Bizarres Brauchtum

Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln - Über 1000 Tiere in die Enge getrieben und getötet

Nach einer erneuten Treibjagd auf den Färöer-Inseln sorgen mehr als 1000 tote Delfine für großes Entsetzen. Nun meldet sich die Regierung zu Wort.

Update vom 16. September: Nach großem Entsetzen über eine aus den Fugen geratenen Delfinjagd auf den Faröer-Inseln (siehe Erstmeldung) will die dortige Regierung die Praxis nun auf den Prüfstand stellen. Die Situation bei der Jagd vergangenen Sonntag sei wegen der erheblichen Größe der in die Enge getriebenen Delfinschule außergewöhnlich gewesen. Das schrieb Regierungschef Bárður á Steig Nielsen am Donnerstag in einer Mitteilung auf der Regierungswebseite. Trotzdem werfe der Vorgang Fragen auf hinsichtlich der Zahl der Delfine, die bei einer einzigen Jagd getötet werden sollten, sowie im Bezug auf die Jagdmethoden.

Färoischen Zählungen zufolge wurden 2020 insgesamt 576 Grindwale und 35 Weißseitendelfine getötet. Die Zahl der kürzlich über 1400 getöteten Delfine ist damit als außergewöhnlich hoch zu betrachten. Die Jagd auf Weißseitendelfine sei nicht im selben Maße in der Tradition der Färöer-Inseln verwurzelt wie die auf Grindwale und habe nicht dieselbe kulturelle Legitimation, so der Regierungschef. Er fügte hinzu: „Wir nehmen diese Angelegenheit sehr ernst. Obwohl diese Jagden als nachhaltig gelten, werden wir uns die Delfinjagden und welchen Platz sie in der Gesellschaft der Färöer spielen sollten, sehr genau anschauen.“

Das Abschlachten der Delfine und Wale auf den Färöer-Inseln geht auf Wikingerzeiten zurück.

Erstmeldung vom 15. September:

Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln - Über 1000 Tiere in die Enge getrieben und verendet

Kopenhagen – Entsetzliche Tat in Skandinavien: Hunderte Delfine sind Berichten zufolge auf den Färöer-Inseln in einen Fjord getrieben und getötet worden. Nach Angaben des heimischen Rundfunksenders KVF wurden mehr als 1400 der Tiere am Sonntag im Skálafjord erlegt. In der Folge habe die abscheuliche Aktion die lokale Debatte über die traditionsreiche Waljagd erneut in Gang gebracht. Diese Jagd wird als „Grindadrap“ bezeichnet und seit Jahrhunderten auf den zum dänischen Königreich zählenden, aber weitgehend autonomen Inseln im Nordatlantik betrieben.

Selbst der ehemalige Vorsitzende der färöischen Vereinigung für den Grindwalfang sagte demnach zu KVF, die Tötung einer solch großen Anzahl an Delfinen sei überzogen. Der heutige Leiter der Vereinigung fürchtete um den Ruf der Färöer-Inseln. Es sei an der Zeit, ernsthaft darüber zu diskutieren, ob die Jagd von Delfinen weiterhin zugelassen bleiben sollte, sagte er dem Online-Medium In.fo.

Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln - „Neue Dimension der Jagd erreicht“

Die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd veröffentlichte ein Video auf Facebook, auf dem zu sehen war, wie Männer die Tiere aus blutrotem Wasser an einen Strand zogen. Die Organisation sprach von der größten Herde Meeressäuger, die auf den Färöer-Inseln jemals bei einer einzigen Aktion getötet worden sei. Eine Delfinschule sei etwas Schönes, das man bewundern und nicht auf einen blutgetränkten Strand ziehen sollte, schrieb ein Nutzer dazu.

„Die Jagd ist sinnlos und verursachte gemäß Augenzeugenberichten großes Tierleid. Hier wurde eine Grenze überschritten und eine neue Dimension der Jagd erreicht“, kritisierte auch die Meeresschutzorganisation OceanCare. Wie Sea Shepard mittlerweile in einem weiteren Post ergänzte, sei die Erlaubnis der schrecklichen Aktion durch jemanden erfolgt, der dazu gar nicht befugt war:

Walfang auf Färöer: Schrecklicher Brauch wird seit Jahrhunderten gepflegt

Der erbarmungslose Walfang geht auf den Färöer-Inseln bis zu den Wikingerzeiten zurück. Die Tiere werden von Schiffen und Booten in eine Bucht getrieben, dort geschlachtet und das Fleisch im Anschluss an die Teilnehmer verteilt. Hauptsächlich werden Grindwale erlegt, aber manchmal auch Delfine. Laut färöischen Zählungen wurden 2020 insgesamt 576 Grindwale sowie 35 Weißseitendelfine getötet. Die Zahl von über 1400 getöteten Delfinen ist also außergewöhnlich hoch.

Derweil wurde ein bedrohtes Tier erneut in Deutschland gesichtet. Ein Nationalpark richtet eine wichtige Bitte an die Menschen. (tz/dpa)

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