Covid-19 in Deutschland

Corona in Deutschland: Anteil der Delta-Variante verdoppelt sich - Lauterbach warnt speziell Kinder 

Karl Lauterbach und Jens Spahn im Bundestag: Bei der Sorge um die Delta-Variante sind sich die Politiker einig
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Bei der Sorge um die Delta-Variante sind sich Karl Lauterbach und Jens Spahn einig.

Die Corona-Inzidenz sinkt weiter. Die Delta-Variante breitet sich aus. Die Politik befürchtet einen „Sorgenherbst“. Ein Klinikum duldet keine Impf-Verweigerer. Der News-Ticker.

  • Die Corona-Inzidenz in Deutschland befindet sich auf einem stabil niedrigen Niveau.
  • Binnen einer Woche hat sich der Anteil der Delta-Variante laut RKI verdoppelt (Update vom 23. Juni, 22.10 Uhr).
  • Dieser News-Ticker ist beendet - weiter geht es hier.

Update vom 23. Juni, 22.10 Uhr: Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken weiter ab, doch der Anteil der besonders ansteckenden Delta-Variante steigt. Laut einem aktuellen Bericht des Robert-Koch-Instituts hat sich in einer Stichprobe der Anteil der Mutation verglichen mit der Vorwoche verdoppelt. 15,1 Prozent der Getesteten waren mit der Delta-Variante infiziert.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach versetzt das in Alarmbereitschaft. „Die Delta-Variante hat sich in 1 Woche auf ca 15% verdoppelt. Im Raum München und in Hessen liegt sie schon bei 20 Prozent.“ warnt der Mediziner auf Twitter. „Es ist ganz klar, dass wir im Herbst noch einmal ein Problem bekommen, welches alle Ungeimpften und unsere Kinder betreffen wird.“

Bei der Sorge um die Delta-Variante sind sich Karl Lauterbach und Jens Spahn einig.

Update vom 23. Juni, 19.19 Uhr: Gerade die schnelle Verbreitung der Coronavirus-Variante Delta fordert ein schnelles Impf-Tempo. In Sachsen scheint das zu funktionieren. Alle Impfzentren im Bundesland haben derzeit freie Impftermine. Das teilte das Deutsche Rote Kreuz laut Deutschlandfunk am Mittwoch mit. Man sei froh endlich in einer Situation zu sein, jedem in den dreizehn Impfzentren in Sachsen ein Impfangebot zu unterbreiten.

Delta-Variante nach Sommer-Urlaub: Spahn warnt vor „Sorgenherbst“

Update vom 23. Juni, 18.49 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnt bezüglich der Delta-Variante im Düsseldorfer Handelsblatt vor einem „Sorgenherbst“. Urlauber könnten die Virusvariante nach dem Sommer mitbringen. Der Minister mahnt: „Ich appelliere an alle Reisende, sich sorgsam über das Infektionsgeschehen zu informieren, Testangebote anzunehmen und die Quarantänepflichten ernst zu nehmen!”

Jens Spahn warnt: Die Delta-Variante könnte sich bald auch in Deutschland ausbreiten

Update vom 23. Juni, 16.40 Uhr: Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland geht zurück. Laut DIVI-Intensivregister müssen derzeit 812 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden, davon werden 585 künstlich beatmet. Mitte Oktober 2020 lag die Zahl der Intensivpatienten im 800er-Bereich. Es ist der niedrigste Wert seit dem 18. Oktober 2020. Insgesamt sind aktuell 3.387 Intensivbetten frei.

