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Decathlon stoppt Kajak-Verkauf in zwei Städten, weil sich Migranten in Lebensgefahr begeben

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Von: Antonio José Riether

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Ein Migrant in Begleitung eines britischen Grenzbeamten.
Ein Migrant in Begleitung eines britischen Grenzbeamten. © Edward Crawford/imago-images

Um den rund 30 Kilometer weiten Meeresarm zwischen Frankreich und England zu überqueren, nutzten Migranten zuletzt Kajaks. Ein Sportartikelhersteller entfernte diese nun aus dem Sortiment.

Calais – Tausende Migranten unternehmen jährlich den Versuch, über den Ärmelkanal zu gelangen. Anfang November wurden bereits knapp 300 Personen aus dem Meeresarm zwischen Frankreich nach England geborgen, zuletzt nutzten einige Migranten nachweislich Kajaks und andere behelfsmäßig Boote für ihre riskante Fahrt. Nun reagierte ein Sportgerätehändler mit einem drastischen Schritt.

Migranten überqueren Ärmelkanal: Sportartikelhersteller Decathlon stellt Verkauf von Kajaks ein

Angesichts der jüngsten Vorkommnisse stellte der französische Sportartikelhersteller Decathlon den Verkauf von Kajaks in zwei Filialen nahe dem Ärmelkanal ein. Wie die Pressestelle von Decathlon gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bekannt gab, würden in den Geschäften von Calais als auch in Grande-Synthe „aufgrund der aktuellen Situation“ keine Kajaks mehr angeboten. Allerdings werden Sportartikel, „die die Sicherheit auf See erhöhen, wie etwa Westen, Paddel oder Thermoschutz“ weiter im Sortiment der beiden betroffenen Standorte zu finden sein, wie die Pressestelle hinzufügte.

Für die Überquerung des Ärmelkanals, der an seiner engsten Stelle etwa 34 Kilometer breit ist, seien die Paddelboote ungeeignet, so die Begründung des Unternehmens. Menschen könnten beim Versuch der Überquerung ihr Leben gefährden. Dazu passt auch, dass die Geschäfte selbst den Vorschlag, die Kajaks aus dem Angebot zu entfernen, selbst anstießen.

Zehntausende Migranten wollen Kanal überqueren – wachsende Spannungen zwischen England und Frankreich

Seit vergangenem Freitag werden drei Flüchtlinge vermisst, die den Kanal in Kajaks überqueren wollten, erst einen Tag zuvor waren zwei Kajaks an der Küste von Calais in Nordfrankreich entdeckt worden, zwei Schiffsbrüchige konnten gerettet werden. Sie stellen jedoch nur einen kleinen Teil des Problems dar.

Knapp 30.000 Migranten versuchten zwischen Januar und Ende September diesen Jahres, über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Die Zahl der lebensgefährlichen Bestrebungen stieg in den vergangenen Wochen erheblich an, damit häuften sich auch die Unfälle an der Meerenge. Folglich erhöhten sich die Spannungen zwischen der französischen und britischen Regierung.

Die Vertreter beider Länder beteuerten, die Zusammenarbeit weiter zu verstärken, um die „gefährlichen Überquerungen“ einzudämmen. Dies erklärten Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin sowie sein britisches Äquivalent Priti Patel am Dienstag. In Grande-Synthe räumten Sicherheitskräfte am selben Tag ein wildes Flüchtlingslager mit mehr als 1000 Bewohnern. (ajr)

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