zielen nur auf eine Virusvariante des Coronavirus ab, bivalente Vakzine haben zwei Komponenten und sollen damit gegen den ursprünglichen Virus sowie die Omikron-Variante wirken.

Aus diesen Erkenntnissen zog die Virologin ein klares Fazit: „BA.4/5 Impfstoff ist insbesondere bei der derzeit zirkulierenden Variante BA.5 überlegen“, so Ciesek. Als Booster sei im Mausmodell indes der monovalente BA4./5 Impfstoff dem bivalenten überlegen. „Dieser steht aber nicht monovalent zur Verfügung - nur bivalent“, schrieb die Virologin weiter. Sie empfiehlt daher für zukünftige Varianten die Strategie zu überdenken und möglicherweise parallel auch monovalente Impfstoffe in den Zulassungsprozess zu lassen. Studien zu BA.4 und BA.5-Impfstoffen mit Menschen laufen derzeit.

Vor rund zwei Wochen ließ die Europäische Arzneimittelagentur einen Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zu, der auch gegen die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 wirkt. Bereits Anfang September wurden Vakzine von Biontech und Pfizer sowie Moderna gegen die Omikron-Subvariante BA.1 zugelassen. Die Ständige Impfkommission Stiko empfiehlt allen ab zwölf Jahren eine Grundimmunisierung und eine Booster-Impfung. Eine weitere Auffrischungsimpfung sollen Menschen ab 60 Jahren erhalten sowie alle ab fünf Jahren, die eine Grunderkrankung und damit ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben. Eine Studie aus Portugal zeigte einen relativ hohen Schutz bei Omikron-Genesenen mit zusätzlicher Impfung vor einer BA.5-Infektion.

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