Corona-Regeln am Arbeitsplatz werden gelockert

Update vom 23. Juni, 14.27 Uhr: Ab dem 1. Juli werden die Corona-Regeln am Arbeitsplatz gelockert. Unternehmen müssen zwar weiterhin zwei Tests pro Woche für Beschäftigte anbieten, die nicht von zu Hause aus arbeiten können. Allerdings ist dies laut neuer Corona-Arbeitsschutzverordnung nicht mehr erforderlich, wenn Arbeitgeber „durch andere geeignete Schutzmaßnahmen einen gleichwertigen Schutz der Beschäftigten“ sicherstellen oder nachweisen können, zum Beispiel wenn diese vollständig geimpft sind. Die Bundesregierung hat die neue Verordnung am Mittwoch beschlossen. Sie soll bis 10. September gelten. 

Arbeitgeber sind demnach aber weiterhin gehalten, „die gleichzeitige Nutzung von Räumen durch mehrere Personen (...) auf das betriebsnotwendige Minimum zu reduzieren“. Zudem bleibt es dabei, dass betriebliche Hygienepläne erstellt und Infektionsschutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, etwa durch Trennwände und Abstandsregeln.

Corona in Deutschland: Klinik duldet keine Impf-Verweigerer in ihrer Belegschaft - baldige Kündigung?

Update vom 23. Juni, 12.49 Uhr: Das Klinikum Ludwigshafen (Baden-Württemberg) geht gegen Impfskeptiker vor. Ungeimpfte dürfen keine Führungsaufgaben übernehmen. Die Geschäftsführung im Klinikum Ludwigshafen droht nach Angaben des Betriebsrates mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen, wenn sich Mitarbeiter nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. Das berichtet der SWR. Laut Betriebsrat hat die Klinik schon vier Beschäftigte in der Probezeit gekündigt, weil sie sich nicht impfen lassen wollten. Der Betriebsrat will den ungeimpften Gekündigten gegebenenfalls auch vor Gericht zur Seite stehen.

Nach Angaben des Klinikums seien bisher noch keine Kündigungen ausgesprochen worden. Inzwischen wollen sich, laut SWR, zwei der Betroffenen doch impfen lassen. 83 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krankenhauses seien bereits geimpft. Ziel sei es nach Angaben des Klinikums diese Quote noch zu steigern, um Patienten zu schützen.

Corona in Deutschland: 7-Tage-Inzidenz auf 7,2

Update vom 23. Juni, 10.11 Uhr: In Deutschland sinkt die 7-Tage-Inzidenz auf 7,2. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Mittwochfrüh 1.016 Corona-Neuinfektionen. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte die Zahl bei 1.455 gelegen und die Inzidenz bei 13,2. Binnen 24 Stunden wurden weitere 51 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 137 Tote.

Trotz insgesamt sinkender Corona-Zahlen ist die als ansteckender geltende Delta-Variante des Virus auch in Deutschland auf dem Vormarsch. 

Drosten: „Wir müssen einfach schnell impfen“

Der Virologe Christian Drosten plädiert angesichts der Entwicklung dafür, das Bewusstsein für die Bedeutung der Impfung zu stärken. „Das ist wirklich das, was wir jetzt machen müssen“, sagte der Leiter der Berliner Charité im Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info). Er legte sich nicht fest, ob es wegen der Ausbreitung der Delta-Variante bereits im Sommer oder erst im Herbst zu einer Trendumkehr kommen könnte. Im Herbst werde die Inzidenz auf jeden Fall wieder steigen, sagte Drosten und betonte die Wichtigkeit der Impfung bei Eltern von Schulkindern. 

„Wir müssen einfach schnell impfen“, lautet der Appell des Virologen. Reiche dies nicht, müsse man erneut mit Kontaktbeschränkungen gegensteuern. „Aber es gibt auch gute Gründe zu denken, dass das in Deutschland nicht notwendig wird.“ 

Delta-Mutante in Deutschland gefährlich?

Update vom 22. Juni, 21.23 Uhr: Nach dem Wiederanstieg der Corona-Inzidenz in Großbritannien durch die Delta-Variante sieht der Virologe Christian Drosten für Deutschland auch die Möglichkeit eines anderen Verlaufs. Es könne sein, dass die Lage vorerst relativ konstant bleibe, sagte der Leiter der Virologie der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ (NDR-Info). Heißt: Delta muss in Deutschland nicht so stark grassieren wie in Großbritannien.

