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Das deutsche Alphabet hat endlich ein großes "ß"

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Das große "ß".
Das große "ß". © dpa

Die letzte Lücke im deutschen Alphabet ist geschlossen.

Er wurde 130 Jahre lang mehr oder weniger intensiv gesucht und nie gefunden, kam in der DDR in den 50ern schon mal zur Welt, überlebte aber nicht. Aber jetzt, jetzt gibt es ein großes „ß“, das wir leider noch nicht darstellen können – aber dafür zeigen.

Ob das jemanden in der Praxis interessiert, ist schon offener. Denn die große (versale) Variante des kleinen Bruders „ß“ wurde bisher großzügig umschifft. Etwa bei Firmenschildern in Großbuchstaben (Versalien) – nehmen wir etwa: „Fußpflege Meier“, da wurde bisher einfach „FUSSPFLEGE Meier“ geschrieben. Falsch, aber geht schon.

Dass der Buchstabe 130 Jahre nach seinen Kollegen überhaupt geboren wurde, verdankt er dem Deutschen Institut für Normung (DIN), die für ihn schon lange nach einem Zeichen sucht. Ein Teilerfolg für DIN, nicht mehr. Denn die Rechtschreibreform steckt vielen noch immer in den Knochen, und eine Änderung der so oft hin- und hergemodelten Rechtschreibregeln ist nicht in Sicht. „Die Menschen werden entscheiden, ob sie es verwenden“, meint DIN-Geschäftsführerin Kerstin Güthert. Und auch die internationalen Normungsgremien wollen das Baby nicht mit aller Macht beliebt machen, sondern halten sich zurück – selbst wenn ein schöner Gruß was anderes ist als ein SCHÖNER GRUSS.

Und wie läuft das Ganze in der Praxis ab? Inzwischen sind bereits die ersten Tastatur-Betreiber auf dem Markt, die das große „ß“ mittels einer Tasten-Kombination zur Verfügung stellen. Doch ob das „ß“ sein Schattendasein unter dem „?“ auf der Tastatur tatsächlich aufgeben darf und zu seinen stolzen 26 Brüdern und drei Halbbrüdern namens Ä, Ö, Ü darf, steht noch in den Sternen. Eine eigene, 27. Buchstabentaste ist alles andere als eine Kleinigkeit, sagen die Tastatur-Hersteller. „Das wäre ein erheblicher Eingriff in das Standard-Tastatur-Layout“, meint etwa eine Sprecherin von Cherry, dem Marktführer bei Tastaturen in Deutschland. Man wird sehen, ob das Riesen-Baby eine Überlebenschance hat.

Quelle: tz

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