"Das ist das Ende der Orang-Utans!"

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Letzter Hilferuf: „Präsident, retten Sie meine Freunde, retten Sie Tripa, vollstrecken Sie das Gesetz“, steht auf dem Schild

Medan - Rund 100 Orang-Utans sind nach Angaben von Umweltschützern in den letzten Monaten durch Brandrodung auf Sumatra verendet. Nur noch 200 der rotbraunen Affen seien im Torfmoorwald noch am Leben.

Die Arme und Beine hängen schlaff herunter, an manchen Stellen ist das Fell verbrannt, das Gesicht ist regungslos – und wenn Orang-Utan Barhoeny mal für einen Moment die Augen öffnet, sprechen unendliches Leid und Schmerz aus ihnen. Dabei geht es dem siebenjährigen Menschenaffen besser als vielen seiner Artgenossen auf der indonesischen Insel Sumatra. Denn Barhoeny lebt – im Gegensatz zu etwa 100 anderen Orang-Utans, die nach Angaben von Umweltschützern in den letzten Monaten durch Brandrodung verendeten. Nur noch 200 der rotbraunen Affen seien im Torfmoorwald im Norden Sumatras am Leben – bis Ende des Jahres könnten alle Menschenaffen in dem Gebiet ausgestorben sein!

Schuld an der Vernichtung des Orang-Utan-Lebensraumes sind die Palmölfirmen. Gegen zwei dieser Konzerne – Surya Panen Subur 2 und Kallista Alam – haben die Behörden nun Ermittlungen eingeleitet. Ihnen wird vorgeworfen, illegal über 16 Quadratkilometer des so wichtigen Toorfmoorwaldes Tripa abgeholzt, entwässert und abgefackelt zu haben, um Platz für ihre Plantagen zu schaffen. Weil der weltweite Hunger auf das billige Pflanzenfett wächst – unter anderem steckt es in Biodiesel, in vielen unserer Lebensmittel und Kosmetikartikel –, sind Palmölplantagen finanziell besonders lukrativ. Der Bedarf an Anbaufläche ist schier grenzenlos. Nur noch 140 der einst 600 Quadratkilometer Wald in der Region sind noch intakt. Beim Abbrennen entsteht zudem besonders viel klimaschädliches CO2, da die teils über 8000 Jahre alten Böden metertief ausbrennen.

Für die Orang-Utans hat das katastrophale Folgen. Die örtlichen Auffangstationen platzen aus allen Nähten. Was die unermüdlichen Tierschützer zu sehen kriegen, können sie kaum verkraften. Tote Affen, die keinen Weg mehr aus dem Flammenmeer gefunden haben, halb erstickte, verbrannte Tiere mit offenen Wunden und Knochenbrüchen, die vor Schreck von ihren Bäumen gefallen sind, Orang-Utans, die von Plantagenarbeitern gefangen genommen und misshandelt wurden oder schlicht halb verhungerte, erschöpfte Affen, die in ihrem verkohlten Zuhause kein Futter mehr finden.

Tierschützer versuchen derzeit, die jüngst erteilten Konzessionen für Waldrodungen in Tripa vor Gericht annullieren zu lassen; die Palmölfirmen interessiert die juristische Auseinandersetzung aber wenig. Drei Viertel des indonesischen Regenwaldes auf Sumatra sind bereits zerstört. Insgesamt leben nur noch geschätzte 6600 Orang-Utans auf den indonesischen Inseln Borneo und Sumatra in freier Wildbahn. Wird die Vernichtung ihres Lebensraumes nicht sofort gestoppt, befürchtet Deddy Rathi von der Naturschutzorganisation Walhi das Schlimmste für die bedrohten Affen: „Wenn Ende Mai erst die Trockenzeit beginnt, werden die Feuer gar nicht mehr aufzuhalten sein. Das bedeutet das Ende der Orang-Utans von Sumatra.“

Iris Spiegelberger

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