Bisher größter Datendiebstahl erschüttert die Deutsche Telekom

Der Mega-Datenklau

Telekom-Chef René Obermann entschuldigte sich bei allen Kunden
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Telekom-Chef René Obermann entschuldigte sich bei allen Kunden

Noch nie hat es einen Skandal dieses Ausmaßes gegeben: Datensätze von 17 Milllionen Kunden der Telekom-Tochter T-Mobile sind gestohlen worden – und zwar schon 2006! Das Unternehmen schaltete damals sofort die Staatsanwaltschaft ein.

Doch dass der Fall nun bekannt wurde, hängt mit Recherchen des Magazins Der Spiegel zusammen. Es berichtete jetzt, die Daten würden noch immer in kriminellen Kreisen zirkulieren!

Telekom-Sprecher Stephan Broszio versicherte gestern, es gebe keine Hinweise darauf, dass die brisanten Daten tatsächlich verkauft wurden. Laut Spiegel sind neben Prominenten wie Hape Kerkeling und Günther Jauch auch Geheimnummer und Privatadressen von hohen Politikern, Ministern, Ex-Bundespräsidenten, Wirtschaftslenkern, Milliardären und Glaubensvertretern betroffen. Das Bundesinnenministerium bestätigte gestern, es habe das Bundeskriminalamt damit beauftragt, Gefährdungsanalysen dieser Politiker und Wirtschaftsgrößen zu erstellen.

Telekom-Chef René Obermann entschuldigte sich unterdessen bei den Kunden für den „sehr ärgerlichen Vorfall“ (siehe unten). Der Konzernchef, der 2006 noch selbst die Mobilfunksparte T-Mobile leitete, bestätigte in der Bild am Sonntag, sein Unternehmen sei damals von einem Vertriebspartner informiert worden, dass ihm Daten angeboten wurden. Darauhin habe die Telekom sofort Untersuchungen eingeleitet und Anzeige erstattet. Die Behörden hätten dann bei Razzien tatsächlich Datenträger sichergestellt.

Die Bonner Staatsanwaltschaft sprach von konkreten Ermittlungen gegen Personen, welche die Daten angeboten hatten. Die Datendiebe selbst seien jedoch noch unbekannt. Die Telekom hat seither zwei Mitarbeiter entlassen – eine konkrete Tatbeteiligung konnte den Beiden aber nicht nachgewiesen werden.

Telekom-Chef Obermann bemüht sich nun um Schadensbegrenzung: „Nach unseren Erkenntnissen hatte man 2006 die Daten zwar angeboten, aber keine Abnehmer gefunden.“ Fachleute hätten während der Ermittlungen den Markt lange Zeit beobachtet und keinen Hinweis auf noch im Umlauf befindliche Daten bekommen. Die Spiegel-Recherchen über wiederaufgetauchte Daten hätte alle überrascht. T-Mobile Geschäftsführer Philipp Humm erklärte: „Dass dieser Fall aus 2006 uns erneut beschäftigt, trifft uns sehr.“

5 Fragen, 5 Antworten: Wem unsere Daten nützen

Wieviele Kunden hat T-Mobile?

Mehr als 38 Millionen Menschen in Deutschland telefonieren mit ihrem Handy über T-Mobile. Im Jahr 2006, als die Datensätze illegal kopiert wurden, hatte der Konzern 30 Millionen Handy-Kunden.

Welche Daten sind denn verschwunden?

Neben Namen und Anschrift von rund 17 Millionen Handykunden auch die Mobilfunknummern, teils das Geburtsdatum und in einigen Fällen auch die E-Mail-Adresse. Die Datensätze enthalten keine Bankverbindungen, Kreditkartennummern oder Verbindungsdaten, versichert die Telekom.

Wer braucht meine Daten und wofür?

Mit dem Sammeln, Auswerten und Verkaufen von persönlichen Daten lässt sich gut Geld verdienen. Firmen können damit bessere Kundenprofile erstellen und Marketingstrategien erarbeiten, Werbung wird zielgerichteter verteilt (per Post, E-Mail, SMS, Telefon). Unternehmen prüfen mit Wirtschaftsauskunftteien (Schufa) unsere Bonität usw. In gewissen Grenzen ist das legal und eine normale Geschäftstätigkeit, sensibel ist das Geschäft mit der Privatsphäre der Bürger aber immer.

Wie reagiert die Telekom?

Zunächst hat sich Telekom-Chef René Obermann für den Skandal entschuldigt. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verschärft. Darüberhinaus bietet T-Mobil jetzt allen Kunden einen kostenlosen Wechsel der Rufnummer an. Und: Der Konzern hat eine Gratis-Hotline eingerichtet: 0800/330034505.

Greift die Politik jetzt ein?

Politiker fordern jetzt die schnelle Einführung eines Qualitätssiegels für Datenschutz. „Das sollten alle Unternehmen erhalten, die in diesem Bereich mehr tun, als der Gesetzgeber heute von ihnen verlangt“, so der SPD Rechtsexperte Dieter Wiefelspütz.

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Datenschutz-Skandal - 17 Mio. Telekom-Nummern geklaut

Reichlich Lücken im Sicherheits-System

Erneut steht die Deutsche Telekom im Blickpunkt einer Datenaffäre. Eine Übersicht wesentlicher Vorwürfe – allein aus dem Jahr 2008:

24. Mai 2008: Der Konzern räumt ein, dass es 2005 und 2006 zu einer „missbräuchlichen Nutzung von Verbindungsdaten“ gekommen sei. Konkret: Die Telekom hatte systematisch die Telefondaten eigener Manager und Aufsichtsräte ausgewertet, um undichte Stellen sowie Kontakte zu Journalisten aufzuspüren.

29. Mai: Die Bonner Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen u. a. gegen den früheren Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel auf. Es geht um mögliche Verstöße gegen das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz. Razzia sowohl in der Bonner Telekom-Zentrale, als auch in anderen Objekten.

19. August: Nach einem Bericht des NDR sind auch Kunden der Telekom von Datendiebstahl betroffen. Ein Call-Center in Bremerhaven soll sich illegal Zugriff auf Datenbanken verschafft und diese an Dritte weiterverkauft haben. Die Telekom erklärt, das Unternehmen sei „offenbar Opfer hochkrimineller Machenschaften“ geworden.

1. Oktober: Die Telekom bestätigt einen Stern-Bericht, wonach zentrale Kundendaten mit entsprechendem Code und Passwort jahrelang auch außerhalb der Konzernarbeitsplätze zugänglich waren. Das Sicherheitsleck sei allerdings schon im August 2007 geschlossen worden.

Quelle: tz

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