Er verwies zum Beispiel darauf, dass es nach Deutschland wohl keine so hohe Zahl an unabhängigen Eintragungen der Variante - etwa direkt aus Indien - gegeben habe. In Großbritannien gebe es zudem eine etwas andere Struktur in der Bevölkerung mit asiatischstämmigen Communitys, in denen das Virus anfangs hochgekocht sei. „Deswegen kann es auch sein, dass sich das bei uns nicht so einstellt.“

In Deutschland lag der Anteil von Delta an den Neuinfektionen nach Daten des Robert Koch-Instituts zuletzt bei gut 6 Prozent (Woche vom 31. Mai bis 6. Juni) - eine Zunahme im Vergleich zu den Wochen davor, der Trend bei der absoluten Zahl der Nachweise ist jedoch rückläufig. Drosten zufolge wäre es aber ein „sehr schlechtes Signal“, sollte sich in den neuen RKI-Daten eine Verdopplung des Anteils im Wochentakt zeigen. Da sich die Werte stets auf einen Zeitpunkt vor etwa zwei Wochen beziehen, sei das im Nachhinein nicht mehr kontrollierbar; es drohe in der Folgewoche wieder eine Verdopplung.

Corona-Inzidenz auf Sinkflug - doch Immunologe nennt besorgniserregende Befürchtung zu Delta-Variante

Update vom 22. Juni, 12.30 Uhr: Während die Fallzahlen sinken und sich die Corona-Lage in Deutschland entspannt, warnen Experten vor der Delta-Variante des Virus. Nun hat sogar die Bundesärztekammer vor Urlaubsreisen in Gebiete gewarnt, in denen die hochansteckende Delta-Variante grassiert.

„Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden“, so Ärztepräsident Klaus Reinhardt gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Wenn Vorsicht und Verantwortung gewahrt seien, spreche dagegen nichts gegen Urlaubsreisen. Für viele Menschen sei der Urlaub nach den Belastungen der vergangen Monate wichtig für das seelische Gleichgewicht. Notwendig sei jedoch die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort, mahnte Reinhardt. Besonders in Großbritannien verschärft sich die Corona-Lage durch die Delta-Variante. Auch die portugiesische Hauptstadt Lissabon hat mit der Virus-Mutante zu kämpfen.

Aktuelle Corona-Risikogebiete laut RKI

Zu gen sogenannten Virusvariantengebieten zählen mit Stand vom 18. Juni 14 Ländern. Nicht in allen ist die Delta-Variante die vorherrschende Mutation. Zu den Gebieten zählen: Botsuana, Brasilien, Eswatini, Indien, Lesotho, Malawi, Mosambik, Namibia, Nepal, Sambia, Simbabwe Südafrika, Uruguay und Großbritannien.

Unsere Erstmeldung vom 22. Juni: Corona-Inzidenz auf Sinkflug - doch Immunologe nennt besorgniserregende Befürchtung zu Delta-Variante

Berlin - Die Corona-Fallzahlen sinken weiter. Auch am Dienstag (22. Juni) setzt sich der positive Trend fort. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete 455 neue Infektionen und 77 Covid-19-Todesfälle. Zum Vergleich: Noch vor einer Woche hatte der Wert der Ansteckungen bei 652 gelegen, die Zahl der Toten lag bei 93. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz ist weiter auf Sinkflug: Am Dienstagmorgen gab das RKI den bundesweiten Wert mit 8,0 an (Vortag: 8,6; Vorwoche: 15,5; Vormonat: 66,8).

Coronavirus in Deutschland: Inzidenzen der Bundesländer - zwei Regionen über 35,0

Indes liegen nur noch zwei Regionen in Deutschland über einem Inzidenzwert von 35: Dem RKI-Dashboard zufolge weist die rheinland-pfälzische Stadt Zweibrücken mit 43,9 bundesweit den höchsten Wert auf. Die bayerische Stadt Schweinfurt (43,1) folgt kurz dahinter. Bei den Bundesländern liegen das Saarland und Baden-Württemberg (beide 11,9) an der Spitze. Die geringste Inzidenz weist Mecklenburg-Vorpommern mit einem Wert von 2,1 vor.

Corona: Bedrohung durch Delta-Variante - Immunologe fürchtet Gefahr für Herdenimmunität

Die Besorgnis vor der Delta-Variante wird in Deutschland immer größer. Einem Experten zufolge könnte die befürchtete Ausbreitung der Corona-Mutation sogar das Erreichen von Herdenimmunität weiter erschweren. „Delta ist noch ein Stück ansteckender als die derzeit vorherrschende Virusvariante Alpha (B.1.17). Anhand der bisherigen, noch unsicheren Daten bräuchte man wohl rund 85 Prozent immune Menschen in der Bevölkerung, um die Ungeimpften indirekt mitzuschützen“, sagte Carsten Watzl gegenüber der dpa. Watzl ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

„Wir kommen also in Bereiche, die schwer zu erreichen sind, solange es für Kinder unter 12 Jahren keinen zugelassenen Impfstoff und für alle unter 18 Jahren keine allgemeine Impfempfehlung gibt. Es kann sein, dass Herdenimmunität nur für einzelne Einrichtungen wie Pflegeheime erreicht werden kann, aber nicht für das Gros der Bevölkerung“, sagte Watzl. Mangels Impfmöglichkeiten gelte auch für jüngere Schüler, dass bei ihnen zunächst keinerlei Gemeinschaftsschutz besteht.

Zuletzt hatten Experten und Politiker bereits vor der Delta-Variante gewarnt. Ein Minister schloss auch neue Kontaktbeschränkungen nicht aus.

Corona: Delta-Variante macht in Deutschland einen Anteil von 6,2 Prozent aus

Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht seit längerem von einem Ziel von mehr als 80 Prozent immunen Menschen - nach vollständiger Impfung oder Infektion plus Impfung -, um weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichten zu können. Zu Beginn der Pandemie gingen Experten noch von einem Anteil von rund zwei Dritteln aus, wegen des damals noch weniger infektiösen Erregers.

Auch das Erreichen einer Impfquote von 60 bis 70 Prozent sei nach Einschätzung des Immunologen Watzl schon eine große Hilfe für die Pandemiebekämpfung. „Die Hoffnung ist, dass es dann nur noch zu kleineren Ausbrüchen kommt, die keine Lockdown-Maßnahmen mehr erfordern.“ Menschen, die nicht geimpft werden können, die sich nicht immunisieren lassen wollen oder bei denen die Impfung etwa aus Gründen wie Alter oder Erkrankung nicht so gut anspricht, würden sich dann am ehesten infizieren. „Die gute Nachricht ist: Jeder, der vollständig geimpft ist, ist auch vor Delta geschützt“, sagte Watzl.

Wachsamkeit sei nun wichtig, damit keine neue Welle mit der Variante aufkommen könne, appellierte Watzl. Kontakte nach Ausbrüchen müssten genau nachverfolgt werden. Zwar beschreibt das Robert Koch-Institut für Anfang Juni einen wachsenden Anteil von Delta an den untersuchten positiven Corona-Proben in Deutschland, von 3,7 auf 6,2 Prozent. In absoluten Zahlen entwickelten sich die Delta-Fälle jedoch rückläufig, ebenso wie die Corona-Fälle insgesamt, so Watzl. „Das ist ein Unterschied im Vergleich zur Ausbreitung der in Großbritannien entdeckten Variante Alpha zu Jahresbeginn. Diese Variante hatte immer mehr zugelegt, was aber zunächst durch den insgesamt sinkenden Trend der Fallzahlen verdeckt blieb.“ (mbr/dpa)

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